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26.11.2013

06:00 Uhr

OECD-Vergleich

Wo arbeiten Lehrer am meisten?

Deutsche Lehrer arbeiten im Durchschnitt 1793 Stunden pro Jahr – und damit deutlich mehr als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Vollzeit hierzulande. Andere Staaten verlangen ihren Paukern noch mehr ab.

Lehrer an einem Gymnasium in Kerpen: Trotz zwölf Wochen im Jahr vielbeschäftigt. dpa

Lehrer an einem Gymnasium in Kerpen: Trotz zwölf Wochen im Jahr vielbeschäftigt.

Sich über die Pauker und ihre langen Ferien aufzuregen gehört zur Lieblingsbeschäftigung der Deutschen. Doch fair ist das nicht, wie eine Statistik der OECD zeigt: Demnach arbeitet ein deutscher Lehrer – trotz seiner zwölf Wochen Ferien – im Schnitt 1793 Stunden pro Jahr. Das ist deutlich mehr als jene 1645 Stunden, die ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer mit Vollzeitstelle im Dienst verbringt.

Zwar steht ein Lehrer nur rund 700 bis 800 Stunden pro Jahr vor der Klasse, doch mehr als die gleiche Zeit geht für die Vorbereitung des Unterrichts und Verwaltungskram drauf. Und im internationalen Vergleich arbeiten deutsche Lehrer sogar gut 100 Stunden mehr pro Jahr als der Durchschnitt in den Industrieländern. Die Staaten, die ihren Lehrern am meisten abverlangen, sind laut OECD die USA und Chile – mit knapp 2000 Stunden jährlich.

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Die Zahl der Wochen, die ein deutscher Lehrer Ferien hat, ist mit zwölf zwar doppelt so hoch wie bei den meisten anderen Arbeitnehmern. Doch im internationalen Vergleich haben Lehrer im Schnitt 14 Wochen frei. In Frankreich sind es 17 Wochen, in Griechenland sogar gut 20.

Kommentare (36)

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pit

26.11.2013, 07:49 Uhr

Solche Untersuchungen lobe ich mir. Welcher Lehrer hat/nutzt eine Zeiterfassung. Welche Zeiten werden berücksichtigt. Wie ist das mit dem Klassenausflug? Wintersport in Südtirol oder 5 Tage Paris, London, Madrid oder Rom. Zeitungslesen, Surfen im www. Dann die Vorbereitung der Lehrer: Nach 30 Jahren haben sie immer noch ihre Zettel aus dem Referendariat auf dem Tisch liegen. Wer misst eigentlich die Qualität der erbrachten Leistung? Solche Erhebungen sind für die Katz. Solange Lehrer zu spät kommen, den Versuch in Physik oder Chemie während der Stunde vorbereiten etc. kann man nicht seriös von zeitnehmen sprechen. Wie ist das mit der Golf- und Tennisstunde bei Sportlehrern, den Kajakferien in Alaska, der Reitstunde.....
Das wäre doch mal wert recherchiert zu werden.

JMK

26.11.2013, 08:05 Uhr

JMK
Genau:
nach eigener Einschätzung arbeitet jeder selbst am meisten und jeder andere weniger (und verdient dafür zudem noch - "unverdient" - mehr!). Woran man sieht, das sich 50% in ihrer Selbstbewertung irren.
Ich vermute einmal Richter arbeiten danach (zu Hause) noch länger und Politiker (dereinst Schlagzeile Bild für einen Präsidenten auf Reise: 24 Std für Deutschland!)am meisten.
Schafft die Stechuhren heute ab und wir sind morgen wieder mühelos Weltmeister.

tom

26.11.2013, 08:40 Uhr

Es gab und gibt Zeiten, da musste ich und muss ich als Unternehmer auch mal 80 Stundenwochen hinlegen. Dann beklagt sich meine Frau oft, wann ich mal wieder Zeit für sie hätte. In einer solchen Phase, zwei drei Jahre zurück, an einem wunderschönen Sommerwerktag, stand meine Frau auf unserer Terrasse, und hängte die Wäsche unserer drei Kinder auf. Auf der Nachbarterrasse saß eben unsere Nachbarin, Grundschullehrerin und meinte zu Ihrem Mann, Orchestermusiker, daher auch mittags zu Hause, laut genug ,so dass es meine Frau hörte: "Tu ich heut noch was, nein, heute mag ich nicht mehr". Man hat dann den Tag auf der Terrasse verbracht und ich hatte am Abend eine Menge mit meiner Frau zu diskutieren und zu motivieren.

Es mag Lehrer geben, die sind fleißig, aber es sind zu wenige und das liegt ganz einfach daran, dass Selbstdisziplin in diesem Land zunehmend zur Mangelware wird. Warum sollte der Lehrer arbeiten, wenn ihn keiner kontrolliert? Das ist die Realität und es überall das gleiche Problem. Wo Fleiß und Arbeitsergebnis in keiner Relation zu Verdienst und Einkommen sind, funktioniert es nicht mehr. Da stehen die Lehrer nicht alleine und hier glaube ich auch keinen gefärbten Statistiken.

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