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10.02.2014

18:01 Uhr

Öko-Boom

Hohe Nachfrage überfordert Bio-Bauern

Der Bio-Markt in Deutschland wächst weiter. Doch es gibt auch einen Wermutstropfen: Die deutschen Öko-Bauern können bei weitem nicht genug produzieren. Das liegt auch an den vielen neuen Biogasanlagen.

Griff zu Bio-Produkten: Der Umsatz der Bio-Ketten steigt. dpa

Griff zu Bio-Produkten: Der Umsatz der Bio-Ketten steigt.

NürnbergLängst gibt es Bio-Lebensmittel in jedem Supermarkt, auch Discounter und Drogeriemärkte kommen nicht mehr ohne Produkte mit einem Öko-Siegel aus. Der Markt hat Experten zufolge auch im vergangenen Jahr weiter zugelegt - für die Branche ein Grund zur Freude. Doch zugleich verschärft sich dadurch das Problem, dass die heimischen Bauern mit der Produktion nicht mehr hinterherkommen. Wie die ökologische Landwirtschaft auf die Herausforderungen reagieren kann, ist eines der Themen, die von Mittwoch (12. Februar) an auf der weltweit größten Öko-Messe Biofach in Nürnberg diskutiert werden.

Deutschland ist nach Angaben des Forschungsinstituts für biologischen Landbau nach den USA der zweitgrößte Biomarkt der Welt. 2012 wurden hierzulande erstmals mehr als sieben Milliarden Euro erlöst. Auch 2013 ging es aufwärts: „Die Marktentwicklung ist weiter eine positive, das ist erfreulich“, bestätigt der Geschäftsführer des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Stefan Zwoll. „Aber das Flächenwachstum kommt dem nicht nach.“

Ein Grund dafür ist die finanziell geförderte Nutzung von Biomasse für Biogasanlagen. Der Anbau von Mais zur Stromerzeugung rentiere sich dadurch viel mehr als der von Getreide oder Gemüse - erst recht, wenn es nach ökologischen Kriterien angebaut werde, klagt Zwoll. Durch den Boom der Biomasse seien auch die Pacht- und Verkaufspreise für Äcker gestiegen: „Wir kämpfen um die Fläche, das sehen wir in allen Regionen Deutschlands.“

Hinzu komme, dass die politischen Rahmenbedingungen nicht verlässlich seien. Viele der herkömmlich wirtschaftenden Bauern scheuten deshalb derzeit die Umstellung auf Bio-Produktion, berichtet Zwoll. So sei derzeit noch völlig unklar, wie sich die neue EU-Agrarpolitik von 2015 an auf die Umstellungs- und Beibehaltungsprämien der einzelnen Bundesländer auswirke.

Die Folge: Ein stetig größer werdender Anteil der Bio-Lebensmittel muss importiert werden. Zumal das Angebot in den Bio-Läden immer vielfältiger wird: Von Ingwer und Mangojoghurt über Pflaumenketchup bis hin zu Frühlingsrollen und Edel-Schokolade reicht die Palette. Vieles davon können die deutschen Bauern schon rein klimatisch bedingt nicht anbauen. Dafür profitierten sie 2013 von steigenden Preisen, besonders Obst und Gemüse zogen nach schwachen Ernten an.

Kommentare (2)

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karma

10.02.2014, 18:20 Uhr

Ich weiß, es tut weh, aber 80-90% der sogenannten Bio-Produkte kommen aus III. Ländern. Also von dort, wo wegen Bio die Urwälder gerodet werden und wo man der einheimischen Bevölkerung auch noch den letzten qm an eigener Ackerfläche deshalb raubt.

Wer sich 1 Woche BIO ernährt, hat ein verhungerndes Kind mehr auf dem Gewissen.

Guten Appetit.

Bauer

11.02.2014, 11:51 Uhr

Herr Stock, ganz so einfach, wie von Herrn Zwoll dargestellt, sind die Zusammenhänge nicht! Der deutsche Bioanbau konkurriert mit ausländischen Importen, wie jedes deutsche landwirtschaftliche Produkt auch - und unterliegt aufgrund zu schlechter Betriebsergebnisse. Ohne Subventionen und Zuschüssen wären die Biobauern den konventionell wirtschaftenden Betrieben IMMER unterlegen. Das zeigen die Buchführungsbetriebe der ostdeutschen Ökobetriebe (http://www.zds-bonn.de/buchfuehrungsergebnisse_oekologischer_betriebe_in.html).
"regional" ist das neue "bio" - und das ist gut so (http://www.eufic.org/article/de/expid/Organic_food_and_farming_scientific_facts_and_consumer_perceptions/). Karma hat Recht: würden wir versuchen, die deutsche Bevölkerung "bio" zu ernähren, bräuchten wir die zweifache Fläche Ungarns - nur für die Ernährung der Verbraucher.

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