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28.07.2014

11:35 Uhr

Ökostrom

Der Traum vom „Hartz-IV“ für Kraftwerke

Während der Ökostrom den Gaskraftwerken Betriebsstunden klaut, sind die klimaschädlicheren Kohlemeiler noch gut ausgelastet. Eine Reform soll das ändern, doch das könnte den Strompreis weiter in die Höhe treiben.

Das RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath I und II: Vor allem kalte Wintermonate werden eine Herausforderung für die Energiewende. dpa

Das RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath I und II: Vor allem kalte Wintermonate werden eine Herausforderung für die Energiewende.

BerlinEs ist schon überraschend, dass Sigmar Gabriel der Satz nicht um die Ohren geflogen ist. „Was der Kapazitätsmarkt nicht werden kann, ist so was wie Hartz-IV für Kraftwerke: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen“, impfte der Vizekanzler der Energiebranche jüngst bei einem Kongress ein. Hartz-IV-Empfänger könnten sich beleidigt fühlen, aber der Proteststurm blieb aus.

Zumindest hat der Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef damit sehr deutlich die Richtung vorgegeben, für eine neue Agenda, eine Agenda 2022 für fossile Kraftwerke. Sie soll bis zum endgültigen Atomausstieg im Jahr 2022 und darüber hinaus die Versorgung in Deutschland sichern. Egal wie der Wind weht.

Es ist nach der Kappung der Ökostrom-Förderung das nächste Großprojekt. Fast ein Drittel (31 Prozent) des in Deutschland produzierten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen, hat das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme für das erste Halbjahr 2014 ermittelt. Das bedeutet: Konventionelle Kraftwerke laufen und verdienen weniger. Und es gibt große Überkapazitäten. Gehen viele Kraftwerke mangels Einnahmen vom Netz, droht im Winter ein Energie-Engpass. Und die Atomkraftwerke sind Auslaufmodelle. Vor allem im Süden werden Reservekapazitäten gebraucht. Gabriel betont im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur: „Es wird keine Überlebensgarantie für Kraftwerke geben.“ Aber: „Meine Vorstellung ist, dass wir das technologieneutral machen.“

Will heißen: Es soll kein Hilfsprogramm nur für umweltfreundlichere Gaskraftwerke geben, die am besten die je nach Wetterlaune schwankende Wind- und Solarstromproduktion ergänzen können. Auch Kohlekraftwerke können einbezogen werden. Und wenn man ein Kraftwerk nur an einem von 365 Tagen braucht, kann das auch im Ausland liegen - daher wird bereits auch mit den Nachbarstaaten über die Reform verhandelt. Laut Gabriels Ministerium wurden zuletzt 49 Kraftwerke zur Stilllegung angemeldet - die Übertragungsnetzbetreiber halten davon aber 11 Kraftwerksblöcke mit einer Netto-Nennleistung von 2697 Megawatt für systemrelevant. Gemäß des sogenannten Wintergesetzes bleiben sie gegen Entschädigungen am Netz, um die Versorgung an kälteren Tagen zu sichern.

Kommentare (7)

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Herr Riesener Jr.

28.07.2014, 13:08 Uhr

Artikel: "Denn trotz Energiewende ist der CO2-Ausstoß zwei Jahre in Folge gestiegen." Das "trotz" offenbart das Wirrwarr in den deutschen Köpfen.

Mit der sogenannten Energiewende werden zwei völlig unterschiedliche Ziele verfolgt.

Erstens soll unsere Angst vor dem Atom befriedigt werden. Das ist aber eine Frage der Sicherheit und ist nicht umweltfreundlich. Im Gegenteil, Kernkraftwerke sind sehr umweltschonend, d.h. das Abschalten der Kernkraftwerke ist unweltschädlich, z.B. wird der Ausstoß von CO2 und anderen schädlichen Gasen erhöht, weil der Strom anderweitig produziert werden muss.

Zweitens sollen die Erneuerbaren ausgebaut werden. Langsam wird klar, wie teuer das ist, weil Strom zu jeder Minute verfügbar sein muss - Wind und Sonne liefern aber Strom entsprechend dem Wetter.

Herr John Harris

28.07.2014, 13:26 Uhr

Das Hoch- und runter fahren der Kraftwerke ist schädlich für diese:
"Ein tückisches Detail der Energiewende"
(http://www.vdi-nachrichten.com/Technik-Wirtschaft/Ein-tueckisches-Detail-Energiewende)

Ebenso scheint es nur schwer möglich zu sein durch die Einspeisung von Öko-Flatterstrom signifikant CO2 einzusparen:
"CO2 Savings Through Wind Power Are Either So Minimal As To Be Irrelevant or Too Expensive To Be Practical"
http://tinyurl.com/atkao2k

Wenn man sich die Einspeisestachel der Windkraft anschaut, dann man man dies verstehen. Man kann wirklich nicht mehr von einer 'Kurve' sprechen, ist sind immer nur arge Spitzen. Zu sehen z.B. unter http://www.transparency.eex.com
Wir sind gerade wieder bei lächerlichen 500 MW, toll.

Account gelöscht!

28.07.2014, 13:36 Uhr

Die Marktwirtschaft kennt das Wort "Kapazität" nicht.
Nur die Politik oder eine freiheitsfeindliche Gesellschaftsdiktatur kennt "Kapzitäten-Quotenregelungen"!
Die Marktwirtschaft richtet sich selbst aus und zwar durch freies Angebot und freie Nachfrage einer selbstbestimmten und freiheitsliebenden Gesellschaft. DURCH UNS ALLE ALSO!!! WIR (die Gesellschaft) SIND DIE MARKTWIRTSCHAFT und nicht ein politisches Diktat/Ideologie!
Ein Kapazitätssystem ist ein politisches und ferngesteuertes System, in dem nicht mehr der Verbraucher und der Anbieter (Marktwirtschaft) das Sagen hat, sonder eine politische ideologische Weltanschauung (Kontrolle einer freien und innovativen Gesellschaft).
Schafft endlich dieses grün-sozialistische und freiheitsberaubende EEG ab und lasst die Selbstbestimmtheit einer freien Gesellschaft (Marktwirtschaft) über die Wahl der Energieträger bestimmen. Danke!

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