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23.10.2013

07:02 Uhr

Ölbranche

Überraschend erfolgreich

VonAlexander Busch

Die Brasilianer haben einen eigenen Ansatz zur Ölförderung gefunden - und damit scheinen sie gar nicht so falsch zu liegen. Für die Branche weltweit ist das ein wichtiges Zeichen.

Eine Ölplattform 175 Kilometer vor Rio de Janeiro. dpa

Eine Ölplattform 175 Kilometer vor Rio de Janeiro.

Fiasko oder Farce? Auf den ersten Blick hat die Versteigerung der Förderrechte für das Mega-Ölfeld Libra am Montag in Brasilien von beidem etwas. Von den nur elf interessierten Konzernen schlossen sich fünf in einem Konsortium zusammen und gaben das einzige Gebot ab. Sie offerierten dem brasilianischen Staat das Minimum.

Echter Wettbewerb zwischen Unternehmen sieht anders aus. Zumal das Konsortium aussieht, als habe man sich da geeinigt, um keinen zu hohen Preis zu bezahlen: Shell, Total und die zwei chinesischen Konzerne CNPC und CNOOC zusammen halten daran jeweils 20 Prozent. Der brasilianische Staatskonzern, der sowieso per Gesetz mit 30 Prozent beteiligt werden muss, bekam noch zehn Prozent dazu, um ihm das Ganze schmackhaft zu machen. Denn ohne die fast monopolartig agierende Petrobras geht gar nichts im Ölsektor des Landes.

Alexander Busch ist Korrespondent in São Paulo Pablo Castagnola

Alexander Busch ist Korrespondent in São Paulo

Dennoch wäre es völlig falsch, die Auktion zu verdammen. Im Gegenteil, nach Jahren der Pleiten und Pannen in Brasiliens Ölsektor hat sie ein deutliches Signal gesetzt: dass die Brasilianer mit ihrem ganz eigenen Ansatz, wie sie ihre Ölschätze in den Meerestiefen vor der Küste heben wollen, gar nicht so falsch zu liegen scheinen. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Ölbranche weltweit, in der die Standortbedingungen in den Förderländern immer wieder neu verhandelt werden.

So ist das Ergebnis der Auktion für alle Teilnehmer überraschend gut ausgefallen. Die Regierung bekommt rund drei Viertel der Öl-Gewinne direkt oder indirekt über ihre Beteiligung an Petrobras. Bei Reserven, die auf acht bis zwölf Milliarden Fass geschätzt werden, ist das eine gewaltige Ressourcenquelle, die sich da für den Staat öffnet. Zudem sichert sie durch Herkunftsregeln, dass die industrielle Wertschöpfung aus "Libra" größtenteils im Land bleiben wird.

Doch auch die Ölkonzerne können mit den prognostizierten Renditen leben. Das erhöht ihr Interesse, das technologisch komplex zu erschließende Ölfeld möglichst schnell zum Sprudeln zu bringen. Das ist ebenfalls existenziell wichtig für Petrobras. Nichts benötigt sie dringender als eine steigende Produktion, um die schnell wachsende Nachfrage nach Öl und Gas in Brasilien zu decken. Für alle Beteiligten ist auch der Unternehmensmix im Konsortium attraktiv: Gemeinsam verfügen sie über eigenes Know-how für die Offshore-Exploration und sind finanziell gut gepolstert. Zudem ist das Konsortium politisch stabil aufgestellt.

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Denn hätten die westlichen Ölmultis alleine dominiert, dann hätte die Regierung Dilma Rousseff das kaum ihrer politischen Basis verkaufen können, die gegen den Ausverkauf nationaler Ressourcen wettert. Auch die Beteiligung von Petrobras nicht nur als größter Teilhaber, sondern auch als Operateur des Ölfeldes beruhigt das nationale Gemüt. Hätten wiederum die chinesischen Konzerne dominiert, dann wäre in Brasilien schnell der Vorwurf der neokolonialen Abhängigkeit von China gefallen.

Dennoch bleibt das unternehmerische Risiko weiterhin hoch. Denn kann Libra künftig die erwarteten mehr als eine Million Fass Öl am Tag liefern? Doch das sind für die Ölbranche schon wieder die ganz normalen Fragen - keine hausgemachten brasilianischen Risiken.

Kommentare (1)

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23.10.2013, 09:41 Uhr

Ein Artikel mit vielen Bewertungen über Energie, der ohne Vorurteile und Ideologien auskommt. Erfrischend sachlich!

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