Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2013

11:15 Uhr

Patente auf Tiere

Von Krebsmäusen und Turbolachsen

Vor 25 Jahren wurde erstmals ein Tier als Patent geschützt. Lange vor den europäischen Patentprüfern erteilten ihre Kollegen in den USA den Schutz für die Harvard-Krebsmaus. Bis heute sind Patente auf Tiere umstritten.

An der von Forschern der Harvard-Universität gezüchteten Krebsmaus sollten neue Therapiemöglichkeiten für den Menschen getestet werden. picture-alliance

An der von Forschern der Harvard-Universität gezüchteten Krebsmaus sollten neue Therapiemöglichkeiten für den Menschen getestet werden.

MünchenRatten, Insekten, Kühe, Schafe, Pferde sogar Menschenaffen - rund tausend Patente auf Tiere gibt es heute in Europa. Ähnlich sieht es in den USA und anderen Ländern aus. Der Anfang dieser umstrittenen Praxis liegt 25 Jahre zurück.

Als erstes Tier weltweit wurde am 12. April 1988 die Harvard-Krebs-Maus in den USA geschützt. Forscher der Harvard-Universität hatten der Maus menschliche Brustkrebs-Gene übertragen. An der Maus sollten neue Methoden zur Krebstherapie für den Menschen getestet werden.

Der Erfolg für die Forschung blieb gering. Doch die Entscheidung in den USA und die Patenterteilung durch das Europäische Patentamt EPA vier Jahre später (EP 0169672) ebneten den Weg für eine ganze Welle von Patentanmeldungen auf Tiere.

„Das war ein Türöffner für all die Patente, die jetzt erteilt werden“, sagt der Greenpeace-Berater Christoph Then. Heute gibt es Patente auf Tiere, Zellen oder Gene, auf menschliches Erbgut, adulte Stammzellen und Humaninsulin. „Keine Technologie ist a priori vom Patentschutz ausgenommen“, sagt EPA-Sprecher Rainer Osterwalder.

Gerade bei Versuchstieren wie der Krebsmaus argumentieren die Anmelder mit Erkenntnissen zum Wohl der Menschheit. Gegner kritisieren, dass die Lizenzgebühren die Entwicklung eher behindern. „Außerdem kann ein Anreiz entstehen, dass aus kommerziellen Gründen unnötige Tierversuche durchgeführt werden“, sagt Then.

Als ethisch unverantwortlich kritisieren Gegner besonders Patente auf Menschenaffen. Bei zwei Patenten, die auch Schimpansen umfassen, wurde DNA von Insekten, Zecken und Krabben ins Erbgut geschleust. Beim dritten Patent wurde das Immunsystem von Schimpansen „humanisiert“, um an ihnen Medikamente zu testen. Zwei Einsprüche sind eingelegt, ein dritter soll im Mai folgen.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Stoppt_die_Frankensteinforschung

11.04.2013, 17:54 Uhr

In der Patentierung von Leben und dem gentechnischen Rumgefummel an Tieren, die in den Frankensteinlaboren einer skrupellosen Industrie unvorstellbaren Folterqualen ausgesetzt sind, zeigt sich die hässliche Fratze einer seit der Aufklärung und den Vivisektionen von Descartes zu immer neuen Perversionen auflaufenden Fehlentwicklung der Technik. Diese Vergewaltigungsorgien sind jedoch nicht nur grausam und antizivilisatorisch, weil sie insgesamt zu einer Brutalisierung im Umgang mit den Schwächeren führen, wie die wachsende Gewaltbereitschaft gerade auch von Jugendlichen zeigt, sie sind auch doppelt dumm, da sich, wie die vielen Fehlschläge veranschaulichen, lebende Organismen eben nicht so verhalten, wie die simple minds in den Frankensteinlaboratorien meinen, und sie auf den Menschen zurückschlagen, etwa in Form beabsichtigt oder unbeabsichtigt freigesetzter gv-Organismen, die längst in der Natur ihr unkontrolliertes und unkontrollierbares Unwesen treiben und nette weitere Mutationen hervorbringen, die uns und unseren Nachfahren noch viel Freude machen werden. Es wird Zeit, diese Scheußlichkeiten zu verbieten, die in den Menschenversuchen der Nazis, die später in Tierversuchen fortgesetzt wurden, ihre konsequente Fortsetzung zeigen. Wer so etwas duldet, kann sich nicht als zivilisiert bezeichnen.

Account gelöscht!

12.04.2013, 07:49 Uhr

Dann verbieten sie bitte auch Friedhöfe wegen des horzontalen Gentransfers. Und sie sind selbst durch "Genmanipulation" entstanden. Oder haben sich die Gene ihrer Eltern nicht zu einer neuen Kombination zusammengestellt.

Stoppt_die_Frankensteinforschung

12.04.2013, 11:58 Uhr

So [...]argumentierten noch nicht mal mehr die Biotechnologieunternehmen. Informieren Sie sich erst mal über die fundamentalen Unterschiede, bevor sie hier blindwütig agieren. Und wenn Sie zur PR-Lobby gehören, sollten Sie erst einmal eine PR-Schulung machen. Plumpe Polemik läuft nicht mehr, da sich per Internet inzwischen jeder sehr schnell über die Unterschiede schlau machen kann.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×