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17.10.2013

06:00 Uhr

Pendlernation

Wie lange brauchen die Deutschen für den Weg zur Arbeit?

Über die Hälfte aller deutschen Erwerbstätigen arbeitet nicht am Wohnort. Teilweise bedeutet das tagtäglich lange Anfahrtswege. Und gerade die Auto-Pendler zahlen für ihre Bequemlichkeit einen hohen Preis.

Berufspendler in Düsseldorf: Mehr als 200.000 Ortsfremde pendeln täglich hierhin zur Arbeit. dpa

Berufspendler in Düsseldorf: Mehr als 200.000 Ortsfremde pendeln täglich hierhin zur Arbeit.

Die Deutschen sind ein Pendlervolk: Mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen arbeitet nicht am Wohnort, wie der Zensus 2011 zeigt. Nach Frankfurt, München, Hamburg und Berlin pendeln pro Tag rund 300.000 Ortsfremde zum Arbeiten. Auch in Düsseldorf, Köln und Stuttgart sind es mehr als 200.000.

Genaue Durchschnittswerte, wie lange die Arbeitnehmer im Schnitt für den Weg zur Arbeit brauchen, gibt es zwar nicht – doch Umfragen zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer länger als 30 Minuten unterwegs ist. Jeder zwanzigste gibt an, sogar mehr als zwei Stunden zu brauchen – pro Weg! Von zehn Arbeitnehmern kommen im Schnitt sechs mit dem Auto. Gerade die Auto-Pendler zahlen für ihre Bequemlichkeit einen hohen Preis – durch Staus. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder Deutsche pro Jahr fast drei komplette Tage im Stau herumsteht.

Wer weit genug pendelt, dem versüßt der Staat seine Pendelei immerhin durch die Entfernungspauschale, dank deren die deutschen Arbeitnehmer ihre Einkommensteuerzahlungen um insgesamt vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr drücken dürfen.

Kommentare (10)

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Frieda

17.10.2013, 08:27 Uhr

Mobilität wird staatlich gefördert. Davon profitieren (?) Berufspendler und Urlauber (steuerfreies Flugbenzin) gleichermaßen.

Diese Anreize fördern die Wirtschaft (Reisen, Autoabsatz), leider aber auch fragwürdiges Verhalten: Man fliegt für einen kleinen Eurobetrag nach London oder Sardinien - oder man entscheidet sich für einen 100km entfernten besser bezahlten Job und verbringt wertvolle Zeit, die man besser mit Freunden oder der Familie verbringen würde) im Auto.

Flugbenzin muss endlich besteuert werden.

Die steuerliche Absetzbarkeit von Fahrten zum Arbeitsplatz sollte auf einen Zeitraum von 2 Jahren begrenzt werden (oder analog zur Abschreibung langlebiger Wirtschaftsgüter über 10 Jahre abgeschrieben werden).

XeHpuk

17.10.2013, 09:01 Uhr

@Frieda:
Was für ein Kommentar ist das denn?
Offensichtlich haben Sie wenig Erfahrungen mit der Notwendigkeit des Pendelns, denn ansonsten würden Sie nicht so etwas hier "verzapfen" wie eine Vergünstigung nur für 2 Jahre etc. Gerade das Sozialleben zwingt teilweise zum Pendeln, denn regelmäßig kann es der eigenen Familie nicht zugemutet werden, für einen neuen Job, sei er notwendig oder einfach nur, um sich zu verbessern und mehr Möglichkeiten im Leben zu haben, vollständig umzuziehen und alle Freunde, am besten noch die Familie, SDportvereine etc. zu verlassen. Wer also kein soziales Leben hat, der kann gut und leicht jedes Mal in eine neue Stadt ziehen, denn ihm kann es gleichgültig sein. Für alle anderen ist es eine teils notwendige Belastung, insbesondere wenn sich die Arbeitnehmer an entsprechenden Orten finanziell gebunden habe. Z.B. durch Hauskauf. Bevor solche lebensfremden Kommentare abgegeben werden, sollten evtl. einmal alle Aspekte berücksichtigt werden, die zu der Konsequenz "Pendeln zur Arbeit" führen. Nicht bloß etwaige "Vergünstigungen", denn diese sind bei Weitem nicht genug (von staatlicher Seite), um die teilweise horrenden Nachteile aufzuwiegen. Wer nicht die Möglihckeit der Wahl hat oder der aus einer bewussten Abwägung die Nachteile in Kauf nimmt, der sollte nicht auch noch durch noch höhere Kosten bestraft werden.

har

17.10.2013, 09:28 Uhr

Die Besteuerung von Flugbenzin, um Kurzstreckenflüge und "Spaßflüge" für das Wochenende einzugrenzen ist zu begrüßen. Die Pendlerpauschale abzuschaffen würde bedeuten, dass die ländlichen Räume zum Aussterben langfristig verurteilt werden und zu extremen Besiedlungskonzentrationen und weiteren Mietpreissteigerungen in Städten führen würden. Die Pendlerpauschale ist keine einseitige Subventionierung der Autoindustrie, sondern fördert u. a. die ländlichen Räume und verhindert, dass Hemmnisse bei der Aufnahme von Beschäftigungsverhältnis, die weit vom Wohnort entfernt sind. Besonders Familien benötigen kostengünstigen Wohnraum, der nicht durch Fahrten zum Arbeitsplatz aufgefressen wird. Außerdem ist die Pendlerpauschale als eine steuerliche Rückvergütung verstehen. Jedes Unternehmen kann Aufwendungen gegen seine Einnahmen stellen. Warum nicht auch der Arbeitnehmer für das Erbringen seiner Arbeitsleistung?

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