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04.12.2013

10:54 Uhr

Pharmaindustrie

Ausgaben für Medikamente wachsen kräftig

Pharmabranche boomt vor allem in den Schwellenländern. Allein die Erlöse in China sollen sich verdoppeln.

Der entscheidende Wachstumsimpuls für die Pharmaindustrie kommt aus den Schwellenländern. dpa

Der entscheidende Wachstumsimpuls für die Pharmaindustrie kommt aus den Schwellenländern.

FrankfurtDas Geschäft in den aufstrebenden Schwellenländern wird für die Pharmabranche auch in den kommenden Jahren der entscheidende Wachstumsmotor bleiben. Das geht aus der jüngsten Prognose von IMS Health, dem führenden Datensammler im Arzneimittelbereich hervor. Die sogenannten „Pharmerging Markets“, dazu zählen China, Brasilien, Indien, die Türkei und eine Reihe weiterer Schwellenländer, werden danach bis 2017 rund zwei Drittel der Umsatzzuwächse liefern und dann etwa 35 Prozent des globalen Pharmamarktes repräsentieren.

Hintergrund ist die Tatsache, dass die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel in diesen Ländern bisher noch immer relativ niedrig sind. Sie nehmen aber überproportional zu, da die Einkommen wachsen und nach und nach Versicherungssysteme eingeführt werden. Vor allem in China versprechen sich Fachleute ein starkes Wachstum vom geplanten Ausbau der staatlichen Krankenversicherung.

Allerdings ist der Markt nicht ohne Risiken. Chinesische Behörden haben in jüngerer Zeit die Vertriebspraktiken westlicher Konzerne ins Visier genommen und ermitteln wegen Korruption. Der britischen GlaxoSmithKline bescherte das fast 60 Prozent Umsatzrückgang. Nach Einschätzung von IMS wird das allerdings wenig am grundsätzlichen Trend ändern. Der chinesische Markt allein dürfte sich laut IMS bis 2017 auf 160 bis 190 Milliarden Dollar verdoppeln.

Das schlägt sich auch verstärkt in den Strategien vieler Pharmahersteller nieder, ihre Präsenz in Ländern wie China und Brasilien gezielt zu verstärken. Merck etwa kündigte jüngst den Bau einer neuen Fabrik in China an. Firmen wie Bayer, Roche und Novartis haben in den letzten Jahren Forschungszentren in dem Land aufgebaut.

Die weltweiten Ausgaben für Arzneimittel werden nach Kalkulationen des Marktforschers um drei bis sechs Prozent pro Jahr zulegen, von etwa 830 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf gut eine Billion Dollar im Jahr 2017. Gemessen an den Listenpreisen dürfte der globale Pharmamarkt laut IMS sogar schon 2014 erstmals die Billionengrenze überschreiten und bis 2017 etwa 1,2 Billionen Dollar erreichen.

Allerdings müssen davon noch die zum Teil erheblichen Rabatte abgezogen werden, die Pharmafirmen an Krankenkassen gewähren. Das Volumen dieser Rabatte kalkulieren die Marktforscher mit etwa 130 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr und rund 200 Milliarden Dollar im Jahr 2017. In dem Anstieg spiegelt sich der wachsende Preisdruck wider, den die Branche vor allem in Europa spürt.

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In den vergangenen beiden Jahren verbuchten die Pharmafirmen in den westlichen Industrieländern kaum Wachstum, in Europa schrumpften die Erlöse sogar, bedingt vor allem durch Patentabläufe und Generikakonkurrenz sowie durch staatliche Eingriffe.

In Deutschland etwa sorgte ein Preismoratorium und ein erhöhter Zwangsrabatt von 16 Prozent dafür, dass die Umsätze der Pharmabranche seit 2009 praktisch stagnierten. Da die Rabatterhöhung nun ausläuft und für 2014 nur noch ein Zwangsrabatt von sieben Prozent geplant ist, kann die Branche für 2014 allerdings auf ein Plus von etwa 6,5 Prozent hoffen.

Von

shf

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