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28.11.2013

17:49 Uhr

Pillen und Tabletten: Die Pharmabranche steht vor neuen Möglichkeiten. dpa

Pillen und Tabletten: Die Pharmabranche steht vor neuen Möglichkeiten.

Mehr als die Hälfte aller Krankheiten kann nach wie vor gar nicht oder nicht ausreichend behandelt werden. Für die Pharmabranche eröffnet das immer wieder neue Expansionsmöglichkeiten. Drei Beispiele:

Verpackungslinie eines Medikamentenherstellers: Die Erlöse bei Statinen sind wieder rückläufig. dapd

Verpackungslinie eines Medikamentenherstellers: Die Erlöse bei Statinen sind wieder rückläufig.

Statine: Das Thema Cholesterinsenkung etwa hatte für die Pharmabranche noch in den 70er- und 80er-Jahren keinerlei kommerzielle Bedeutung. Doch das sollte sich ändern, als man in den 80er-Jahren die ersten Substanzen identifizierte, die eine wirksame Senkung der Blutfettwerte ermöglichten.

Der Durchbruch gelang 1994, als der US-Konzern Merck Co in einer schwedischen Studie nachweisen konnte, dass eine Senkung des Cholesterinspiegels mit dem Wirkstoff Simvastatin das Risiko für Herzinfarkte deutlich reduzierte. In den Folgejahren brachten Pharmafirmen sieben weitere Statine auf den Markt.

Ende der 2000er-Jahre erzielten diese Cholesterinsenker einen Umsatz von zusammen rund 35 Milliarden Dollar, ein Drittel davon verbuchte allein der Bestseller Lipitor des US-Konzerns Pfizer. Inzwischen sind die Erlöse aber wieder rückläufig, da fast alle Statine ihren Patentschutz verloren haben.

Krebsforschung im Labor: Neue Wirkstoffe greifen die bösartigen Zellen gezielter an. dpa

Krebsforschung im Labor: Neue Wirkstoffe greifen die bösartigen Zellen gezielter an.

Krebsmittel: Im Kampf gegen Krebs hatte die Pharmabranche noch bis Mitte der 90er-Jahre nicht allzu viel zu bieten. Das Geschäft beschränkte sich weitgehend auf klassische Chemotherapeutika, die zum Teil bereits patentfrei waren.

Die Bio- und Genforschung eröffnete dann aber den Weg zu einer neuen Klasse von Wirkstoffen, die Krebszellen etwas gezielter angreifen und dadurch neue Behandlungsstrategien ermöglichten. Dazu gehörten etwa komplizierte Pharmaproteine, sogenannte Antikörper. Vor allem der Pharmakonzern Roche und seine US-Tochter Genentech waren auf diesem Gebiet erfolgreich. Etliche weitere Pharmakonzerne stiegen inzwischen ebenfalls in die Krebsforschung ein und dürften das Geschäft in den nächsten Jahren mit zahlreichen neuen Produkten vorantreiben.

Blutverdünner Marcumar: Die Wirkstoffe sind längst patentfrei.

Blutverdünner Marcumar: Die Wirkstoffe sind längst patentfrei.

Blutverdünner: Seit mehr als 50 Jahren werden schlaganfall- und thrombosegefährdete Menschen mit Blutverdünnern wie Macumar oder Warfarin behandelt. Diese Wirkstoffe, die das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K blockieren, sind längst patentfrei und erzielen nur noch relativ geringe Umsätze

In den letzten vier Jahren indessen brachten Pharmafirmen neue Blutverdünner auf den Markt, die das Schlaganfall-Risiko genauso gut oder besser senken als Warfarin und dabei einfacher und sicherer zu handhaben sind. Anders als bei Warfarin sind regelmäßige Messungen der Blutgerinnung für die Patienten nicht mehr nötig.

Die neuen Medikamente können daher zu deutlich höheren Preisen vermarktet werden und dürften Bayer, Boehringer sowie einigen weiteren Herstellern Umsätze von zusammen möglicherweise mehr als zehn Milliarden Dollar pro Jahr bescheren.

Von

shf

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