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03.09.2013

10:20 Uhr

Prostatakrebs

Urologen raten von Massenscreenings ab

Jährlich sterben rund 11.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs. Eine Früherkennung mittels Bluttest ist möglich - aber umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) will die hitzige Debatte beruhigen.

Einsatz im Operationssaal: Mit Hilfe eines Bluttests ließe sich das Risiko für Prostatakrebs abschätzen. dpa

Einsatz im Operationssaal: Mit Hilfe eines Bluttests ließe sich das Risiko für Prostatakrebs abschätzen.

Düsseldorf/DresdenMit einem Bluttest können Ärzte das Risiko für Prostatakrebs abschätzen, Frühstadien erkennen und die Zahl tumorbedingter Todesfälle senken. Vom PSA-Test als generelles Früherkennungsprogramm rät die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) dennoch ab. Die Endergebnisse langjähriger internationaler Studien stünden noch aus, erklärte Präsident Michael Stöckle vor dem Jahreskongress der Gesellschaft Mitte September. Nur sie erlaubten eine Schaden-Nutzen-Betrachtung für ein generelles PSA- Screening. Der Bluttest, mit dem Ärzte das Risiko abschätzen und Frühstadien erkennen können, sei umstritten, auch wegen Desinformation der Öffentlichkeit.

Warum ist die PSA-Früherkennung des Prostatakarzinoms umstritten?
Wie bei jedem Früherkennungsprogramm werden Befunde und Krankheitsstadien entdeckt und oft behandelt, deren Nichtentdeckung und Nichtbehandlung den Betroffenen nicht geschadet hätten. In der Folge kann es auch beim PSA-Test zu Überdiagnostik und Übertherapie kommen. Deren tatsächliches Ausmaß wird aber erst die endgültige Auswertung der europäischen PSA-Screening-Studie (ERSPC) zeigen. In der Öffentlichkeit werden jedoch immer wieder Zwischenergebnisse als vermeintliche Endergebnisse präsentiert - und sorgen für hitzige Kontroversen um den PSA-Test.

Wird der PSA-Test schon erfolgreich anderswo eingesetzt?
Eine flächendeckende Screening-Empfehlung gibt es derzeit in keinem Land der Welt. Seit Einführung des PSA-Tests in den USA ist die Sterblichkeit dort um rund 35 Prozent gesunken, die Häufigkeit metastasierter Prostatakarzinome sogar um 50 Prozent. Für die USA gibt es seriöse Hochrechnungen, wonach sie sich bei einer Abschaffung des Tests innerhalb von zehn Jahren verdreifachen würde. Auch in Deutschland ist die Sterblichkeitsrate während der letzten Jahre gesunken, wenn auch nicht im gleichen Umfang wie in den USA.

Aber auch die DGU sieht einen Massentest kritisch, was wäre aus Ihrer Sicht denn der richtige Weg?
Ein Massenscreening wie etwa beim Brustkrebs wird aufgrund der heutigen Studienlage noch nicht empfohlen. Wir plädieren für eine bestmögliche Aufklärung früherkennungsinteressierter Männer und auch der Öffentlichkeit über Vor- und Nachteile. Derzeit sollte jeder Mann selbst entscheiden, ob er einen PSA-Test macht. Das persönliche Erkrankungsrisiko, Lebensalter und geschätzte Lebenserwartung sollten dabei immer berücksichtigt werden. Vor allem Männer, deren Angehörige bereits in sehr jungem Alter erkrankt sind, haben ein vier- bis fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Familiäre Prostatakarzinome treten nämlich ungefähr zehn Jahre früher auf als sporadische.

Also ist die Kritik am Masseneinsatz des Bluttests berechtigt?
Eine abschließende Schaden-Nutzen-Bewertung des PSA-Tests ist noch nicht möglich. Der beste Umgang mit dem PSA-Test ist derzeit in der S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms definiert. Das heißt: bestmögliche Aufklärung der früherkennungswilligen Männer, differenzierter Einsatz des Tests auf der Grundlage des besten und jeweils aktuellsten medizinischen Wissens. Der Test muss betrachtet werden wie ein hochwirksames Medikament - wohldosiert segensreich, aber falsch eingesetzt kann es schädlich sein.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.09.2013, 10:45 Uhr

"Seit Einführung des PSA-Tests in den USA ist die Sterblichkeit dort um rund 35 Prozent gesunken, die Häufigkeit metastasierter Prostatakarzinome sogar um 50 Prozent. Für die USA gibt es seriöse Hochrechnungen..."

Reicht das nicht aus als Begründung für Routinetests?
Es besteht der Verdacht, dass die deutschen Krankenkassen Angst vor Ausgaben für diesen simplen Bluttest haben, die pro Proband bei vielleicht 5€/a liegen würden. Die Krankenkassen bräuchten also keine Angst um das Budget für ihre Super-Luxusbüros zu haben.

"Der Test muss betrachtet werden wie ein hochwirksames Medikament.."
Was hat dieser einfache Bluttest mit einem Medikament zu tun? Noch deutlicher könnte der Redakteur sein Unverständnis für diese Problematik kaum ausdrücken.

Sirius

03.09.2013, 18:41 Uhr

Nach meinen PSA-Werten hätte ich längst tot sein müssen.
4 mehr oder weniger unangenehme Biopsien in der Folge
waren mit ca. 40 Proben negativ. Dafür bin ich seit
15 Jahren spychisch belastet und die Lebensfreude ist in Erwartung der nahenden Katastrophe eingeschränkt.
Immerhin habe ich bei restlicher guter Verfassung inzwischen 87 Jahre geschafft. Es bleibt spannend !
Und PSA ist bei mir Out.

Account gelöscht!

04.09.2013, 16:40 Uhr

PSA, ein Tumormarker?
Mittlerweile dürfte es sich wohl zu jeden, mündigen, alternden Mann durchgesprochen haben, dass das PSA kein Tumormarker ist. Jahrzehntelang forderten wir, auch im krebsforum.at , den PSA-Test in der Österr. Gesundheitsvorsorge, doch vergeblich. Seit rund 20 Jahren gibt es eine PSA-Olympiade an etlichen Kliniken. Dort wird biopsiert, meist nichts gefunden, also wieder Biopsie, etliche Male, bis ….: Operation wird angeraten. Notwendig?
Seit einiger Zeit wissen auch wir, dass ein PSA-Screening wohl nicht dienlich ist, für die Urologen, für die Patienten. Denn was sollten die Urologen tun, mit plötzlich Hunderttausenden erhöhten PSA-Werten? Der Preis ist es nicht, kann doch jeder um zwei Cappuccino den PSA-Test vom Labor direkt durchführen lassen.
In unseren Selbsthilfegruppen "Krebspatienten für Krebspatienten" gab es zig Männer, die bei einem PSA-Wert mit unter zwei einen erschreckend bösartigen Prostatakrebs entfernt bekamen. Anderseits gibt es Tausende, die sich mit einem PSA-Wert von 10, 20, 30 nicht operieren lassen (Op. Risiko und Gefahr Impotenz, Inkontinenz), oft wegen neuer Freundin oder neu verheiratet. zur Beurteilung fehlen die DNA-Bildzytometrien (Prof. Alfred Böcking), die etliche Deutsche Kassen bezahlen (z. B. GEK), von vielen Urologen nicht eingeholt werden, in Österreich sogar niemand in der Lage ist, diese fundiert durchzuführen. Damit könnte die Tumor-Aggressivität festgestellt werden.
Beim Prostatakrebs achtet man „fast nur" auf die PSA-Verdoppelungszeit. Es gibt nämlich keine Prostatakrebs-Tumormarker. Und schon gar nicht einen, der dem Urologen/Krebspatienten sagt: Jetzt muss die Prostata heraus. Dass es das nicht gibt, stimmt mich sehr traurig. Sind wir doch dabei in der Diagnostik meilenweit hinten nach, gegenüber Brustkrebspatientinnen. Und das, obwohl es statistisch gleich viele Prostatakrebspatienten gibt.
Dietmar Erlacher, Bundesobmann KfK, Gesundheitsökonom, Wien

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