Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2013

12:05 Uhr

Prozessauftakt in Göttingen

Bahr wirbt erneut um Organspende

Am Montag startete in Göttingen der Organspendeprozess. Der Gesundheitsminister nutzt die Gelegenheit für Werbung. Durch dasGerichtsverfahren soll das Vertrauen zurückgewonnen werden.

Eine Infotafel für Organtransplantationen in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). dpa

Eine Infotafel für Organtransplantationen in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

BerlinVor dem Hintergrund des Prozesses um den Organspendeskandal in Göttingen hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) erneut eindringlich um mehr Organspenden geworben. Organspende sei "Lebensrettung pur", sagte Bahr am Montag im RBB Inforadio. Durch den Skandal an der Uniklinik Göttingen sei zwar viel Vertrauen verloren gegangen. Doch durch den Prozess gegen den mutmaßlich Hauptbeteiligten könne dieses Vertrauen zurück gewonnen werden, nicht zuletzt, weil Ermittlungsbehörden und Justiz rasch gearbeitet hätten, betonte Bahr.

Er verwies zugleich darauf, dass die Organspenderegeln in Deutschland nochmals verschärft worden seien. So könne ein Arzt nicht mehr allein über die Wartelisten entscheiden. Stattdessen gebe es jetzt Transplantationskonferenzen, unangemeldete Überprüfungen und andere Maßnahmen. Obwohl noch nicht alle Kliniken in Deutschland überprüft wurden, stehe schon jetzt fest, dass es eine solche "kriminelle Energie" wie im Göttinger Fall trotz einzelner Regelverstöße nicht gegeben habe, betonte Bahr. "Das kann uns wieder Hoffnung geben, dass wir weiterhin aktiv für die Organspende werben."

Zahlen und Fakten zur Organspende

Warteliste

Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan und sind bei Eurotransplant angemeldet, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.

Todesfälle

Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, die auf den Wartelisten stehen.

Spenderausweis

74 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.

Organentnahme

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 459 Menschen (Vergleichszeitraum 2012: 562) insgesamt 1686 (Januar bis Juni 2012: 1923) Organe entnommen.

Organtypen

Unter den 3511 im ganzen Jahr 2012 entnommenen Organen (einschließlich Lebendspenden 4555 Organe) waren 1789 Mal Niere, 919 Leber, 339 Lunge, 318 Herz, 141 Bauchspeicheldrüse und 5 Dünndarm.

Spenderalter

2012 waren von den Spendern 22 jünger als 16 Jahre, 467 waren 16 bis 54 Jahre, 227 waren 55 bis 64 Jahre und 330 waren älter als 65 Jahre alt.

Wartezeit

Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.

Nierenspenden

2012 wurden 766 Nieren von lebenden Spendern übertragen. Zudem wurden 78 mal Lebendspendern Teile der Leber entnommen.

Im ersten Prozess um den Organspendeskandal muss sich seit Montag der Transplantationsmediziner Aiman O. vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Anklage wirft dem Arzt versuchten Totschlag in elf Fällen vor, weil dessen Patienten durch gefälschte Krankenakten bevorzugt Organe erhalten haben sollen. Außerdem soll der damalige Oberarzt in drei Fällen Patienten Lebern transplantiert haben, bei denen dies medizinisch nicht geboten war. In allen drei Fällen starben die Patienten.

Nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe im vergangenen Sommer sank die Bereitschaft zu Organspenden in Deutschland dramatisch, zumal weitere Verdachtsfälle in Leipzig, Regensburg und München bekannt wurden.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr: Organspende ist "Lebensrettung pur". dpa

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr: Organspende ist "Lebensrettung pur".

Nach Ansicht einiger Experten sind die jetzigen rechtlichen Lösungen nicht ausreichend. Der ärztliche Direktor der Kinderklinik Siegen, Rainer Burghard, sprach sich im Deutschlandradio Kultur für die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende aus. Damit könnte auch der sinkenden Spendenbereitschaft entgegen gewirkt werden, sagte Burghard. Durch die Widerspruchslösung wird jemand automatisch Spender, es sei denn, er widerspricht.

Bahr verteidigte hingegen die sogenannte Entscheidungslösung, die im vergangenen Jahr vom Bundestag parteiübergreifend beschlossen worden war. "Ich glaube, dass Organspende ein Akt der Nächstenliebe ist, ein Geschenk, durch das jemand anderes eine Chance auf ein Weiterleben erhält", sagte er im RBB.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Freidenker

19.08.2013, 12:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×