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04.11.2014

06:00 Uhr

Readly

Lesen bis zum Abwinken

Das schwedische Start-up Readly bringt eine Zeitschriften-Flatrate nach Deutschland. Für den monatlichen Preis von 9,99 Euro haben Nutzer digital unbegrenzten Zugang zu Zeitschriften. Vorbild ist der Musikdienst "Spotify".

Zeitschriften-Flatrate Readly: Seit März gibt es sie in den USA. PR

Zeitschriften-Flatrate Readly: Seit März gibt es sie in den USA.

Es war Laurence Mehl, der Geschäftsführer der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der am Donnerstag auf dem Publishing-Gipfel der Münchener Medientage den deutschen Geschäftsführer von Spotify, Stefan Zilch, fragte, wie denn eine Variante seines Angebots für Zeitungen aussehen könnte. Gegen eine monatliche Gebühr von 9,99 Euro gewährt Spotify seinen Nutzern unbegrenzten Zugang zu Musik jeglicher Couleur.

Wie man dieses Geschäftsmodell auf den Zeitungsmarkt überträgt, wusste Zilch auch nicht so genau. Vielleicht hätte Mehl besser Per Hellberg gefragt, den CEO von Readly. Wie Spotify kommt Readly aus Schweden. Statt Musik verbreitet der Dienst, ebenfalls zum monatlichen Preis von 9,99 Euro, die Inhalte von Zeitschriften.

In Schweden, den USA und Großbritannien, den drei Märkten, in denen Readly bereits vertreten ist, sind bisher insgesamt 8 487 Ausgaben von 678 Magazinen verfügbar. Schon Anfang Oktober hatte die Hamburger Bauer Media Group ("Bravo", "TV Movie") verkündet, der "erste globale Kooperationspartner" von Readly zu sein.

Diesen Montag starten die Schweden in Deutschland. Außer den deutschen Bauer-Titeln sind auch die Blätter der Funke-Mediengruppe ("Hörzu", "Bild der Frau"), der International Data Group IDG ("Computerwoche", PC Welt") sowie die deutsche Ausgabe des "Vice"-Magazins dabei. Große Zeitschriftenhäuser wie Burda und Gruner + Jahr fehlen zwar, aber Readly-CEO Hellberg ist dennoch zufrieden: "Wir haben 20 Prozent der für uns geeigneten deutschen Zeitschriften im Programm", sagt er.

Das Angebot soll noch wachsen. Für die ersten drei bis vier Monate ist nur ein sogenannter "Soft Launch" geplant. In dieser Zeit wird sich Readly noch mit Marketingausgaben zurückhalten. In den USA ist das Unternehmen ähnlich vorgegangen. Gegründet wurde Readly Ende 2012 von dem schwedischen Internet-Entrepreneur Joel Wikell. Im März 2013 kam die Zeitschriften-App in Schweden auf den Markt. Ein Jahr später expandierte Readly nach Großbritannien und in die USA. Zudem bietet das Unternehmen in Schweden eine App für Bücher an. In einer zweiten Phase, die 2015 beginnen soll, wollen die Skandinavier Asien und Lateinamerika aufrollen. Möglich machen soll das eine Hauptfinanzierungsrunde, die noch 2014 über die Bühne gehen wird. Laut Hellberg ist das Investoreninteresse groß. In einer allerersten Runde hatte das Unternehmen, so der CEO, "13 bis 13,5 Millionen Euro" eingesammelt.

30 Prozent der Abo-Einnahmen behält Readly für sich. Das entspricht exakt dem Prozentsatz, den Apple für Abos, die über seinen iTunes-Store verkauft werden, von Verlagen an Provision verlangt. Doch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle sind schwer zu vergleichen, zumal Readly seinen Partnern kostenfrei sämtliche Daten über das Leseverhalten seiner Nutzer überlässt. Zudem verweist Hellberg darauf, dass sein Angebot gedruckte Zeitschriften praktisch nicht kannibalisiere. Lediglich zwei Prozent seiner Nutzer seien vom Print-Magazin zu dem von Readly angebotenen PDF umgestiegen.

Direkte Konkurrenz haben die Skandinavier nicht. Lediglich das holländische Start-up Blendle bietet nach dem iTunes-Prinzip in seinem Heimatmarkt einzelne Artikel an, die für 10 bis 30 Cent pro Stück abgerufen werden können.

In Schweden beschäftigen sich Hellberg und seine Mitarbeiter derzeit übrigens vor allem mit Zeitungen. Am 22. September starteten sie die Betaversion einer Zeitungsflatrate. Seit vergangenen Donnerstag gibt es die reguläre Zeitungs-App, die Readly auch gerne exportieren würde. Vielleicht sollten Zeitungsmanager wie Mehl wirklich mal mit den Schweden sprechen.

Von

khr

Kommentare (1)

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Herr Achim Möbes

04.11.2014, 10:20 Uhr

Ein solches Angebot wünsche ich mir schon lange. Ein Zusammenschluß von verschiedenen Verlagen, die in differenzierten Lesemodulen dem Leser ein Leseangebot machen. Z.B.:
1. Flatrate / 29,90€, 2. 200 Artikel / 19,90€, 3. 100 Artikel / 9,90€ monatlich, was darüber hinausgeht wird teurer einzeln abgerechnet bzw. gleich das Angebot zum nächst höheren Modul zu wechseln. Lange, gehaltvolle Artikel könnten wie bei Kino wegen Überlänge teurer zu Buche schlagen.
Man könnte z.B. aus Handelsblatt, Spiegelonline, FAZ, Süddeutsche, ZEIT, Freitag, Standard,
Le Monde diplomatique und Ähnlichen lesen dürfen.

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