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05.01.2014

10:25 Uhr

Reformen gefordert

Versorger rufen nach der Politik

Mitleid mit Stromkonzernen haben Verbraucher eher selten. In diesem Jahr stehen die Versorger aber tatsächlich vor dramatischen Einbrüchen. Nun hofft die Branche auf Entlastung.

Hochspannungsleitungen: Im neuen Jahr stehen die Stromkonzerne vor dramatischen Einbrüchen. dpa

Hochspannungsleitungen: Im neuen Jahr stehen die Stromkonzerne vor dramatischen Einbrüchen.

Essen/Berlin„Das ist das Tal der Tränen, da müssen wir durch“, sagte RWE-Chef Peter Terium Mitte November bei der Bilanzvorlage und traf damit den Nerv der Branche. Obwohl die Strompreise getrieben von staatlichen Lasten immer neue Spitzenstände erreichen, verdienen die deutschen Versorger mit ihrem einstigen Goldesel Stromerzeugung fast kein Geld mehr. 2014 wird damit für sie ein sehr schwieriges Jahr. Die Hoffnung richtet sich auf die Politik: Die Versorger wünschen sich Korrekturen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und Geld für das Aufrechterhalten konventioneller Kraftwerke.

RWE rechnet 2014 mit bis zu 45 Prozent Gewinnrückgang, Eon-Chef Johannes Teyssen warnte vor einem „Wettlauf um Stilllegungen“ fossiler Kraftwerke, die Gewerkschaft Verdi sieht in den kommenden Jahren Zehntausende Jobs in der Energiewirtschaft bedroht. „Wir sind nicht (...) der Lastesel der Energiewende“, schimpfte Teyssen.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Das Problem der Versorger ist inzwischen vielfach beschrieben: Wind- und Sonnenenergie sind so schnell gewachsen, dass sie theoretisch den deutschen Strombedarf an vielen Tagen allein decken könnten. Dank des im EEG festgelegten Einspeisevorrangs und der Festvergütungen weit über Marktniveau verdrängen die Erneuerbaren die konventionellen Kraftwerke.

Die Strom-Großhandelspreise stürzten in zwei Jahren bis Mitte 2013 um fast 40 Prozent auf unter 40 Euro pro Megawattstunde. Und dieser Absturz ist bei den Versorgern noch gar nicht komplett angekommen, weil sie ihren Strom in mehrjährigen Kontrakten im Voraus verkaufen. Die wirklichen Einnahmeeinbrüche stehen also noch bevor. Hinzu kommen die verlorenen Einnahmen aus den abgeschalteten Atomkraftwerken.

Die besonders umweltfreundlichen, aber auch teuren Gaskraftwerke rechnen sich damit nicht mehr, Steinkohlekraftwerke laufen - die Kapitalkosten mitgerechnet - entlang der Nulllinie. Mehrere Kraftwerke wurden schon geschlossen, der norwegische Statkraft-Konzern fuhr im Sommer ein nagelneues Gaskraftwerk in Hürth aus Kostengründen erst mal gar nicht an. Nur die umweltbelastende Braunkohle verdient noch Geld.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

06.01.2014, 12:20 Uhr

Zitat: "Konventionelle Erzeugung wird aber noch viele Jahre gebraucht, solange ausreichend große Stromspeicher für die Erneuerbaren fehlen."

Tatsache ist, dass es große Stromspeicher, die wirtschaftlich auch nur einigermaßen bezahlbar sind, im Rahmen der heute bekannten naturwissenschaftlichen Gesetze niemals geben wird. Wenn also keine ganz neue Physik entdeckt wird, wird es keine großen Stromspeicher geben.

Unter anderem deshalb ist die Energiewende prinzipiell zum Scheitern verurteilt. An den von den Naturgesetzen bestimmten Grenzen können auch technische Intelligenz und erfindungsreiche Ingenieure nichts ändern, geschweige denn Beschlüsse von naturwissenschaftlich inkompetenten Politikern.

Account gelöscht!

06.01.2014, 15:22 Uhr

Je schlechter das Management desto größer wirken sich Fehlentscheidungen aus. Ein Beispiel zum Text:
Soweit ich weiß ist das nagelneue Gaskraftwerk in Hürth des norwegische Statkraft-Konzern nicht an das Fernwärmenetz in Hürth angeschlossen. Der Konzern hielt es also für richtig, die erzeugte Wärme als Abfall wegzuschmeißen.
In Köln wird derzeit ein neues Gaskraftwerk mit Anschluss an die Fernwärme gebaut. Dort plant man Abwärme zu verkaufen und nicht weg zu schmeißen.

Bei einem Bekannten ergibt der Wechsel von der RWE zu EON eine Einsparung von 11 %! Hintergrund ist auch hier die Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplung. So etwas nennt sich freie Marktwirtschaft.

inderhehn

06.01.2014, 15:28 Uhr

Wegen des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren müssen die konventionellen Kraftwerke Energiespeicher spielen. Leider ist unter den gegebenen Umständen damit kein Geld zu verdienen und die Kraftwerke drohen deshalb nach und nach abgeschaltet zu werden. Damit wird einer verläßlichen Stromversorgung die Basis entzogen: das stellt das ungelöste (ökonomische) Dilemma der 'Energiewende' dar. Echte Speicherung überschüssiger EEG etwa durch Erzeugung von Windgas steigert das ökonomische Dilemma, da das Speichermedium Windgas (wie jedes andere Speichermedium) letztendlich wesentlich teurer als die natürlich vorkommende Ressource ist (wobei es die Ressource Erdgas nach heutigem Erkenntnisstand ausreichend für die Menschheit noch für einige Jahrhunderte geben wird). Änderungen am EEG müssen dieses Dilemma auflösen, man wird sehen. Sonst kann es nur heißen: Aufhören!

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