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24.09.2013

06:00 Uhr

Regierungsbildung

Wer muss eine Große Koalition fürchten?

Steht jetzt schon fest, wer im Falle einer Großen Koalition von Union und SPD der Verlierer wäre? Klar ist: Wenn man eine Regel ableiten möchte, sieht es für eine der beiden Parteien schlecht aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Würde eine Große Koalition ihrer Partei schaden? ap

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Würde eine Große Koalition ihrer Partei schaden?

Seit die SPD im Jahr 2009 mit einem Stimmenminus von elf Prozentpunkten für die vorangegangene Große Koalition mit der Union unter Angela Merkel abgestraft wurde, scheuen die Parteifunktionäre diese Konstellation. Die Union verlor zwar auch leicht, konnte aber mit der erstarkten FDP eine Regierungskoalition bilden.

Anders verlief die Entwicklung bei der ersten Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger, über die die Wähler 1969 urteilten. Damals gewann die SPD 3,4 Prozentpunkte, die Union verlor 1,5 und die FDP sogar 3,7 Punkte. Es gibt also kein politisches Gesetz, wonach immer der Juniorpartner oder gar immer die SPD Verlierer einer Großen Koalition ist.

Wollte man eine Regel ableiten, könnte es diese sein: Tritt eine langjährige Kanzlerpartei in eine Große Koalition ein, verliert sie danach Stimmen und die Macht. Von 1949 bis zur Großen Koalition von 1967 hatte die CDU den Kanzler gestellt, danach übernahm Willy Brandt das Ruder. Die SPD stellte den Kanzler von 1998 bis zur Großen Koalition von 2005, danach verlor sie die Macht.

Mit Blick auf die Wahl 2017 müsste folglich die CDU ein Bündnis mit der SPD fürchten.

Kommentare (12)

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NurSo

24.09.2013, 06:54 Uhr

Die SPD ist gut beraten, sich die Nachteile als Juniorpartner unter Merkel bei gleichzeitig rein links gerichteter parlamentarischer Opposition klar vor Augen zu führen.
Von dieser parlamentarischen Oppositionsseite würde sie an vorderster Linie unter besonderem Beschuss stehen, mit entsprechenden innerparteilichen Zerreißproben.

Alternativ würde die SPD womöglich sogar durch einen (kurzen) außerparlamentarischen Linksschwenk der Liberalen bis zur Neuwahl belohnt, wenn sich erwartbar auch die Grünen den merkelschen Umarmungen verweigern.

Westfale

24.09.2013, 07:19 Uhr

Nach meiner Meinung nach stehen die Zeichen klar auf "Große Koalition".

Die CDU hat sich in vielen Punkten den Grünen in den letzten Jahren angenähert, aber eine Koalition würde (noch) zu viele Wähler auf beiden Seiten vor den Kopf stoßen.

Die SPD ziert sich wohl noch aber letztendlich wird sie die Chance wahrnehmen, auf der Regierungsseite möglichst viel von ihren politischen Vorstellungen umzusetzen. Etwas anderes könnte man ihren Wählern auch nicht vermitteln. Was soll ich von einem/einer Abgeordneten halten, den/die ich in den Bundestag gewählt habe, der/die die Möglichkeit hat, Regierungsarbeit zu leisten und dies ablehnt, weil Angela so böse ist?
Die Abgeordneten im Bundestag sind doch alles Alpha-Tiere. Also werden sie sich auch so verhalten.


NurSo

24.09.2013, 07:41 Uhr

Die SPD-Wählerstimmen dürften in der Regel nicht in dem Bewußtsein abgegeben worden sein, Angela Merkel zur Kanzlerschaft zu verhelfen - im Gegenteil. Dies müsste wohl noch "vermittelt" werden.

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