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31.10.2013

10:14 Uhr

Reiche Stromernte

100.000 Euro Pacht für ein Windrad

Da die Stellflächen für Windräder begehrt sind, verlangen Grundbesitzer immer höhere Summen. Nutznießer sind zumeist Landwirte – und am Ende zahlen Stromverbraucher die hohen Pachten über ihre Stromrechnung.

Windräder auf Äckern in Baden-Württemberg: Leben von der Landwirtschaft und vom Wind. dpa

Windräder auf Äckern in Baden-Württemberg: Leben von der Landwirtschaft und vom Wind.

BerlinWo werden in Deutschland die höchsten Pachten bezahlt? In den beliebten Metropolen München, Hamburg und Düsseldorf? Nein, auf dem platten Land, wo der Wind kräftig weht und Windräder eine reiche Stromernte versprechen. "In der Spitze werden in Norddeutschland mittlerweile 100.000 Euro pro Jahr und Windrad verlangt", heißt es bei der Thüga, dem deutschlandweit größten kommunalen Netzwerk kommunaler Energiedienstleister. Nutznießer sind zumeist Landwirte, Leidtragende die Stromverbraucher, die die hohen Pachten am Ende über ihre Stromrechnung bezahlen.

Seit Jahren kennt die Entwicklung der Windrad-Pachten nur eine Richtung: aufwärts. Doch in den vergangenen Monaten ist zusätzliche Dynamik ins Spiel gekommen. Noch im Frühjahr galten Jahrespachten von 90.000 Euro als Spitzenwert. "Bei den Pachten sehen wir Fehlentwicklungen", klagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie.

Welche der erneuerbaren Energien hat die größten Chancen?

Für diese Fehlentwicklungen gibt es verschiedene Gründe: Nach kräftigen Einschnitten in die Vergütungen für Solarparks suchen viele Projektentwickler ihr Heil in der Windkraft. "Da ist ein enormer Druck auf dem Kessel. Sobald die Behörden irgendwo neue Vorranggebiete für Windräder ausweisen, beginnt sofort der Wettlauf der Projektentwickler", heißt es in der Branche. Das treibe die Pachten.

Nutznießer steigender Pachten sind nicht nur Landwirte, sondern häufig auch staatliche Verpächter, etwa Landesforste. Der Flächeneinsatz ist überschaubar: Für das Fundament eines Windrades wird eine Fläche von 15 mal 15 Metern beansprucht, hinzu kommt der Zufahrtsweg, die Stellfläche für einen Kran, der für Wartungsarbeiten oder im Havariefall benötigt wird, und Platz für ein Trafohaus. Rundherum kann weiter Landwirtschaft betrieben werden.

AG Energie

Termin

Die Arbeitsgruppe Energie trifft sich am Donnerstag. Bereits am Dienstag gab es getrennte Sitzungen der Unions- und der SPD-Mitglieder der AG.

Themen

Vorrangiges Ziel ist es, die Kostenexplosion beim Ausbau erneuerbarer Energien zu stoppen. Einschnitte bei den EEG-Ausnahmen für die Industrie sind nach Ansicht der meisten Teilnehmer unvermeidlich. Außerdem wird es darum gehen, Lösungen für unrentable fossile Kraftwerke zu suchen.

Teilnehmer

Peter Altmaier (CDU) und Hannelore Kraft (SPD) leiten die AG. Mitglieder sind Thomas Bareiß, Maria Flachsbarth, Andreas Jung, Ingbert Liebing, Frank Kupfer, Armin Laschet (CDU); Georg Nüßlein, Josef Göppel, Franz Josef Pschierer (CSU); Thorsten Schäfer-Gümbel, Stephan Weil, Heiko Maas, Peter Friedrich, Nina Scheer und Uli Kelber (SPD).

Die Höhe der Pacht richtet sich nach einer einfachen Formel: Der Verpächter will heute in der Spitze mit 13 Prozent an den Stromerträgen eines Windrades beteiligt werden. Für ein Windrad, das an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland pro Jahr rund sechs Millionen Kilowattstunden Strom produziert, ergeben sich so Pachteinnahmen von rund 70.000 Euro. An windreichen Standorten sind aber auch 100.000 Euro möglich. Die 13 Prozent für den Verpächter sind eine neue Entwicklung. Es ist noch nicht lange her, da galten zehn Prozent als absolute Spitze.

Kommentare (12)

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Kritiker

31.10.2013, 10:29 Uhr

Es wurde höchste Zeit, dass die Medien ehrlich über die Ursachen und Auswirkungen sowie die 10 % Gewinner und 90 % Verlierer der Energiewende berichten.

Account gelöscht!

31.10.2013, 10:30 Uhr

Zitat : 100.000 Euro Pacht für ein Windrad

Die Subventionsschmarotzer haben zur Zeit gut lachen...die sind in einer Art Kommunismus gelandet......für Nichtstun brauchen die meisten auch keine Landwirtschaft mehr zu betreiben !

3 Windräder auf den Acker...und Simsalabim.....wird ein Kanzlergehalt eingespielt....???!

Aber die Zeiten werden sich auch wieder ändern ! Und die ganze Landschaftsschändung wird auch wieder verschwinden !

Und die Bauern, die dann die Landwirtschaft verlernt haben, werden Harz4-Empfänger und zu Sozialschmarotzern mutieren.

Perverse Welt !

Account gelöscht!

31.10.2013, 10:47 Uhr

?
Bitte mitdenken.
Die Vergütung bleibt davon völlig unberührt. Die hohe Pacht, die im Übrigen ein Einzelfall, bzw Extrembeispiel ist, wird zwischen dem Projektentwickler und Pächter ausgehandelt. Sie reduziert somit den Gewinn des Projektentwicklers, oder aber des späteren Investors. In keiner Weise wird der Stromverbraucher hiervon berührt.
Das ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang, der z.B. immer dann passiert, wenn Ackerfläche zu Bauland wird. Über Nacht erfährt der gleiche Quadratmeter Boden eine Preissteigerung von 2000% und mehr. Je nach Lage. Die Lage wird bei dieser Extrempacht ebenfalls die entscheidende Rolle gespielt haben.

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