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17.07.2013

12:24 Uhr

Rettungsfahrzeug STEMO

Mobile Eingreiftruppe gegen Schlaganfall

VonSusanne Donner

Bei Schlaganfällen entscheiden Minuten darüber, ob der Patient sich erholt oder zum Pflegefall wird. In Berlin nutzen Mediziner die weltweit erste rollende Miniklinik, um Patienten rechtzeitig versorgen zu können.

Das Stroke-Einsatz-Mobil (Stemo) ist die weltweit erste rollende Miniklinik für Schlaganfallpatienten. Charité/Universitätsmedizin Berlin

Das Stroke-Einsatz-Mobil (Stemo) ist die weltweit erste rollende Miniklinik für Schlaganfallpatienten.

BerlinWenn das Funkgerät von Martin Ebinger piept, saust der Neurologe von der Berliner Charité aus dem 2. Stock seines Büros an einer Eisenstange wie in einer Turnhalle hinab ins Erdgeschoss. Dort steht in die Garage der Feuerwehrrettungsstelle in Berlin-Wilmersdorf ein orangefarbener Rettungswagen.

Es ist kein gewöhnlicher Rettungswagen, mit dem Ebinger und seine Kollegen zum Einsatzort eilen. Ihr Stroke-Einsatz-Mobil (Stemo) ist die weltweit erste rollende Miniklinik für Schlaganfallpatienten.

Denn bei der Versorgung nach einem Hirninfarkt zählt jede Minute. Die Zeit bis zur Behandlung entscheidet mitunter über „Pflegeheim oder Rückkehr an den Arbeitsplatz“, sagt Ebinger. Jede Minute sterben im Gehirn nach einem Schlaganfall 1,9 Millionen Nervenzellen. Mit blutverdünnenden Medikamenten, der so genannten Thrombolyse, kann das manchmal verhindert werden. Aber nur, wenn der Patient früh genug im Krankenhaus eintrifft.

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Weltweit bekommen überhaupt nur zwei bis vier Prozent der Schlaganfallpatienten dieses Medikament. Die allermeisten kommen zu spät in die Klinik. Alleine vom Notruf bis zur ersten Versorgung im Krankenhaus vergehen meist über 90 Minuten. „Viel zu langsam“, urteilt Heinrich Audebert, Leiter des STEMO-Projekts an der Berliner Charité.

„Wir müssen mit der Behandlung zum Patienten kommen“, leitet er daraus ab - mit dem Schlaganfallrettungswagen, der seit Anfang Februar 2011 in Berlin unterwegs ist. An Bord, ein Labor, in dem Blutwerte des Patienten bestimmt werden und das eigentliche Herzstück, ein Computertomograf, der noch vor der Haustür des Patienten ein Röntgenbild seines Kopfes macht.

Auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen können Ärzte sofort sehen, woher der Schlaganfall rührt: von einem verstopften Gefäß im Gehirn - wie meist üblich - oder von einer Blutung im Gehirn. Das ist eine Schlüsselinformation für den Arzt, weil nur bei einer Verstopfung blutverdünnende Medikamente helfen. Sie lösen das Gerinnsel auf, stellen die Blutversorgung wieder her und können so eine Behinderung abwenden.

Demgegenüber dürfen bei einer Blutung keinesfalls blutverdünnende Medikamente gegeben werden. „Das könnte den Patienten umbringen“, betont Ebinger.

Kommentare (2)

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17.07.2013, 18:27 Uhr

25 Minuten Behandlungsvorsprung eine interessante Zahl. Die viel wichtigere Frage ist wie denn bei dem immensen Aufwand das outcome der so behandelten Patienten im Vergleich zu der konventionell behandelten Gruppe ist und zwar nicht nur direkt nach der Intervention sondern bis zu einem Jahr danach.
Bei der Personalintensität muß man sich dann noch Fragen wen diese qualifizierten Menschen denn in der gleichen Zeit in der Klinik versorgen könnten.
Bei einem Alkoholvollrausch werden gerüchteweise 10 Millionen Gehirnzellen vernichtet allerdings nicht lokal begrenzt.
Hier wird ein Riesenhype betrieben der sich mutmaßlich bei nüchterner Betrachtung dauerhaft als Luftnummer mit wenig Vorteilen für den Patienten erweisen dürfte.
Die einzigen die davon dauerhaft einen Vorteil haben dürften sind die ganzen Habilitanten und Promoventen die im Zuge dieses Hype ihre Titel erwerben.
In spätestens 2 Jahren dürfte klar sein ob dabei mehr rausgekommen ist als Renomee und Szenenapplaus auf internationalen Kongressen. Ich vermute das sich bis dahin der Staub auf dem Gerät gesammelt und das Projekt heimlich, still und leise beerdigt sein wird.
Aber auch die Erkenntnis das etwas nicht wie erhofft funktioniert ist eine. Fraglich nur ob sich dafür dieser Aufwand lohnt und ob man mit dem dafür verwendeten Geld nicht was besseres hätte anfangen können als die technischen Flausen von Universitätsprofessoren unter möglicherweise zweifelhafter Motivationslage zu fördern.

Crazymum1971

15.09.2013, 23:22 Uhr

MCXSV, sind Sie Betroffener - wohl kaum.
Denn dann würden Sie so etwas nicht von sich geben!
Ich wünsche Ihnen auch weiterhin Gesundheit!

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