Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.08.2013

06:00 Uhr

Robert Zollitsch wird 75

Oberster Bischof und Brückenbauer

Der Freiburger Erzbischof kommt mit 75 nach Kirchentradition ins Rentenalter. Als Krisenmanager musste er sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz beweisen. So bereitet er seinen Abschied vor.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch: Kritiker sagen, er hätte bei strittigen Vorhaben engagierter sein müssen. dpa

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch: Kritiker sagen, er hätte bei strittigen Vorhaben engagierter sein müssen.

FreiburgRobert Zollitsch ist das hohe Amt nicht zu Kopf gestiegen. Auch als oberster Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland hat der Freiburger Erzbischof Bodenhaftung behalten. Seit fünfeinhalb Jahren ist der im früheren Jugoslawien geborene Zollitsch Vorsitzender der Bischofskonferenz. Jetzt beginnen seine letzten sieben Monate. Wenn die Bischöfe im März 2014 turnusgemäß nach sechs Jahren wieder wählen, tritt der Freiburger aus Altersgründen nicht mehr an. Zollitsch wird am Freitag (9. August) 75 Jahre alt.

„Ich schaue zurück mit Dankbarkeit“, sagt Zollitsch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Seit 48 Jahren ist er Priester, seit zehn Jahren Erzbischof der zweitgrößten Diözese Deutschlands und seit Februar 2008 Vorsitzender der Bischofskonferenz. Zu seinem 75. Geburtstag muss Zollitsch dem Papst seinen Rücktritt anbieten, so ist es in der katholischen Kirche üblich. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch ablehnen wird. Zumindest so lange, wie Zollitsch die Bischofskonferenz führt.

Weltliche Pflichten: Sind Protestanten fleißiger als Katholiken?

Weltliche Pflichten

Sind Protestanten fleißiger als Katholiken?

Der Soziologe Max Weber attestierte den Anhängern Luthers eine eiserne Arbeitsethik.

Der als liberal geltende Freiburger Erzbischof war im Februar 2008 der Überraschungsnachfolger, als Kardinal Karl Lehmann nach 21 Jahren als Chef der Bischöfe aus dem Amt trat. „Eine Reihe von Mitbrüdern hat mich damals sehr bekniet, diese Aufgabe zu übernehmen“, erinnert er sich. „Sie meinten, ich könnte im Sinne der Moderation, der Verbindung und des Brückenbaus diese Aufgabe erfüllen.“ Zollitsch willigte ein. „In der Arbeitsbelastung war das noch einmal eine gewaltige Herausforderung.“

Die Funktion hat ihn geprägt, er ist Gesicht und Stimme seiner Kirche geworden. Ohne dabei Lautsprecher zu sein. In der Öffentlichkeit tritt er bescheiden und zurückhaltend auf. Er sucht Konsens statt Konfrontation. In Predigten und Interviews meldet er sich gerne zu gesellschaftlichen Themen zu Wort, vermeidet dabei jedoch ideologisch überhöhte Debatten. Gräben will Zollitsch nicht aufreißen. Er ist sichtlich bemüht, Reformer und Bewahrer zu einen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Erzengel

09.08.2013, 08:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

RDA

09.08.2013, 08:53 Uhr

Vor allem interessiert mich, was Herr Zollitsch bisher getan hat, um das Wort immerhin zweier Päpste zum Thema "Arme Kirche für die Armen" in Deutschland umzusetzen. Ratzinger hat sogar ausdrücklich die Säkularisation gelobt. Dann frage ich mich, wo da Taten bleiben...Arme Menschen gibt es in Deutschland genug und die Kirche könnte ein Zeichen setzen und ihr Vermögen für eine Mindestrente für alle Menschen sowie ausreichende Pflegeleistungen im Alter zur Verfügung stellen. Ach ja, Papst Franziskus hat sich außerdem kritisch zu Lobbyisten geäußert. Herr Zollitsch hat bestimmt daraufhin alle Kirchenlobbyisten aus den nationalen und europäischen Institutionen abgezogen, oder?
Und Herr Zollitsch möge bitte Zahlen veröffentlichen, wieviele katholische Priester sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, wieviele davon strafverurteilt wurden und wie hoch die Entschädigungszahlungen der Kirche an die Kinder waren.

Und nicht zu vergessen das kirchliche Arbeits"recht", das Arbeitnehmer- und Menschenrechte systematisch missachtet und in Köln offensichtlich dazu geführt hat, dass kirchliche Krankenhäuser mehrere Opfer von Straftaten (Vergewaltigungen) abgewiesen haben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×