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28.07.2014

12:13 Uhr

Rollstuhlfahrer

Arztpraxen müssen bei Barrierefreiheit aufholen

Selbst bei ihrem Arzt sind Rollstuhlfahrer vor unnötigen Barrieren nicht sicher. Gerade mal jede fünfte Praxis in Deutschland ist für sie ausgelegt – von Behindertenparkplätzen und speziellen Untersuchungsmöbeln ganz zu schweigen.

Unüberwindliche Hindernisse: Selbst viele Arztpraxen sind nicht für Rollstuhlfahrer gemacht. dapd

Unüberwindliche Hindernisse: Selbst viele Arztpraxen sind nicht für Rollstuhlfahrer gemacht.

MünchenNur gut jede fünfte allgemeinmedizinische Arztpraxis in Deutschland ist für Rollstuhlfahrer geeignet. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag zitierte. Demnach verfügen nur 22 Prozent der Arztpraxen für Allgemeinmedizin über einen ebenerdigen oder für Rollstühle geeigneten Zugang oder einen Aufzug.

Dem Bericht zufolge finden Rollstuhlfahrer bei Radiologen die besten Bedingungen, dort werde gut jede dritte Praxis als barrierefrei eingestuft. Am schlechtesten schnitten demnach die Praxen von Zahnmedizinern und Kieferchirurgen ab, von denen nur 15 Prozent für Rollstuhlfahrer geeignet seien. Noch seltener als barrierfreie Praxen sind demnach Behindertenparkplätze vor Arztpraxen, leicht zugängliche Toiletten und spezielle Untersuchungsmöbel. Diese seien laut der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf die Linken-Anfrage „bereits die Ausnahme“ und im Durchschnitt nicht einmal in zehn Prozent aller Praxen vorhanden.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, sagte dem Blatt, für viele Behinderte sei damit „die gesetzlich verbriefte Arztwahl nicht gewährleistet“. Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, forderte, mehr zu tun. Gebärdensprache-Dolmetscher für gehörlose Menschen, barrierefreie Untersuchungsmöbel oder auch ein behindertengerechtes WC müssten im Bedarfsfall verfügbar sein. Bei neuen Praxiszulassungen sollte auch das Kriterium Barrierefreiheit entscheidend sein, sagte Bentele der „SZ“.

Das Gesundheitsministerium erklärte der Zeitung, es wolle zusammen mit der Ärzteschaft ein Gesamtkonzept vorlegen. Wie im Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorgesehen sollten bis zum Jahr 2020 Arztpraxen zunehmend barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Für die besonders selten behindertengerecht ausgestatteten Zahnarztpraxen forderte die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) Geld der Krankenkassen für die notwendigen Umbauten. Die Kassen müssten „angemessen“ an den nötigen erheblichen Investitionen beteiligt werden, erklärte KZBV-Chef Wolfgang Eßer. „Entsprechende Belastungen können nicht den Zahnärzten allein auferlegt werden, denn der Abbau von Barrieren ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen.“ Außerdem forderten die Zahnärzte ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau, um zusätzlichen Spielraum für die barrierearme Ausgestaltung von Praxen zu schaffen.

Von

afp

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