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03.09.2014

06:00 Uhr

Sabine Herold

„Meine besten Ideen kommen beim Haare föhnen“

VonCarina Kontio

Visionen sind für die Eigentümerin des Klebstoffmarktführers Delo ein Zeichen von Weitblick, nicht von Utopie. Sabine Herold findet: Durch sie können wir unseren Wohlstand erhalten – das beginnt mitunter im Badezimmer.

Die Unternehmerin Sabine Herold führt mit ihrem Mann ein Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern. Gemeinsam haben sie einen Marktführer für Klebstoffe geschaffen. Imago

Die Unternehmerin Sabine Herold führt mit ihrem Mann ein Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern. Gemeinsam haben sie einen Marktführer für Klebstoffe geschaffen.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Das Rad – auch wenn das buchstäblich ein alter Hut ist, bleibt es doch die Grundlage von Bewegung. Mich als Ingenieurin fasziniert, wie leistungsfähig und flexibel es trotz seiner Einfachheit ist. Man braucht es um von A nach B zu kommen, für das Heben von Lasten und zudem kommt auch keine Maschine ohne (Zahn-)Rad aus. Das Auto ist natürlich die nahe liegendste Anwendung und nicht umsonst für viele Symbol eines Lebensgefühls geworden, denn es steht für Mobilität und Freiheit. Tatsächlich wäre aber unser gesamter Lebensstandard ohne Rad nicht möglich.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Galileo Galilei. Er ist heute vor allem für seine astronomischen Arbeiten bekannt, aber er hat auch die Mathematik und die Physik stark vorangetrieben. Man weiß zwar mittlerweile, dass Galilei beim Verlassen des Inquisitionsgerichts wohl nicht „Und sie bewegt sich doch!“ gemurmelt hat. Trotzdem imponiert mir sein Pragmatismus: Natürlich, er hätte seine Schriften verteidigen und dafür als Märtyrer auf dem Scheiterhaufen enden können – aber wem hätte er damit geholfen? Stattdessen hat er weiter an seine Überzeugungen geglaubt, sie für sich behalten und wahrscheinlich in seinem Inneren gewusst, dass die Zeit irgendwann reif dafür ist.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Tatsächlich beim Haare föhnen. Das dauert so fünf bis sieben Minuten und dabei muss ich nicht viel machen, kann also über vieles nachdenken – wann nimmt man sich sonst schon mal explizit Zeit dafür, ohne von anderen Dingen abgelenkt zu werden? Da mir beim Haare föhnen so oft neue Ideen kommen, habe ich inzwischen auch immer Zettel und Stift griffbereit im Badezimmer, um Stichpunkte festzuhalten.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Visionen sind für mich ein Zeichen von Weitblick, nicht von Utopie. Statt der Behandlung bei einem Arzt würde ich daher die Konsultation eines Patentanwalts empfehlen. Im Ernst: Tatsächlich glaube ich, dass nur Visionen der Industrie in Europa ihre Daseinsberechtigung geben. Günstig und möglichst effektiv den Status Quo umsetzen, das können die Asiaten besser. Unseren Wohlstand können wir nur halten, wenn wir immer wieder neue und kreative Lösungen finden.

Welche Innovation fehlt in Ihrer Branche?
Die Klebtechnik ist sehr weit fortgeschritten: Handys, Auto, Flugzeuge, inzwischen wird alles geklebt. Doch niemand weiß, wie die Adhäsion – also die Haftung von zwei verschiedenen Materialien aneinander – genau funktioniert. Es gibt zwar eine Reihe von Theorien, aber im Grunde sind das nur bessere Vermutungen. Wir kennen deshalb viele Randparameter nicht, was Voraussagen schwierig macht. Das ist beim Schrauben oder Schweißen weiter fortgeschritten. Beim Kleben dagegen kann man neue Haftungsmechanismen kaum berechnen, es empfiehlt sich immer diese praktisch zu testen. Wenn also jemand eine fundierte Theorie entdecken sollte, die auch Prognosen ermöglicht, kann er sich gern bei mir melden.

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