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10.12.2013

06:00 Uhr

Silikon

Urteil im Prozess um Brustimplantate erwartet

Es war ein Schock für Tausende Frauen weltweit: Behörden rieten ihnen, sich Brustimplantate aus billigem Industriesilikon entfernen zu lassen. Nun wird im ersten Strafprozess gegen den Hersteller ein Urteil erwartet.

Darum wird vor Gericht gestritten: Brustimplantate aus Silikon. Reuters

Darum wird vor Gericht gestritten: Brustimplantate aus Silikon.

Marseille/ParisIm Skandal um Billig-Brustimplantate aus Industriesilikon wird an diesem Dienstag ein erstes Urteil gegen die früheren Führungskräfte des französischen Herstellers PIP erwartet. Dem Unternehmensgründer Jean-Claude Mas sowie ehemaligen Mitarbeitern drohen in dem Strafprozess im französischen Marseille bis zu fünf Jahre Haft. Sie sind wegen Betrugs und schwerer Verbrauchertäuschung angeklagt.

Der heute 74 Jahre alte Mas hatte mit seinem Unternehmen rund zehn Jahre lang Brustimplantate aus billigem und nicht für Medizinprodukte zugelassenem Industriesilikon hergestellt. Der Skandal war erst 2010 aufgeflogen, nachdem sich Hinweise auf eine erhöhte Reißanfälligkeit der Produkte gehäuft hatten.

Behörden, darunter in Frankreich und Deutschland, empfahlen deswegen in einer beispiellosen Aktion ein vorsorgliches Herausoperieren der PIP-Brustimplantate. Weltweit implantierten Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen PIP-Silikonkissen, in Deutschland sind mehr als 5000 Frauen betroffen. Viele von ihnen treten in dem Strafprozess als Nebenkläger auf – wie auch der TÜV Rheinland.

Der Prüfdienstleister war für die Zertifizierung der Implantate und des PIP-Qualitätssicherungssystems zuständig. Er wirft PIP vor, sämtliche Hinweise auf die Verwendung nicht zugelassenen Silikons systematisch verschleiert zu haben.
Mas beteuerte in dem Prozess, dass sein Gel nicht giftig oder gefährlich gewesen sei.

Die mündliche Verhandlung war bereits Mitte Mai zu Ende gegangen. Experten erwarten, dass sich die juristische Aufarbeitung des Skandals auch nach dem Urteil an diesem Dienstag noch lange hinziehen könnte. So sind die Ermittlungen zu Straftatbeständen wie Körperverletzung und Insolvenzbetrug noch im Gange.

Von

dpa

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