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23.04.2014

06:00 Uhr

SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon

„Perspektivwechsel ist wichtig“

Pierre-Pascal Urbon ist Chef des Wechselrichter-Herstellers SMA-Solar, Weltmarktführer in seinem Bereich. Im Interview erklärt er, warum es heute so schwierig ist, neue Ideen zu entwickeln.

SMA-Solar-Chef Pierre-Pascal Urbon: Die Welt soll in Deutschland einen Innovator sehen. Pressefoto

SMA-Solar-Chef Pierre-Pascal Urbon: Die Welt soll in Deutschland einen Innovator sehen.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Es gibt natürlich ganz viele Innovationen, die unser Leben nachhaltig verändert haben. Eine der wichtigsten ist für mich das Internet. Das Internet hat die Bereitstellung von Informationen, den weltweiten Wissensaustausch und die Möglichkeiten der internationalen Vernetzung von Menschen und Unternehmen extrem beschleunigt und erweitert. Auch bei der dezentralen und auf erneuerbaren Quellen basierenden Energieversorgung der Zukunft werden die Vernetzungsmöglichkeiten des Internets eine entscheidende Rolle spielen.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Zu den größten Visionären unserer Zeit zählt für mich der amerikanische Soziologe, Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin von der Wharton School of Business. Die fossilen Brennstoffe, auf denen unsere industrielle Lebensweise beruht, haben ausgedient. Am Horizont droht eine Klimakatastrophe mit möglicherweise verheerenden Auswirkungen auf unsere Ökosysteme. Es wird zunehmend klar, dass wir ein neues Energiesystem brauchen, das uns in eine nachhaltigere Zukunft führt und das zudem ökonomisch vertretbar ist. Wie wir dies schaffen, wie  sich Wirtschaft und Gesellschaft verändern müssen und welche Technologien wir brauchen, beschreibt Jeremy Rifkin sehr klar und detailliert in seinem Buch „Die dritte industrielle Revolution“.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen? 
Für mich ist der Perspektivwechsel bei der Entwicklung neuer Ideen wichtig. Die Idee soll gut sein, die Umsetzung noch besser und draußen in der Welt müssen die Menschen auch wirklich etwas anfangen können mit beispielsweise einem neuen Produkt. Schwierig ist die Ideenentwicklung auch deshalb, weil über den gesamten Globus eine Art Standardisierung einhergeht. Nicht die Vielfalt, sondern die Gleichförmigkeit nimmt zu. Um aus diesem Denkmuster auszubrechen, helfen mir die Gespräche mit Kunden und engagierten SMA’lern.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Auf gar keinen Fall. Es waren immer Visionäre, die die Menschheit vorangebracht haben. Ohne Visionen ist eine Weiterentwicklung überhaupt nicht möglich. Das gilt selbstverständlich auch für SMA, denn wir betreten immer wieder technologisches Neuland. Natürlich haben Visionäre häufig einen schweren Stand, weil ihre Ideen zu Veränderungen führen. Erfolgreiche Visionäre versuchen deshalb, das System der Beharrlichkeit zu nutzen und nicht zu bekämpfen.

Die Solarbranche hat eine längere Durststrecke hinter sich. Wie schafft man es in schwierigen Zeiten, an seiner Vision festzuhalten? 
Die Energiefrage ist für die Menschheit von zentraler Bedeutung. Alle kennen die Zahlen. Zum Beispiel die Zahl 81 Millionen: Das ist – in Barrel – die Menge an Öl, die jeden Tag (!) zusätzlich gefördert werden müsste, wenn in der Volksrepublik China jeder Mensch auf demselben Komfortlevel leben wollte wie beispielsweise in den USA: Das ist ein Vielfaches dessen, was alle Opec-Staaten gemeinsam in 24 Stunden zu Tage fördern! Auch deshalb läuft der Ausbau der Erneuerbaren Energien auf Hochtouren. Heute ist es notwendig, dass die Deutschen nicht nur als die möglicherweise genialen Erfinder der Energiewende gesehen werden, als kluge Köpfe die einen Sunny Boy und komplizierte Technologien erdenken. Wichtig ist, dass die Welt uns auch als Innovator sieht, als Ermöglicher des Fortschritts und der Veränderung. Ich stelle mir deshalb gerne vor, dass durch unsere Technologien eines Tages die Energieversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien erfolgt – made in Germany.

Von

dah

Kommentare (1)

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23.04.2014, 09:37 Uhr

Die Energiewende ist was für technisch und wirtschaftlich Minderbelichtete oder sagen wir es mal mit den Worten unseres Energie-und Wirtschaftsminister Gabriel...

Eintreffen von Vize-Kanzler, SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der Schaum vor dem Mund. Die anderen mussten noch etwas warten.

Ja, Sigmar Gabriel, der auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Ulrike Gottschalck nach Kassel gekommen war, war nicht unbedingt ein Ostergeschenk für die anwesenden Freunde der Energiewende und der alternativen Energien. Das galt insbesondere für den SMA-Vorstandsvorsitzenden Pierre Pascal Urbon, der sich sicher ein paar ermutigende Worte aus dem Mund des schwergewichtigen SPD-Politikers gewünscht hätte. Schließlich hat seine Firma mit tiefen Einbrüchen auf dem deutschen Markt zu kämpfen. Doch das war mit Gabriel an diesem Abend nicht zu machen. Der Machtpolitiker sprach aus, was andere kaum zu denken wagen: „Die Energiewende steht kurz vor dem Aus. Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“

Eine ungekürzte Weiterzahlung der EEG-Förderung? Mit ihm nicht. Diese Aussage war ebenso kurz wie unbequem. Das SMA-Geschäftsmodell der gesicherten Förderung sei zwar schön, aber nicht mehr zeitgemäß. Sprach`s und verließ nach neunzig Minuten die gastliche Stätte, die sich weiter auf schlechte politische Rahmenbedingungen einstellen kann. Ja, Gabriel hatte mal wieder bewiesen, dass er alles ist, aber kein Symphatieträger. Ein Machtpolitiker eben, dem egal ist, was andere wollen.



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