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29.08.2013

06:00 Uhr

Solare Zitterpartie

Ein Jahr Q-Cells unter koreanischer Führung

Solarzellen sind zum Massenprodukt geworden, die Preise purzeln. Kann Deutschland da noch mithalten? Der Ex-Weltmarktführer Q-Cells will Finanzkraft aus Asien mit Technologie aus Deutschland verknüpfen.

Solaranlage von Q-Cells: Schwarze Zahlen gibt es noch nicht. dpa

Solaranlage von Q-Cells: Schwarze Zahlen gibt es noch nicht.

Bitterfeld-WolfenDie Retter kamen aus Asien. Quasi in letzter Minute hatte der südkoreanische Hanwha-Konzern vor einem Jahr den Untergang des insolventen Solarherstellers Q-Cells abgewendet. Ein finanzstarker Investor aus Asien und modernste Technologie aus Deutschland - so lautet die Strategie. Doch die Zitterpartie um die Produktion von Solarzellen „Made in Germany“ ist noch lange nicht ausgestanden.

„Es ist eine kritische Phase für die Solarbranche insgesamt“, sagt der Chef des Branchenverbandes Solarvalley Mitteldeutschland, Peter Frey. Viele Solarfirmen sind pleite, Konzerne wie Bosch oder Siemens ziehen sich aus dem Segment zurück. Pioniere wie Q-Cells und auch SolarWorld kämpfen dagegen weiter. Erst in ein bis zwei Jahren werde man sehen, ob die überlebenden Firmen vom Aus der vielen Konkurrenten profitieren können, sagt Frey. Oder ob die Zellen-Produktion komplett ins Ausland wandert.

Beim früheren Weltmarktführer Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen stehen die Produktionsanlagen zumindest nicht still. Im Gegenteil. Es wird in drei Schichten gearbeitet. Und statt der im Kaufvertrag genannten 750 zu erhaltenden Arbeitsplätze in Deutschland sind es sogar 780, sagt Sprecher Jochen Endle.

Schwarze Zahlen schreibt Q-Cells nicht, aber man zeigt sich zuversichtlich. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Endle. Ziel sei es, bereits kommendes Jahr Gewinn zu machen. Auch im Magdeburger Wirtschaftsministerium zeigt man sich zufrieden. „Die Zusagen, die Hanwha bei der Übernahme von Q-Cells gemacht hat, sind bis dato auch eingehalten worden“, sagt Sprecher Robin Baake. Der Hanwha-Konzern biete sehr gute Voraussetzungen, um den Solarstandort Sachsen-Anhalt zu sichern. Vor genau einem Jahr - am 29. August 2012 - hatten die Gläubiger von Q-Cells dem Einstieg der Südkoreaner zugestimmt.

Doch auch Q-Cells musste Federn lassen. 200 Arbeitsplätze wurden gestrichen, 134 Mitarbeiter kamen nach Angaben des Bezirkschefs der Gewerkschaft IG BCE, Erhard Koppitz, in eine Transfergesellschaft. Etwa zwei Drittel hätten inzwischen einen neuen Job gefunden. Aber Koppitz warnt vor zu viel Optimismus. „Die Entwicklung der Branche ist weiterhin sehr dramatisch. Wir brauchen ein nationales Konzept für die Solarbranche, gemeinsam mit der Politik“, sagt Koppitz.

Kommentare (2)

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eksom

29.08.2013, 10:35 Uhr

Produktionkosten herunter drücke!? Geht nur auf Kosten der Qualität oder der Mitarbeiter!
Die Kapitalgeber werden wohl kaum sich auf niedrigere Zinsen einlassen!?
Wie wäre es mit der schnelleren Einführung der Zellen, aus der dritten Generation?

PitM

29.08.2013, 12:38 Uhr

@eksom:
Die Qualität hat schon gelitten.

Wir verbauen seit 15 Jahren PV und früher haben wir bei uns Q.CELLS-Module gern verbaut, die waren absolut robust. Heute steigen wir lieber auf andere Marken um, weil die Qualität so schlecht geworden ist und wir diese 35mm-Module im Bayerischen Wald nicht verbauen wollen. Da ist mittlerweile wahrscheinlich mehr Schein als Sein.

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