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19.12.2014

09:47 Uhr

Sonderabgabe

Der Soli für Elektroautos

VonLukas Bay

Um die Zulassungszahlen von Elektroautos zu erhöhen, möchten Experten Benzin und Diesel mit einer Sonderabgabe versehen und Verkaufsprämien einführen. Selbst Autobauer sind davon nicht begeistert.

Elektroauto: Experten fordern eine Verkaufsprämie von 4000 Euro. BMW Group

Elektroauto: Experten fordern eine Verkaufsprämie von 4000 Euro.

Als hätte es das Elektroauto in Deutschland nicht schon schwer genug: Der Preis für Benzin und Diesel nähert sich der Ein-Euro-Marke. Und mit den Preisen an der Tankstelle sinkt derzeit auch die Bereitschaft der Deutschen, auf ein Elektroauto umzusteigen. Auf deutschen Straßen sind sie immer noch Exoten. Gerade einmal 21.000 Elektrofahrzeuge wurden dieses Jahr verkauft. Selbst im kleinen Norwegen sind es mehr. Dort werden Elektroautos stärker gefördert. Eine Förderung, die in Deutschland fehlt.

Auf einem Branchentreffen in Duisburg haben Wissenschaftler des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen um Professor Ferdinand Dudenhöffer nun einen konkreten Vorschlag vorgelegt, wie das Elektroauto attraktiver gemacht werden könnte.

Sie fordern eine Sonderabgabe von einem Cent für jeden Liter verkauften Benzins und Diesel, auf drei Jahre befristet. So kämen in drei Jahren gut 1,9 Milliarden Euro zusammen. Damit wollen die Wissenschaftler Elektroautos gleich dreifach fördern:

800 Millionen Euro sollen in eine Verkaufsprämie fließen. Jedes privat gekaufte Elektroauto würde nach den Plänen mit 4000 Euro bezuschusst. Damit könnten nach Schätzung des Instituts bis zu 200.000 zusätzliche E-Autos verkauft werden.

Das läge allerdings immer noch deutlich unter der politisch gesetzten Zielmarke von einer Million Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2020. Darum sollen zusätzlich 200 Millionen Euro für Carsharing-Konzepte aufgebracht werden.

Um den Käufern die Angst vor einer leeren Batterie zu nehmen, muss nach Ansicht des CAR-Instituts auch die Ladeinfrastruktur massiv ausgebaut werden. 850 Millionen Euro sollen darum in den Bau neuer Ladestationen fließen.

Begeisterung wecken statt Strafen aufbrummen

Auch gibt es Nachholbedarf: Derzeit gibt es bundesweit gerade einmal 3000 Ladesäulen. Mit der Förderung sollen 80.000 neue in den 60 größten deutschen Städten entstehen. An diesen Ladesäulen dürften Elektroautobesitzer drei Jahre lang kostenlos parken und tanken. Danach müsste der Betrieb von kommunalen Betreibern übernommen werden.

Die Vorschläge stoßen bei den Herstellern durchaus auf offene Ohren. „Wir dürfen da nicht warten, sondern müssen endlich anfangen“, sagt Thomas Hausch, Deutschland-Chef von Nissan. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche will sich mit dem Konzept „ernsthaft beschäftigen“. Allerdings seien die Belastungen für Autofahrer schon heute hoch genug, mahnt er. Außerdem müsse die Zweckgebundenheit und Befristung der Sonderabgabe sichergestellt sein.

Von strengeren Steuern für konventionelle Antriebe wie in den Niederlanden hält Zetsche wenig: „Wir müssen die Kunden für das Elektroauto begeistern. Das funktioniert nicht, indem wir Autofahrer bestrafen.“ Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes fordert eine große Lösung. „Wir müssen europäisch denken und Förderung auch auf dieser Ebene vorantreiben.“

Denn auch die Hersteller wollen steigende Absatzzahlen für Elektroautos. Bis zum Jahr 2020 sollen sie ihren Flottenverbrauch auf 95 Gramm CO2 pro 100 Kilometer senken. Doch dafür muss der Anteil der elektrischen und halbelektrischen Modelle deutlich steigen. „Kein Premiumhersteller kann mit Verbrennungsmotoren allein unter Einsatz noch so teurer Technologie-Bausteine die gesetzten 95-Gramm-Ziele erreichen“, sagte Zetsche.

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Unter dem Namen „Audi unite“ testet der Autohersteller aus Ingolstadt ein neues Carsharing-Konzept in Schweden. Bis zu fünf Personen können sich für ein oder zwei Jahre ein Auto teilen - vom A1 bis zum R8.

Um den Flottenverbrauch zu senken, wollen Daimler und BMW ihre Modellpalette mit Plug-in-Hybrid, also einem doppelten Antrieb aus Elektro- und Benzinmotor, ausrüsten. BMW will sukzessive die ganze Flotte zusätzlich mit dem neuen Antrieb ausrüsten.

Aber rentabel sind die neuen Modelle noch nicht. „Kein Hersteller weltweit verdient derzeit mit dem Bau von Elektroautos Geld“, gibt Daimler-Chef Zetsche zu.

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Kommentare (17)

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G. Nampf

19.12.2014, 10:05 Uhr

"Sie fordern eine Sonderabgabe von einem Cent für jeden Liter verkauften Benzins und Diesel, auf drei Jahre befristet. (...) Damit wollen die Wissenschaftler Elektroautos gleich dreifach fördern:...."

Meine Prognose dazu:

Dieser "Soli" wird kommen. Mit 10 Cent/Liter. Bis in alle Ewigkeit (wie beim richtigen Soli). Und er wird für künftige Diätenerhöhungen verwendet werden.

Das Schlimmste an unseren Herrschenden ist, daß sie uns Beherrschte für blöde halten.

Herr Fred Meisenkaiser

19.12.2014, 10:17 Uhr

"Das Schlimmste an unseren Herrschenden ist, daß sie uns Beherrschte für blöde halten."

Das Allerschlimmste ist: Sie sind es auch!

Nur Druck von der Straße hilft.

Sehen Sie sich die Reaktionen auf Pegida an. Und warum ist das so? Weil Pegida eben nicht nur im Internet stattfindet!

Herr Michael Müller

19.12.2014, 10:42 Uhr

Immer neue Abgaben, immer neue Steuern, immer neue Solis, immer mehr Bevormundungen,...

Langsam hängt es mir zum Halse heraus wie wir von unseren Politikern bevormundet werden! Langsam kann ich wirklich verstehen, wie aus ganz "normalen" Bürgern Radikale werden! Ich bin kurz davor!!!

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