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05.09.2013

10:16 Uhr

Spezialisten schlagen Alarm

Nachschub an neuen Herzmedikamenten stockt

In der Herzmedizin mangelt es an neuen Arzneientwicklungen. Spezialisten klagen darüber, dass der Kampf gegen die gefährlichen Krankheiten ins Stocken geraten könne – und wollen sich die Krebsmedizin zum Vorbild nehmen.

Spezialisten warnen: Herzkreislauf-Krankheiten sind nach wie vor die Todesursache Nummer eins. dpa

Spezialisten warnen: Herzkreislauf-Krankheiten sind nach wie vor die Todesursache Nummer eins.

AmsterdamHerzspezialisten schlagen Alarm: Die Forschung nach neuen Arzneien gegen Herzleiden gerät im Vergleich mit anderen Krankheiten ins Hintertreffen. Nach Einschätzung von Experten wandern die Ressourcen der Pharmabranche inzwischen stärker in andere Therapiefelder. Kardiologen befürchten deshalb, dass der Kampf gegen gefährliche Herzkrankheiten weltweit ins Stocken geraten könnte. Vor allem die Krebsforschung lockt immer mehr Forschungsgelder an, da Investoren sich dort bessere Renditen versprechen. Manche Kardiologen fordern daher, sich die Krebsmedizin in der Medikamenten-Entwicklung zum Vorbild zu nehmen.

"Es gibt eine klare Bewegung der Forschung und Entwicklung weg von Herzkreislauf-Krankheiten hin zu Krebs und anderen Feldern", klagt etwa Michel Komajda, Herzspezialist am Pitie-Salpetriere Krankenhaus in Paris und ehemaliger Chef der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Wie viele seiner Fachkollegen, die sich zur Zeit in Amsterdam auf dem ESC-Jahreskongress tummeln, ist auch Komajda besorgt. In den vergangenen Jahren hatten der Siegeszug der Cholesterinsenker, neue Arzneien gegen Bluthochdruck und gefährliche Blutgerinnsel die Herzkreislauf-Medizin erheblich vorangebracht. Doch jetzt dünnt der Nachschub an neuen Medikamenten aus.

Ein Blick in die jüngsten Zulassungszahlen aus den USA bestätigt Komajdas Befürchtungen. So gab die US-Gesundheitsbehörde FDA seit Anfang 2012 lediglich grünes Licht für drei neue Herzmedikamente - im gleichen Zeitraum machte sie 17 neuen Krebs-Präparaten den Weg frei. Zum Teil ist die Herzkreislauf-Medizin Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Zusammen mit einer besserer Vorsorge und breit angelegten Gesundheitskampagnen - etwa gegen das Rauchen und Übergewicht - sorgten neue Arzneien dafür, dass sich in Europa die Todesrate in den vergangenen 30 Jahren bei Herzkreislauf-Krankheiten halbierte. Das Risiko, nach einem Herzinfarkt innerhalb von 30 Tagen zu sterben, liegt inzwischen um mehr als die Hälfte niedriger als noch vor 20 Jahren.

Trotz aller Fortschritte bleiben aber Herzkreislauf-Krankheiten weltweit nach wie vor die Todesursache Nummer Eins. Ärzte warnen deshalb vor einem rapiden Anstieg der Herzkrankheiten in zwanzig, dreißig Jahren, wenn jetzt die Forschungsanstrengungen abnehmen. "Das ist ein großes Problem", sagt Patrick O'Gara vom Brigham and Women's Hospital in Boston. "Wir müssen den Brennstoff nachfüllen, der den Motor antreibt." Doch gerade in der Herzmedizin ist die Entwicklung neuer Medikamente ein mühsames Unterfangen. Die Entwicklung neuer Herzmedikamente gilt nicht nur als sehr risikoreich sondern auch als sehr kostspielig - große klinische Studien mit neuen Wirkstoffen verschlingen häufig hunderte Millionen Dollar.

Kommentare (1)

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Hiep

05.09.2013, 17:11 Uhr

Ich bin seid 45 Jahren Krankenpflege und und habe noch nie eine Heilung mit Krebsmedikamenten erlebt.Im Gegenteil tritt eine kurzzeitige Verschlechterung des Allgemeinzustandes auf,das Immunsysthem wird kaputt gemacht was zur Folge hat das sich Makrometastasen ungehemmt ausbreiten können.So wird nur eine Verlängerung des Sterbens erreich.
Ausnahmen Leukämie.

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