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02.04.2014

06:00 Uhr

Stephan Jansen

Management-Innovationen anno 1898

Stephan Jansen ist einer der Gründer der privaten Zeppelin-Universität Friedrichshafen am Bodensee. Der einst jüngste deutsche Universitätspräsident mag Visionen mit Bodenhaftung und eigenwillige Lehrmethoden.

Zeppelin Universität Friedrichshafen: Prof. Dr. Stephan Jansen ist Mitbegründer der Einrichtung. Zeppelin Universität/ Ilja Mess

Zeppelin Universität Friedrichshafen: Prof. Dr. Stephan Jansen ist Mitbegründer der Einrichtung.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Technologisch: Vermutlich die Elektrifizierung – für das Wachstum.
Politisch: Vermutlich komplexe institutionelle Designs internationaler Beziehungen – für den Frieden.
Sozial: Vermutlich die soziale Innovation der Schaffung von „Öffentlichen Gütern“ wie öffentlich finanzierte Schulbildung (nicht jedoch die staatliche Universität) oder die Notfallstationen in öffentlichen Krankenhäusern.
Aber das zeigt auch, dass die nächsten Innovationen dringlichst notwendig sind. Das Internet wird überschätzt, der Frieden auch und die Idee der Bereitstellung von Öffentlichen Gütern und deren Finanzierbarkeiten auch.

Wer ist für die der größte Visionär?
Da bin ich befangen: Hier muss Ferdinand Graf von Zeppelin genannt werden, der ja vordergründig das Luftschiff tatsächlich ab und an zum Fliegen brachte. Aber er innovierte auch noch Management-Methoden, startend im Jahr des Beginns der deutschen BWL 1898. Und beeindruckend sind ja Visionäre dann, wenn die Vision Bodenhaftung erfährt: Graf Zeppelin hat während der Abstürze gleich noch ganze Industrien miterfunden, wie die Flugzeugindustrie und die Automobilzuliefererindustrie.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Beim Radfahren, allerdings erst nach gut 80 Kilometern. Es braucht eine gewissen physische Mobilität bevor die geistige Beweglichkeit gelockert neu denken kann. Ab 150 Kilometer treibt dann allerdings häufig eher die Idee des Ankommens.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Im Gegensatz zu Helmut Schmidt definitiv: Ja, zur Vorsorgeuntersuchung! Aber aus rein gesundheitlichen und gesundheitssystemischen Gründen, da wahre Visionäre sich meist selbst vergessen. Und wir wissen aus der Entwicklungspsychologie: Verhaltensauffällige, heute auch gern ADHS genannt, in der Jugend haben später herausragende kreative Biographien in den innovativen Künsten und Unternehmensgründungen.

Was macht die Arbeit an der Universität für Sie aus?
Freiheit von Gesellschaft und Verantwortung für Gesellschaft. Gelingende Universitäten erkennt man an der Bereitstellung unbestellbarer Forschung und an der Ermöglichung eigenwilliger Lehre. Beides inspiriert die Gesellschaft überraschend. Und darum muss es im Paradigma des Controllings, der Compliance und Contenance auch noch gehen dürfen.

Von

jam

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