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08.10.2013

18:44 Uhr

Sterblichkeitsrate bei Älteren

Wachsender Wohlstand verkürzt das Leben

In wirtschaftlichen Boom-Zeiten nimmt auch die Sterblichkeitsrate bei älteren Menschen zu, wie Forscher nun in einer neuen Studie herausfanden. Die Wissenschaftler selbst waren von dem Ergebnis überrascht.

Senioren auf einer Parkbank: Wenn das Bruttoinlandsprodukt steigt, wächst auch die Sterblichkeitsrate. dapd

Senioren auf einer Parkbank: Wenn das Bruttoinlandsprodukt steigt, wächst auch die Sterblichkeitsrate.

ParisSteigt mit wachsendem Wohlstand auch die Lebenserwartung? Eine neue Studie stellt diese weit verbreitete Ansicht jetzt in Frage. Laut der am Dienstag im Fachblatt "Journal of Epidemiology and Community Health" veröffentlichten Untersuchung steigt die Sterblichkeitsrate bei Älteren in Industrienationen bei anziehendem Wirtschaftswachstum. Die Forscher selbst waren überrascht: Die Ergebnisse ihrer Forschung seien "höchst unerwartet", sagte Herbert Rolden von der Akademie für Vitalität und Altern im niederländischen Leyden.

Langfristig betrachtet geht zunehmender Wohlstand mit einer Abnahme der Sterblichkeit quer durch alle Altersgruppen einher. Anders sieht es aus, wenn kurzfristige wirtschaftliche Veränderungen unter die Lupe genommen werden. Für ihre Studie untersuchten die Forscher Statistiken zu Sterblichkeit und Wirtschaftswachstum zwischen 1950 und 2008 in 19 Industriestaaten - den USA, Australien, Japan, Neuseeland und mehreren europäischen Ländern.

Das Ergebnis: Mit jeder Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um einen Prozentpunkt nahm die Sterblichkeit bei 70 bis 74 Jahre alten Männern um 0,36 Prozent zu. Bei gleichaltrigen Frauen betrug die Zunahme 0,18 Prozent. Bei 40- bis 45-Jährigen betrug der Zuwachs bei Männern 0,38 Prozent und bei Frauen 0,16 Prozent.

Das Ergebnis lässt sich den Forschern zufolge auch auf die derzeitige Wirtschaftskrise anwenden. "Weil viele Industriestaaten sich derzeit in einer Rezession befinden, könnte man glauben, dass dies sich negativ auf das Überleben im hohen Alter auswirkt", heißt es in der Studie. "Tatsächlich aber wurde herausgefunden, dass ein jährlicher Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit oder eine Abnahme des Bruttoinlandsprodukts mit niedrigeren Sterberaten einhergehen."

Bei jüngeren Menschen werden für höhere Sterberaten in Zeiten des Wirtschaftswachstums Stress am Arbeitsplatz und eine höhere Zahl von Verkehrstoten infolge der vielen Menschen verantwortlich gemacht, die zur Arbeit fahren. Bei älteren Menschen dürfte dieses Argument aber nicht ziehen, weil diese in der Regel im Ruhestand seien, sagte Rolden. "Wir tappen noch im Dunkeln."

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Ein möglicher Grund für die höhere Sterblichkeit bei Älteren in wirtschaftlichen Boom-Zeiten könnte sein, dass junge Menschen und Freunde dann weniger Zeit haben, sich um Ältere zu kümmern. Auch eine wachsende Luftverschmutzung, die in der Regel mit einer Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität einhergeht, könnte verantwortlich sein.

Von

afp

Kommentare (3)

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Rechner

08.10.2013, 19:35 Uhr

O-Ton Forscher
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Bei jüngeren Menschen werden für höhere Sterberaten in Zeiten des Wirtschaftswachstums Stress am Arbeitsplatz und eine höhere Zahl von Verkehrstoten infolge der vielen Menschen verantwortlich gemacht, die zur Arbeit fahren. Bei älteren Menschen dürfte dieses Argument aber nicht ziehen, weil diese in der Regel im Ruhestand seien, sagte Rolden. "Wir tappen noch im Dunkeln."
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Dabei ist die Lösung so einfach.

Schließlich leben auch die meisten älteren Menschen nicht in einem sozialen Vakuum.

Die mit einer überdurchschnittlichen Zunahme des Bruttosozialprodukts verbundene Zunahme von Gier und Hast, die ausgefahrenen Ellenbogen und die panische Angst von Kreti und Pleti, sie könnten bei irgendetwas zu kurz kommen, können das Lebensgefühl einer Gesellschaft auf Jahre hinaus vergiften.

Diese Beobachtung mache ich schon seit vielen Jahren: in Zeiten irgendeines "Booms" geben viele Zeitgenossen die Menschlichkeit an der Garderobe ab.

Erst, wenn für etliche die harte Landung erfolgt ist, beginnt die Rückbesinnung auf die Dinge die wirklich zählen im Leben.

Account gelöscht!

08.10.2013, 19:54 Uhr

Leider wird in allen Medien nicht darüber berichtet wer diese Studie von Herbert Rolden (Universität Leiden) von der Leyden Akademie für Vitalität und Altern im niederländischen Leiden, finanziert bzw. in Auftrag gegeben hat.
Solche Studien werden gerne von der Bertelsmann Stiftung finanziert um der europäischen/deutschen Politik pseudowissenschaftliche Argumentationshilfen für ihre asozialen Vorhaben an die Hand zu geben. Massenhafte Verelendung könnte also zur Steigerung des Lebensalters beitragen, das ist wohl der geistig-politische Extrakt dieser Studie, oder verstehe ich da etwas Miss?!

Account gelöscht!

09.10.2013, 10:39 Uhr

"Die mit einer überdurchschnittlichen Zunahme des Bruttosozialprodukts verbundene Zunahme von Gier und Hast, die ausgefahrenen Ellenbogen und die panische Angst von Kreti und Pleti, sie könnten bei irgendetwas zu kurz kommen, können das Lebensgefühl einer Gesellschaft auf Jahre hinaus vergiften."

So siehts aus. Wenn die Kinder in die Großstadt abwandern um Kohle zu machen, warum sollen die Eltern und Großeltern dann länger leben wollen? Sie "stören" dann nur, vor allem wenn sie dann noch in ein Altenheim auf die grüne Wiese verfrachtet werden. Kinder gibt es immer weniger, man kann sie sich nicht "leisten", für die wenigen gibts dann Kitas, da brauchts auch keine Oma mehr.
Geld zerstört soziale Zusammenhänge, Freundschaften und Lebensbezüge wenn es zum Selbstzweck wird.
Inzwischen ist der Tod auch nur noch ein Geschäft, man glaubt ja weil man mit 60 noch Antifaltencreme und Vitaminpillen nimmt, lebt man ewig, auch wenn man dann alleine in seiner Hütte stirbt und es wird erst nach Wochen bemerkt.
Und das passiert öfter als man im Mainstream liest. Da sind erweiterte Suizide schon spektakulärer.

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