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12.07.2013

15:48 Uhr

Stiftungsstudie

Antibiotikaresistente Keime in gesunden Hähnchen

Antibiotikaresistente Keime können dazu führen, dass Medikamente nicht wirken. Nun haben Forscher die Bakterien in gesunden Masthähnchen gefunden.

Hähnchen am Grillspieß: Forscher entdeckten bei vielen Tieren antibiotikaresistente Keime. dpa

Hähnchen am Grillspieß: Forscher entdeckten bei vielen Tieren antibiotikaresistente Keime.

HannoverWissenschaftler der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover haben bei zahlreichen gesunden Schlachthähnchen antibiotikaresistente Keime nachgewiesen. Sie untersuchten 120 Proben von geschlachteten Tieren aus vier verschiedenen Herden - bei fast 90 Prozent davon entdeckten sie resistente Bakterien.

Die Untersuchung ist zwar nicht repräsentativ. Nach Einschätzung des Studienleiters Prof. Günter Klein ist sie jedoch „sicherlich ein Hinweis, dass es nicht so selten vorkommt“. Wenn Menschen Fleisch mit antibiotikaresistenten Keimen essen, kann es unter Umständen vorkommen, dass eine Arznei nicht mehr wirkt.

Woher die resistenten Keime kommen, wurde in der Studie nicht untersucht. „Sicherlich ist Antibiotikaeinsatz eine theoretische Möglichkeit“, erklärte Klein. Die Resistenzen könnten aber auch auf die Umgebung zurückzuführen sein. „Stäube und Insekten kommen zum Beispiel als Überträger theoretisch infrage“, sagte der Wissenschaftler. Die Bakterien an sich kämen in jedem gesunden Hähnchen vor, dann könnten sie Resistenzen aufnehmen.

Die untersuchten Schlachthähnchen stammten aus konventionellen Betrieben. Es gab für sie eine „Schlachterlaubnis ohne Auflagen“, das heißt, sie galten als gesund. Ob sie im Laufe ihres Lebens mit Antibiotika behandelt wurden, ist unklar. Jüngst hatten Wissenschaftler aus Hannover herausgefunden, dass ein Masthähnchen in Deutschland im Schnitt an 10 seiner 39 Lebenstage Antibiotika erhält.

Ein Großteil der resistenten Bakterien wird Klein zufolge bei der Schlachtung entfernt. Wichtig sei eine gute „Schlachthygiene“. Es müsse sichergestellt sein, dass die Keime nicht verbreitet werden. Für gesunde Menschen seien die resistenten Bakterien kein Problem, bei Schwerkranken könnten sie aber dazu führen, dass Antibiotika nicht mehr wirken.

Wer in der Küche auf eine gute Hygiene achtet und Fleisch ausreichend erhitzt, hat Klein zufolge aber nichts zu befürchten. Dann würden die Bakterien abgetötet. Die Studie soll dazu beitragen, antibiotikaresistente Keime zu bekämpfen.

Der Bundesrat hatte am vergangenen Freitag strengere Regeln zum Antibiotika-Einsatz in der Tiermast gebilligt. Damit bekommen die Überwachungsbehörden der Länder ab 2014 mehr Kontrollbefugnisse. Dies soll dazu dienen, dass ein geringerer Antibiotika-Einsatz angeordnet wird.

Von

dpa

Kommentare (2)

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anonym

12.07.2013, 18:44 Uhr

Während meines Medizinstudiums 1982-88 haben uns die Professoren in der Pharmakologie mehrfach darüber belehrt, daß für den Menschen zugelassene Antibiotika nicht für Tiere verwendet werden sollten (dürfen?), da mit einer für die Humanmedizin problematischen Resistenzentwicklung zu rechnen sei. Offenbar hat das weder in der Veterinärmedizin noch in der Tierzucht Beachtung gefunden.

Account gelöscht!

13.07.2013, 13:38 Uhr

Warum brauchen diese Tiere überhaupt Antibiotika in diesen Mengen? Weil wir uns billig aus der Massentierhaltung satt "fressen" wollen.
Billig kostet eben immer mindestens zweimal.
Damit wir das Zeugs nicht alles selber futtern müssen, exportieren wie es auch noch, damit ja keiner abtrünnig wird und noch mehr Antibiotika und Medikamente gebraucht werden.

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