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25.04.2014

11:24 Uhr

Stressfaktor Lärm

Stille ist ein Luxusgut

Flugzeuge, Autos, Menschenmassen: Lärm ist allgegenwärtig. Bei Kindern mindert er die Konzentrationsfähigkeit, bei Erwachsenen steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. Die Stille wird zum teuren Gut.

Schon weit unter einem Schalldruckpegel von 85 Dezibel kann Lärm krank machen - selbst dann, wenn er gar nicht als störend wahrgenommen wird. dpa

Schon weit unter einem Schalldruckpegel von 85 Dezibel kann Lärm krank machen - selbst dann, wenn er gar nicht als störend wahrgenommen wird.

BerlinEinen Moment absoluter Stille haben etliche Menschen seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Anders als die Abgase wird der Lärm des Verkehrs vielfach nicht als gefährlich angesehen - obwohl er der Gesundheit ebenfalls massiv schaden kann. „Auch wenn das so mancher meint: An Lärm kann man sich nicht gewöhnen“, betont Prof. Stefan Kääb, Leitender Oberarzt am Klinikum der Universität München. Bei Erwachsenen werde vor allem das Herz-Kreislauf-System, bei Kindern die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflusst. Der Tag gegen Lärm am 30. April soll Bevölkerung und Entscheider stärker für das Problem sensibilisieren.

Zwar seien sowohl Autos als auch Flugzeuge in den vergangenen Jahren leiser geworden, sagt Prof. Rainer Guski, Umweltpsychologe an der Ruhr-Universität Bochum. „Das Aufkommen aber ist deutlich gewachsen.“ Das subjektive Empfinden von Menschen, dass ihre Umgebung lauter geworden sei, gehe oft auf dieses Mehr an Fahr- oder Flugzeugen zurück. „Es gibt weniger Pausen zwischen den Spitzen.“

Eine Umfrage des Umweltbundesamtes (UBA) ergab 2012, dass sich gut die Hälfte der Bevölkerung im Wohnumfeld vom Lärm des Straßenverkehrs gestört oder belästigt fühlt. Beim Schienenverkehr war es fast jeder Dritte, beim Fluglärm etwas mehr als ein Fünftel. Rund fünf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind dem Helmholtz Zentrum München zufolge am Arbeitsplatz gehörgefährdendem Lärm ausgesetzt. Zunehmend mehr Hörschäden gibt es zudem bei Jugendlichen, Hauptursache ist hier das laute Hören von Musik und anderer Freizeitlärm.

Schon weit unter einem Schalldruckpegel von 85 Dezibel kann Lärm krank machen - selbst dann, wenn er gar nicht als störend wahrgenommen wird. „Lärm ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt der Kardiologe Kääb. Der Krach löst Stressreaktionen aus, Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden verstärkt gebildet, was wiederum den Blutdruck steigen lässt, die Herzfrequenz beschleunigt und die Blutgerinnung aktiviert. Schätzungen zufolge sind allein etwa 4000 Herzinfarkte jährlich in Deutschland auf Straßenverkehrslärm zurückzuführen.

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