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07.05.2014

15:01 Uhr

Strom zu Gas

Neue Speichertechnologie im Praxistest

Für die Energiewende muss der unregelmäßig anfallende Öko-Strom gespeichert werden. Eine Möglichkeit dazu ist die energieintensive Produktion von Wasserstoff. In Frankfurt ist eine erste Anlage ans Netz gegangen.

Ein Protonen-Austausch-Membran (PEM)-Elektrolyseur: Das Kernstück der neuen Strom-zu-Gas-Demonstrationsanlage, die Öko-Strom in Wasserstoff verwandelt. dpa

Ein Protonen-Austausch-Membran (PEM)-Elektrolyseur: Das Kernstück der neuen Strom-zu-Gas-Demonstrationsanlage, die Öko-Strom in Wasserstoff verwandelt.

FrankfurtÖkostrom im lokalen Erdgasnetz zu speichern ist die Idee hinter einer innovativen Energieanlage, die in Frankfurt offiziell in Betrieb genommen worden ist. Die Wirtschaftsminister von Hessen und Rheinland-Pfalz, Tarek Al-Wazir und Eveline Lemke (beide Grüne), setzten am Mittwoch die bundesweit erste Demonstrationsanlage in Gang, bei der das lokale Gasnetz als Energie-Speicher genutzt wird. Die Investition von rund 1,5 Millionen Euro haben 13 meist kommunale Unternehmen aus der Thüga-Gruppe erbracht, darunter der Frankfurter Versorger Mainova.

Der unregelmäßig anfallende Ökostrom aus Sonne und Wind wird in der Anlage eingesetzt, um Wasser per Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. Dabei gehen rund 30 Prozent der im Strom enthaltenen Energie verloren. Der Wasserstoff kann dann in geringer Konzentration in das lokale Erdgasnetz eingespeist und etwa bei einer späteren Stromgewinnung mitverbrannt werden oder Gasautos mit antreiben. Die rund 1,5 Millionen Euro teure Anlage kann in der Stunde rund 60 Kubikmeter Wasserstoff erzeugen.

In den kommenden drei Jahren soll die Frankfurter Anlage am Regelenergiemarkt teilnehmen, kündigten die Betreiber an. Sie werde in Hochproduktionsphasen den überschüssigen Öko-Strom aufnehmen, ihn zur Speicherung in Wasserstoff umwandeln und damit das Netz stabilisieren. „Anstatt Windräder oder Photovoltaikanlagen abzustellen, sorgen wir dafür, dass die vorhandene Energie gespeichert wird“, erklärte Mainova-Chef Constantin Alsheimer.

Was ist die größte Baustelle bei der Energiewende?

Wichtigster Kritikpunkt an der Technologie ist der hohe Energieaufwand beim Wandelprozess und die damit verbundenen hohen Kosten. Auch kann Strom effizienter zum Heizen eingesetzt werden als zur Produktion des Gases. Eine Wirtschaftlichkeit der Strom-zu-Gas-Technologie bestehe derzeit nicht, stellt die Deutsche Energie-Agentur in einem Thesenpapier fest. Sie empfiehlt aber gleichzeitig den Betrieb von Demonstrationsanlagen, um Betriebserfahrungen im realen System zu sammeln.

Eine Erweiterung der Anlage, die derzeit 60 Kubikmeter Wasserstoff in der Stunde erzeugen kann, sei für 2016 angedacht, teilte Mainova mit. Dann soll in einem weiteren Prozessschritt der Wasserstoff mit Kohlendioxid zum Gas Methan gewandelt werden. Dieses könnte unbeschränkt gespeichert und dem Erdgas beigemischt werden. Es sei davon auszugehen, dass das deutsche Gasverteilnetz die überschüssige Windstromproduktion von 30 Tagen aufnehmen könnte, hieß es. Die Kapazität der deutschen Pumpspeicherkraftwerke sei hingegen bereits nach sechs Stunden erschöpft.

Von

dpa

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 15:34 Uhr

Unwirtschaftlich und deshalb nicht realisierbar.
Diese "Öko-Traumtänzer" Investition ist weder ihr Geld wert, noch wir sie jemals die Investionskosten einspielen können. Dazu ist die Auslastung zu gering und der Umwandlungverlust von Wind zu Wasserstoff und von Wasserstoff zu Strom. Dadurch entsteht ein Umwandlungsverlust von 75%.

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07.05.2014, 15:51 Uhr

Ist aber nicht die erste derartige Anlage in Deutschland. Aufgrund des Entwicklungsstandes der Technik sind noch enorme Effektivitätssteigerungen zu erwarten.
Nur die Politik kann im Auftrag der Energiekonzerne diese Technologie stoppen - ansonsten ist sie sehr zukunftsweisend..

Account gelöscht!

07.05.2014, 16:35 Uhr

1,5 Mio Euro für eine funktionierende Pilotanlage ist sehr wenig Geld. Das bezahlen große Verbraucher für Gas innerhalb von wenigen Wochen - dann ist das Geld aber weg. Die Pilotanlage arbeitet danach immer noch. So ist es auch mit Windgeneratoren und Photovoltaik nachdem sie bezahlt sind, produzieren sie unaufhörlich weiter ohne Kosten für Gas, Öl oder radioaktive Spaltstoffe. Power to Gas Anlagen sind jedoch Teil der Strategien der großen Energieversorger. Einfacher ist es den Stromüberschuss bzw. den Abbau von Stromspitzen dezentral bei vielen Verbrauchern ohne weiter notwendigen Netzausbau vorzunehmen z.B. mittels Wärmepumpen die Stromüberschuss in Wärme speichern direkt am Ort des Verbrauches ohne weiteren Verluste.

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