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27.08.2013

11:55 Uhr

Stromgewinnung

Windkraft auf hoher See soll billiger werden

VonKlaus Stratmann, Georg Weishaupt

Kritiker werfen Windrädern auf hoher See vor, zu teuer zu sein. Nach der Bundestagswahl könnte die Offshore-Technik daher einen Rückschlag erleiden. Die Branche wehrt sich gegen die Vorwürfe und geht in die Offensive.

Windpark im Meer: Im Verdacht, teuer zu sein. ap

Windpark im Meer: Im Verdacht, teuer zu sein.

Berlin/DüsseldorfFür seine Branche rechnet Jens Eckhoff mit dem Schlimmsten. Der Präsident der Stiftung Offshore-Windenergie befürchtet, dass die Windkraftnutzung auf hoher See nach den Bundestagswahlen einen Rückschlag erleidet, wenn die Politik die Weichen nicht richtig stellt. Das Problem: Die Stromgewinnung in Nord- und Ostsee steht in dem Verdacht, zu teuer zu sein. Eckhoff geht daher in die Offensive: Kürzlich präsentierte er eine Studie, die der Branche bis 2023 Kostensenkungspotenziale von bis zu 39 Prozent attestiert. Diese Zahlen sollen die Offshore-Windkraft attraktiv erscheinen lassen.

Ob das ausreicht, um die nächste Regierungskoalition gnädig zu stimmen? "Wir sind gespannt, wie es nach der Bundestagswahl weitergeht", sagt Eckhoff. Er wünscht sich eine "zweite Welle von Investitionen". Dazu müsste die in der nächsten Legislaturperiode anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für die Windkraftnutzung auf hoher See positiv ausfallen und langfristige Perspektiven für die Technik aufzeigen.

Die Offshore-Kritiker sehen das anders. "Die Förderung der erneuerbaren Energien muss sich auf die günstigsten Technologien beschränken. Solarenergie und Windenergie an Land haben einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Offshore-Windanlagen vor der Küste", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbrauchzentralen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der Think-Tank "Agora Energiewende", der sich dafür ausspricht, den Ausbau der Windkraft auf hoher See zumindest zu verlangsamen.

Nach den Vorstellungen der Bundesregierung sollen bis 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW) installiert sein, 2030 sollen es bereits 25.000 MW sein. 25.000 MW entsprechen der Leistung von 25 großen Kohlekraftwerken. Doch das Ziel liegt in weiter Ferne und wird auch innerhalb der Branche für kaum erreichbar gehalten. Im Moment sind erst wenige hundert MW installiert.

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Für den schleppenden Ausbau gibt es verschiedene Ursachen. So sind die Bedingungen in Deutschland schwierig. Die Windparks liegen aus Gründen des Umweltschutzes bis zu 80 Kilometer von der Küste entfernt. Dort beträgt die Wassertiefe oft 40 Meter und mehr. Das macht die Gründungsarbeiten und die Errichtung aufwendig und teuer. Auch die Netzanbindung wird mit jedem Meter Entfernung von der Küste kostenträchtiger. Obendrein hat der für die Netzanbindung zuständige Netzbetreiber Tennet Probleme, mit den Anschlussarbeiten nachzukommen. So liefert etwa der kürzlich fertiggestellte Windpark Riffgat des Oldenburger Unternehmens EWE keinen Strom, weil noch 15 Kilometer Kabel fehlen. EWE und Tennet streiten, wer dafür die Verantwortung trägt.

Kommentare (6)

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HofmannM

27.08.2013, 12:21 Uhr

Die EEG-Zwangssubvention sollen also weiter gezahlt werden. Für die Windkraft auf See bedeutet dies einen kwh Preis von 0,19ct von mir als Stromendkunden abzuzocken!
Der Arbeitspreis einer kwh aus dem Kraftwerkmixpark von Kohle,Gas und Uran beträgt momentan 6ct kwh!
Somit muss ich für einen Windmühlenstorm mehr als das 3-fach an Zwangszahlung per EEG (Ereuerbaren Energie Gesetz) abdrücken. Das ist asoziale Abzocke von perfider Art und Weise!
Die Windmühlen auf See werden NIE wirtschaftlich werden! Die Instanhaltungs- und Wartungskosten sind viel zu hoch in der salzhaltigen Sturmwelt von Nord- und Ostsee und allen anderen Meere auf dieser Welt!
Nicht nur die Laune der Natur (Wind weht mal mehr mal gar nicht) machen diese Stromerzeugung unwirtschaftlich, sondern auch die hohen (noch anstehenden) Instandhaltungsarbeiten und Wartungsmaßnahmen!
Das wirtschaftlichste und wohlstandsschaffendste Energieerzeugungssystem für die Deutsche Industrie/Wirtschaft ist ein Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und Uran! Und unser Wohlstand und unser Sozialsystem basieren auf dieser wirtschaftlichen, zuverlässigen und bezahlbaren Stromerzeugungsart eines Kraftwerkmixpark! DAS IST FAKT!
Schafft endlich diese asoziale und perfide EEG ab! Danke!

Account gelöscht!

27.08.2013, 12:41 Uhr

Man kann wieder wählen! Jetzt endlich hat der AfD-Vorsitzende Lucke in einem Interview klar zum EEG Stellung genommen. Siehe:

http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/afd-chef-bernd-lucke-will-eeg-vorrangeinspeisung-beenden-und-bezeichnet-starken-einfluss-des-kohlendioxids-auf-das-klima-als-strittig/

Lucke fordert, dass keine neuen Anlagen eine Subventionierungszusage erhalten. Er will zudem die bestehenden Garantiepreissubventionen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten (Bestandsschutz) einfrieren.

Wenn das Gesetz würde, würde der Wahnsinn der Wind- und Solarstromanlagen, was Neubauten betrifft, von heute auf morgen beendet. Denn kein vernünftiger Mensch würde noch Geld in eine extrem teure und zudem vollkommen unzuverlässige Stromversorgung stecken, die am Markt, von Nischen abgesehen wie z.B. Stromversorgung für das Funkgerät auf einer Segeljacht, niemals eine Chance haben wird.

Alle, die nicht immer weiter durch das EEG abgezockt werden wollen, und alle, die nicht weiter zusehen wollen, wie stromintensive Arbeitsplätze in Deutschland immer weiter verschwinden, bzw. alle, die Deutschland vor dem Rückfall ins Mittelalter bewahren wollen, sollten AfD wählen. Endlich gibt es eine Alternative.

Joerg_Duerre

27.08.2013, 13:49 Uhr

Leugner des Klimawandels gibt es wohl in jeder Partei. Vor dem Hintergrund der aktuellen Syrienkrise solle der Aspekt Versorgungssicherheit und die "Nebenkosten" der Sicherung z.B. der dortig vermuteten 50 Millionen Tonnen Öl in Betracht gezogen werden. Quelle www.eia.gov
Selbst wenn dieses Öl nicht erobert wird, dann stellt die Kontrolle des jeweiligen Besitzers dieser Energie (von der Deutschland derzeit zu 97% abhängig ist) eine extrem große Macht da, die vernünftigerweise zu vermeiden ist. Die billigste Lösung dazu dürften heimische, erneuerbare Energien sein.
Und nein, Atomkraft mit Uran aus Mali oder dem Kongo ist nicht besser.

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