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08.05.2014

10:37 Uhr

Stromkosten für Industrie

Der schöne Schein

VonKlaus Stratmann

Die Rabatte für die stromintensiven Branchen sind gerettet, ihre Probleme damit aber noch lange nicht vom Tisch – und die sind gravierend. Die Strompreise in Deutschland sind so hoch, dass sie Investoren abschrecken.

Keine Entspannung in Sicht: Zwar sind die Entlastungsregeln für die Industrie gerettet, die Probleme sind damit aber nicht gelöst. dpa

Keine Entspannung in Sicht: Zwar sind die Entlastungsregeln für die Industrie gerettet, die Probleme sind damit aber nicht gelöst.

DüsseldorfWenn selbst die energieintensiven Branchen beteuern, die neuen Entlastungsregelungen für Industriestrompreise führten zu „gerade noch verkraftbaren Kosten“, dann mag sich der interessierte Beobachter entspannt zurücklehnen und denken: „Die Kuh ist vom Eis, die deutsche Industrie wird an der Höhe der Strompreise auch in Zukunft nicht zugrunde gehen.“ Doch diese Betrachtung greift zu kurz. Denn die grundsätzlichen Probleme sind nicht aus der Welt. Und sie sind gravierend.

Tatsächlich hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen erfolgreichen Abwehrkampf hingelegt. Es ist ihm gelungen, mehr für die deutsche Industrie herauszuholen als noch vor wenigen Monaten befürchtet. Er selbst hatte deutlich gemacht, man werde das Entlastungsvolumen der Industrie bei der Besonderen Ausgleichsregelung von derzeit gut fünf Milliarden Euro pro Jahr wohl um eine Milliarde Euro kürzen müssen, um den Forderungen der EU-Kommission gerecht zu werden.

Klaus Stratmann: Der Kommentator ist stellvertretender Leiter im Handelsblatt-Büro Berlin. Pablo Castagnola

Klaus Stratmann: Der Kommentator ist stellvertretender Leiter im Handelsblatt-Büro Berlin.

Nun sieht alles danach aus, als würde die am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Neufassung der Ausgleichsregelung den Unternehmen auch künftig eine Entlastung von fünf Milliarden Euro garantieren. Nur die Verteilung der Entlastung auf die einzelnen Unternehmen wird sich ändern.

Alles gut also? Mitnichten. Die Lösung ist allenfalls geeignet, den Bestand zu sichern: Wer in Deutschland bereits in Anlagen investiert hat, deren Betrieb einen hohen Stromeinsatz erfordert, der kann wahrscheinlich weitermachen wie bisher.

Die immer noch kompletten Wertschöpfungsketten, um die Deutschland von anderen EU-Staaten beneidet wird, lassen sich aber langfristig nur erhalten, wenn sich hierzulande auch in Zukunft Unternehmen finden, die etwas Neues aufbauen. Genau das ist aber nicht der Fall.

Wir erleben in Deutschland seit Jahren einen schleichenden Desinvestitionsprozess: In energieintensiven Branchen erreichen die Investitionen schon lange nicht mehr die Höhe der Abschreibungen. Mit anderen Worten: Die Substanz wird langsam, aber sicher aufgezehrt. Relevante Neuinvestitionen finden in anderen Ländern statt, vorzugsweise dort, wo die Energiepreise niedrig sind, etwa in den USA. Wer sich dagegen mit der Idee nach vorne wagen würde, in Deutschland heute ein Chemiewerk oder eine Aluhütte zu bauen, würde belächelt.

Die Neuregelung der Besonderen Ausgleichsregelung hat in der Industrie ein Aufatmen ausgelöst. Eine echte Wende zum Besseren stellt sie aber nicht dar. Es bleibt dabei: Die Stromkosten in Deutschland sind zu hoch, was zu einem erheblichen Teil an der längst ausgeuferten Förderung der erneuerbaren Energien liegt.

Es bleibt unumgänglich, an dieser Stelle einen radikalen Schwenk zu vollziehen. Die Bundesregierung bemüht sich redlich, dies zu erreichen. Dieses Ziel ist aber noch lange nicht in Reichweite.

Kommentare (8)

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08.05.2014, 11:45 Uhr

Der Artikel ist leider sehr oberflächlich und tendenziös geschrieben. Hier wird zum einen von niedrigeren Energiepreisen z. B. in den USA berichtet und zum anderen auf hohe Strompreise in Deutschland. Die USA sind insbesondere wegen ihrer günstigen Gaspreise für energieintensive Betriebe interessant. Und dass die Aluminiumindustrie in Deutschland von den Strompreisen nicht abgeschreckt wird zeigt das Beispiel Norsk Hydro. Hier werden aktuell neue Kapazitäten aufgebaut: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/aluminiumproduzent-norsk-hydro-stockt-produktion-auf/9533826.html
Fakt ist: Die Stromkosten für die energieintensive GROßindustrie sind in den letzten Jahren in Deutschland stark gesunken. Die zeche zahlen die Mittelständler und die privaten Haushalte.

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08.05.2014, 12:01 Uhr

Die Ethik-Energiewende einer Merkel auf Basis eines perfiden und asozialen EEG ist ein Sabotageakt an der deutschen Energie-Industrie- und damit an der Wohlstandsgesellschaft!
Energiewende/EEG = Armut und Mangel für die deutsche Gesellschaft!

Auch Siemens investiert lieber im Ausland als in Deutschland. Darum verlagert Siemens seine Energietechnik Zentrale auch in die USA. Fracking und die Kernkraft finden hier noch anklang und die Marktwirtschaft ebenso.

Mit dieser Merkel-Diktatur einer grünsozialistischen Ideologie geht die deutsche Gesellschaft langsam aber sicher vor die Hunde!
Die deutschen politischen Rahmenbedingungen sind für wertschöpfende Investoren schon lange nicht mehr attraktiv. Neuinvestitionen finden in Deutschland nicht mehr statt und werden von der deutschen grünsozialistischen Ideologiepolitik komplett verboten.

Kernkraftwerkausstieg, Frackingverbot, Subentionen der Erneuerbaren Energien, Vernichtung des Kraftwerkspark (=Volksvermögen) durch das EEG sind nur einige Beispiele für die Willkür einer Merkel-Energiewende-Diktatur.
Auch Gabriel ist ein Vernichter unserer deutschen Wohlstandsgesellschaft in Form eines Energie- und Wirtschaftsminister.

Mit Merkel und Gabriel schafft sich Deutschland (Wohlstand des Volk) komplett ab!

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08.05.2014, 13:30 Uhr

@laika0231:
Sie bringen da (vorsätzlich) einiges durcheinander. In dem von Ihnen zitierten Artikel erweitert Norsk Hydro ein WALZWERK (keine Alu-Produktion). Dabei entstehen 25 Arbeitsplätze. Das reicht wohl kaum, um daraus Schlussfolgerungen für die gesamte deutsche Wirtschaft zu ziehen.

Die Großhandelspreise für Strom sind in Deutschland wie in unseren Nachbarländern in der Tat gefallen. Wer also keine EEG-Umlage bezahlen muss, bleibt konkurrenzfähig.

Wer sie bezahlen muss, wandert entweder langfristig ab oder gibt die zusätzlichen Kosten an uns Verbraucher weiter.

Tatsächlich bezahlen also am Ende wir Verbraucher die Zeche. Diese Zeche hat aber nicht die Großindustrie verzapft, sondern die völlig ausufernde Förderung der Erneuerbaren Energien.


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