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30.09.2014

11:10 Uhr

Stromnetzausbau

Erdkabel als Königsweg?

Können Erdkabel die ungeliebten Großmasten beim Stromnetzausbau ersetzen? Was vielen Bürgerinitiativen wie der Stein der Weisen vorkommt, sorgt bei Fachleuten für gemischte Gefühle.

Erdkabel in Raesfeld: An der Baustelle kommen Zweifel auf. dpa

Erdkabel in Raesfeld: An der Baustelle kommen Zweifel auf.

Massenhaft neue 70-Meter-Strommasten für die Energiewende - das erzürnt viele Anwohner. In Bürgerversammlungen zu Netzausbauprojekten werden deshalb immer häufiger Erdkabel statt Überlandleitungen verlangt. Sie sind zwar deutlich teurer, sollen aber die Angst vor Elektro-Smog nehmen und die freie Sicht auf Wald und Felder sichern. Auch die Bundesnetzagentur als oberste Regulierungsbehörde hofft so auf mehr Akzeptanz bei den Bürgern.

Dabei sind Erdkabel in der Großanwendung technologisch noch Neuland, wie sich an Deutschlands erster Höchstspannungs-Erdkabel-Baustelle des Netzbetreibers Amprion in Raesfeld am Niederrhein beobachten lässt.

„Das Kabel löst nicht alle Probleme“, sagt der technische Geschäftsführer von Amprion, Klaus Kleinekorte, im Baucontainer an der Strecke. „Für lokale Planungskonflikte ist das Kabel eine Antwort, aber gewiss nicht der Königsweg für den Netzausbau“, sagt der Leiter für Bau und Betrieb, Ludger Meier.

Raesfeld ist ein kleiner Ort im Münsterland - 11 000 Menschen wohnen insgesamt in der Gemeinde. Auf den Feldern steht im Frühherbst der Mais noch meterhoch. Hier verlegt Amprion 3,4 Kilometer Kabel der höchsten Spannung von 380 Kilovolt in zwölf Rohren zwei Meter tief in den Boden. Durch die Röhren sollen künftig rund 3,5 Gigawatt Windstrom von der Nordsee fließen - Strom für mehr als drei Millionen Menschen.

Die örtliche Bürgerinitiative hat lange für die Verkabelung gekämpft und freut sich, dass der Gemeinde „Stahlkolosse“ für Überlandleitungen erspart bleiben. Geringerer Geländeverbrauch, keine Leitungsgeräusche, kein Wertverlust der Häuser an der Strecke und vor allem keine Kopfschmerzen und Schlafstörungen durch Elektro-Smog, jubelt die „Initiative Pro Erdkabel NRW“.

In der dünn besiedelten Gegend sollte man relativ freie Bahn für das Kabelprojekt erwarten. Doch die wichtigste Bundesstraße der Gemeinde, die B 70, durfte Amprion für die Verlegung nicht aufreißen, damit der Verkehr weiter fließen kann. Deshalb wird die Straße aufwendig unterirdisch gequert - das kostet viel Geld und Zeit. Tief buddeln muss Amprion auch ein Stück weiter, wo die Trasse den Bach Nesse trifft. In dichter besiedelten Gegenden mit mehr Gasleitungen, Straßen, Flüssen und Abwasserkanälen wären die Kosten sicher noch deutlich höher, sagt Kleinekorte. In Raesfeld rechnet Amprion mit rund 30 Millionen Euro für die 3,4 Kilometer - sieben bis acht Mal so viel wie für eine vergleichbare Überlandleitung.

Ein technisches Problem ist die Wärmeentwicklung: Am Kabel selbst sind es 35 Grad, wenn Einzelstränge abgeschaltet werden müssen, kann die Temperatur auf bis zu 50 Grad steigen. Zur Wärmeabfuhr werden die Kabel in Flüssigerde mit Erdaushub und Zementanteil eingebettet. Hier kämpfen die Ingenieure mit den wechselnden Bodenqualitäten im Münsterland.

Die Bauern der Umgebung beobachten die Arbeiten mit Argusaugen, erzählen die Amprion-Leute, denn der Boden ist ihr Kapital. Mit einem wissenschaftlichen Begleitprojekt und zahllosen Temperaturfühlern im Boden lässt der Netzbetreiber überprüfen, ob durch die Wärme womöglich die Ernte leiden könnte, wenn über den Kabelrohren wieder Getreide wächst. Derzeit erwartet Amprion das aber nicht.

Die Ingenieure haben ganz andere Sorgen: Wenn die Erdkabel einmal kaputt gehen sollten, wäre eine Reparatur wesentlich aufwendiger und würde länger dauern als bei Überlandleitungen, die oft schon nach wenigen Stunden wieder zugeschaltet können. Alles in allem rechnet der Netzbetreiber im Bundesschnitt, dass sich nur rund ein Zehntel der geplanten neuen Stromleitungen für Erdkabel eignen, sagt Kleinekorte. „Wir wissen heute noch nicht, ob und wie sehr wir die Zuverlässigkeit des Übertragungsnetzes damit schwächen.“

Deshalb fürchten die Netzbetreiber wachsende Begehrlichkeiten nach den Erdkabeln überall dort, wo Bürgerinitiativen nicht locker lassen und es keine Einigung über Streckenverläufe gibt. „Wenn die Öffentlichkeit deutlich mehr Erdkabel verlangt, muss auch klar sein, dass es dann schwierig wird, die Stabilität des Netzes zu garantieren“, sagt Kleinekorte.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Herr Fred Meisenkaiser

30.09.2014, 11:44 Uhr

Warum denn Strom? Meinethalben ein paar Gleichstrom-Ferntrassen. Aber ansonsten powertogas und die Gasnetze und Speicher nutzen!

Herr Hans Maiser

30.09.2014, 12:40 Uhr

Durch den Bauu der Stromautobahnen wird ein weiterer Kostenfaktor der Energiewende deutlich.
Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass wenn die Stromautobahnen wie geplant gebaut werden die
Netzentgelte um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Im gewerblichen
Bereich wird sogar eine Erhöhung um bis zu 54 Prozent erwartet. Hier
wird der Strompreis vermutlich sogar um 8 Prozent steigen.
Für den Fall, dass die Stromautobahnen unterirdisch verlegt werden so geht die Bundesnetzagentur von Kosten aus die nochmal 7 bis 16 mal höher sind.
Wir reden dann von einer Steigerung den Netzentgelte 112 und 384 Prozent.
Der Strompreis wird somitnochmals zwischen 2 und 23 ct im schlimmsten Fall steigen, wenn es den Anwohnern gelingt die Stromautobahn unter die Erde zu bringen. Darüberhisaus erhöht sich der Warungsaufwand bein einer Erdverkablung, was weitere Preissteigerung nach sich zieht.
JEdenfalls wird es teuer.

Herr Hans Maiser

30.09.2014, 12:55 Uhr

Power to Gas hat einen all over Wirkungsgrad - als Strom zu Gas zu Strom - von 30% bei kontinuierlicher Volllast. Bedeutet, wenn der Eingangsstrom immer in gleicher Stärke da ist.
Bei der Nutzung von fluktuativer Stromquellen -also unserem Zappelstrom - sinkt der Wirkungsgrad auf ca. 18%.
Was bedeutet, dass die kWh Power-to-Gas Strom aus einer WKA ca. 83ct. Kosten wird. Reie Betriebskosten. Plus Steuern versteht sich. Plus Investitionskosten. Plus Afa etc.
Darüber hinaus ist unser Gasnetz überhaupt nicht dafür ausgelegt die Erforderlichen Gasmengen zu transportieren. Zumal es nicht genügend Gaskraftwerke im Süden gibt die noch gebaut werden müssten. Die Kosten dafür wären nochmal deutlich höher.
Jedenfalls sind die Stromautobahnen auch keine gute Lösung.
Durch den Bau der Stromautobahnen wird ein weiterer Kostenfaktor der Energiewende deutlich.
Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass wenn die Stromautobahnen wie geplant gebaut werden die Netzentgelte um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Im gewerblichen
Bereich wird sogar eine Erhöhung um bis zu 54 Prozent erwartet. Hier
wird der Strompreis vermutlich sogar um 8 Prozent steigen.
Für den Fall, dass die Stromautobahnen unterirdisch verlegt werden so geht die Bundesnetzagentur von Kosten aus die nochmal 7 bis 16 mal höher sind.
Wir reden dann von einer Steigerung den Netzentgelte 112 und 384 Prozent.
Der Strompreis wird somit nochmals zwischen 2ct und 23 ct im schlimmsten Fall steigen, wenn es den Anwohnern gelingt die Stromautobahn unter die Erde zu bringen. Darüber hinaus erhöht sich der Wartungsaufwand beim einer Erdverkabelung, was weitere Preissteigerung nach sich zieht.
Teuer wird so oder so.

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