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22.10.2014

10:21 Uhr

Strompreis

Verbraucher könnten erneut mehr bezahlen

VonJürgen Flauger

Die Ökostrom-Umlage bleibt zwar konstant, dafür treiben aber die Netzentgelte die Preise nach oben – diese steigen teilweise mit zweistelligen Raten. Dabei entfällt ein Fünftel der Stromkosten auf den Transport.

Die Netzgebühren, die auf die Verbraucher umgelegt werden, machen rund ein Fünftel des Strompreises aus. dpa

Die Netzgebühren, die auf die Verbraucher umgelegt werden, machen rund ein Fünftel des Strompreises aus.

Vor einer Woche konnten sich die deutschen Stromverbraucher noch über eine gute Nachricht freuen: Erstmals seit 14 Jahren wird die EEG-Umlage, mit der die Stromkunden den Wind- und Solarboom finanzieren, nicht weiter steigen. Der größte Preistreiber der vergangenen Jahre bleibt damit 2015 stabil.

Vermutlich haben sich die Verbraucher aber zu früh gefreut: Nach Informationen des Handelsblatts dürfte dafür ein anderer Kostenfaktor die Strompreise zum Jahresanfang auf breiter Front anheben: Die Entgelte, mit denen sich die Netzbetreiber für den Stromtransport bezahlen lassen, steigen zum Teil im zweistelligen Prozentbereich - und sie machen immerhin rund ein Fünftel der Stromkosten aus.

Für einen repräsentativen Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden werden sich die Netzentgelte im kommenden Jahr im Schnitt auf 212 Euro netto summieren. Das ergab eine Studie des Ökostromanbieters Lichtblick, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Rechnung wird damit 3,5 Prozent beziehungsweise 7,40 Euro höher als in diesem Jahr.

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Lichtblick hat von 33 großen Netzbetreibern die Preistabellen ausgewertet , die diese zum Stichtag 15. Oktober veröffentlichen mussten. 24 von ihnen erhöhen die Netzentgelte, die neben dem Transport je Kilowattstunde einen Grundpreis enthalten, ebenso die Kosten für Messung und Abrechnung. Teilweise müssen sich die Verbraucher auf kräftige Sprünge einstellen. Ein Netzbetreiber in Norddeutschland hebt die Netzentgelte um fast 19 Prozent auf 269 Euro an. Wenn die Stromversorger diese Kosten komplett weiterreichen, würde das die Stromrechnung um fast 43 Euro erhöhen. Ein Netzbetreiber in Brandenburg verlangt rund 27 Euro mehr, ein süddeutsches Unternehmen 25 Euro.

Die Belastung ist regional sehr unterschiedlich. Sie reicht unter den untersuchten Unternehmen von knapp 170 Euro bis 305 Euro. „Im Windschatten der Energiewende drehen die Netz-Monopolisten erneut an der Preisschraube“, schimpft Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz. „Dabei gibt es keine Investitions- und Kostentransparenz für die Verbraucher.“

Lichtblick muss wie Hunderte andere Lieferanten immer höhere Beträge bei den Kunden einsammeln, obwohl dafür andere verantwortlich sind. Mehr als die Hälfte des Strompreises entfällt auf Steuern und Abgaben. Die Netzentgelte machen rund ein Fünftel aus. Nur der Rest unterliegt dem Spiel der Marktkräfte. Etwa ein Fünftel kostet die Beschaffung des Stroms im Großhandel. Vom Rest müssen die Versorger Vertrieb und Marketing bezahlen - und hoffen, dass eine auskömmliche Marge übrig bleibt.

Zwar sind die Strompreise im Großhandel gesunken, das Verbraucherportal Verivox rechnet aber wegen der gestiegenen Netzentgelte zumindest regional mit einem Anstieg der Endkundenpreise. Die Netzbetreiber, die in ihren Gebieten Monopolisten sind, begründen die höheren Entgelte mit Investitionen ins Stromnetz. Insbesondere die Energiewende erfordere neue und bessere Leitungen.

Die Bundesnetzagentur, die die Entgelte kontrolliert, wollte sich am Dienstag auf Anfrage noch nicht zu den geplanten Erhöhungen äußern. Die Behörde sei noch dabei, die gerade veröffentlichten Tarife auszuwerten, sagte ein Sprecher. Das Bild sei sehr heterogen. Nach den Worten von Lichtblick-Chef von Tschischwitz werden den Betreibern zu hohe Renditen garantiert: „Die Politik muss für schärfere Kostenkontrollen sorgen.“

Kommentare (8)

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Herr Fred Meisenkaiser

22.10.2014, 11:27 Uhr

Obwohl die Verbraucher schon seit jahren die Porition "Netzentgeld" auf der Rechnung haben, wurden die dafür eingetrieben Gelder zweckentfremdet als Gewinn ausgeschüttet. Die Netze waren schon vor der Energiewende marode -Man erinnere sich an die 100 Jahre alten Masten, die seinerzeit im Münsterland zusammenbrachen.
Die neue Anforderungen durch die Energiewende sind seit Jahren bekannt - warum wurde nichts getan (es wurde auf hohe Subventionen des Steuerzahlers gewartet, was Dank CDU/FDP auch gelang).
Ferner wirkt sich die Politik der gelben Chaoten in der letzten Regierung aus, sie überhäuften die untätigen Netzbetreiber mit Unsummen von Geldern der Bürger! Man erinnere sich an die 9%-Rendite-Garantie, oder den Ausgleich bei Nichtaschluß von Windparks!

Herr Fred Meisenkaiser

22.10.2014, 11:28 Uhr

Und nun können die Üblichen wieder über Für und Wider der Energiewende sappern, was hiermit primär nichts zu tun hat!

Herr Holger Narrog

22.10.2014, 12:10 Uhr

Das Deutsche Stromnetz wurde für eine tromerzeugung mit modernen Kohlekraftwerken und umweltfreundlichen Kernkraftwerken entworfen. In der Vergangenheit wurde es aufgrund der zahlreichen Ringleitungen im Ausland als vorbildlich empfunden. Gem. der Statistiken hat D mit die geringsten Stromausfälle infolge Netzstörungen.

Eine umweltschädliche Windmühle speist gem. den Launen des Windes zwischen 0 und Nennleistung Strom ins Netz ein. Im Durchschnitt 15,5% der Nennleistung. So erfordern Windmühlen eine 6-fache Überdimensionierung des Netzes. Bei den umweltschädlichen Solaranlagen ergibt sich aufgrund der noch schlechteren Auslastung ein noch trüberes Bild.

Da es im Netz keine X-fachen Überkapazitäten gibt, erfordert eine Umstellung auf ein auf (öko)religiösen Visionen beruhenden Stromerzeugung einen Netzausbaus auf allen Ebenen. Dieser kostet ca. 100 Mrd. € welche natürlich den Verbrauchern belastet wird.

Die gestiegenen Netzkosten sind neben EEG Umlage, Regelenergie und anderen Subventionen (insgesamt 40 Mrd. €/a, Teil der Kosten für eine Stromversorgung gem. (öko)religiöser Visionen.

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