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24.01.2014

16:53 Uhr

Strompreisverfall

Energiewende beutelt Stadtwerke

Der Preisverfall an den Strombörsen trifft auch die Städte hart. Sie haben kaum Ausweichmöglichkeiten, Einnahmeverluste zu kompensieren. Schlussendlich trifft es die Bürger, denn schnelle Lösungen sind nicht in Sicht.

Blick auf die Stadtwerke Bochum: Zahlreiche Kommunen an der Ruhr sind am Energieriesen RWE beteiligt. dpa

Blick auf die Stadtwerke Bochum: Zahlreiche Kommunen an der Ruhr sind am Energieriesen RWE beteiligt.

LünenDas nagelneue Kohlekraftwerk im westfälischen Lünen läuft fast rund um die Uhr – aber heraus kommen für die kommunalen Eigentümer nur Verluste. Für das erste Betriebsjahr erwartet der Chef des Stadtwerkeverbundes Trianel, Sven Becker, ein Minus von rund 100 Millionen Euro. Trianel wird wie die anderen rund 350 deutschen, selbst Energie erzeugenden Stadtwerke von den abgestürzten Preisen an den Strombörsen getroffen – und zwar besonders hart. Anders als die großen Konzerne haben sie deutlich weniger Reserven.

„Spätestens Ende 2015 muss Schluss sein mit den roten Zahlen in der Erzeugung. Sonst kommen viele Stadtwerke in ganz schweres Wasser“, sagt der Chef des Verbandes kommunaler Unternehmen, Ivo Gönner.

Scharfe Sparprogramme und Einstellungsstopps sind bei den Kommunalwerken mit ihren bundesweit rund 140.000 Beschäftigten längst Alltag. Mehrere von ihnen mussten inzwischen zum letzten Mittel greifen und ihre verlustbringenden Kraftwerke bei der Bundesnetzagentur zur Abschaltung anmelden – so etwa im ostwestfälischen Porta Westfalica, in Mainz, Mannheim und Würzburg.

Anders als die Großkonzerne, die Verluste mit Auslandsgeschäften, Kernkrafteinnahmen oder anderen Quellen wenigstens teilweise ausgleichen können, verlieren die Kommunen mit einer solchen Abschaltung aber eine zentrale Einnahmequelle. Deutliche Gewinne in der Energieversorgung, planmäßige Verluste beim Nahverkehr, unter dem Strich eine schwarze Null – so lautete schließlich lange Jahre die Arithmetik der Kommunalparlamente.

Kommentare (3)

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Wagnerjohann

24.01.2014, 17:58 Uhr

Die Energiewende zerstört durch die preislose Einspeicherung des grünen Stroms den Börsenpreis und durch den Betrieb der billigen und schmutzigen Braunkohlekraftwerke das Klima und jetzt auch noch unsere Energieversorger. Fehlt noch, dass die Stadtwerke Bochum, was logisch wäre, aus einer Umlage auf den Strom finanziert werden. Das ist jetzt wirklich die Wiederauferstehung der DDR.

tbet

24.01.2014, 20:08 Uhr

wie wäre es denn mal mit dem abschalten der alten steinkohleblöcke - von den blöcken mit 15gw kumulierter leistung, die in den 50-,60-er und 70-er jahren gebaut wurden, stammen nur einige gw aus braunkohle ...
wenn diese blöcke - und die die akw-blöcke erstmal offline sind - und auch der letzte spd-politiker begriffen hat, dass man altblöcke aus ddr-zeiten nicht durch zusätzliche tagebauten(!) über 2023 hinaus laufen lassen sollte - dann wird man auch zu auskömmlichen preisen für die neueren kohle- und gasblöcke kommen ...

wer nun aber meint, dass dieses problem nicht u.a. durch die stadtwerke selbst verursacht wird, der sollte sich mal die alten klapprigen blöcke ansehen, die einge stadtwerke noch betreiben - siehe kohlekraftwerk in kiel - soll seit 2008/9 eigentlich abgeschaltet sein - läuft noch min bis 2015 - warum ? weil die stadtwerke leider ihre übershüsse an die statd kiel abgeführt haben und nun nicht mal das geld haben um ein kleineres kraftwerk zur aufrechterhaltung der kraftwärnekopplung zu finanzieren ...
wer hier also in dieser art und weise wirtschaftet - klang ja auch im artikel an - der muss tatsächlich damit rechnen, dass er abgehängt wird - zu recht.

MonaCivis

27.01.2014, 16:22 Uhr

Stadtwerke sind keine Goldesel, die von Verbrauchern gefüttert werden müssen! Zweck der Stadtwerke ist u. a. eine sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität und Gas, die zunehmend auf erneuerbaren Energien beruht.

Überhöhte Preise, fragwürdige Abgaben, z. B. die zweck- und steuerfrei kassierte sogenannte Konzessionsabgaben, ausufernde steuerfreie Quersubventionen. Dazu noch überhöhte, betriebswirtschaftlich nicht notwendige und wieder zweckfremd verwendete Gewinne. Stadtwerke werden als intransparente Nebenhaushalte missbraucht. Was wird da alles fianziert! Sportarenen für den Porfisport sind keine Seltenheit.

Stadtwerke sollen für die Kommunalpolitik bei den energieverbrauchenden Bürgern zusätzlich zu den Steuern, Gebühren und Abgaben Geld abgreifen. Was ist eigentlich mit den völlig vergessenen Pflichten nach dem Kommunalrecht oder dem Energiewirtschaftsgesetz? Gerade Stadtwerke sind u.a. zu einer sicheren, preisgünstigen Versorgung verpflichtet. Hätte man das Geld von den Verbrauchern in die Energieversorgung gesteckt sähe diese heute anders aus.

Der Zweck von Stadtwerken besteht nicht in der Mittelbeschaffung für zweckentfremdete Verwendungen. Gesetze werden missachtet (Quersubventionen) und mit Salamitaktik ausgehölt und wenn Gerichte das feststellen, werden die Gesetze rückwirkend geändert. Eine fragwürdige und wohl grundrechtswidrige Tendenz zeigt sich hier. Eine Allianz zwischen verflochtenen Kommunal- Landes- und Bundespolitikern! Einnahmeorientiert will jedes Dorf sein eigenes Stadtwerk, Strom- und Gasnetz. Effizienz = Fehlanzeige?! Nicht umsonst sind die Energiekosten u.a. die Netzkosten in Deutschland so hoch. Mehr als Tausend Netze, Gebietsstrukturen wie im Mittelalter. Andere Länder genügen ein paar Dutzend. Das geht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit und so zu Lasten der Bürger und Verbraucher. Nein, so kann man Kommunen nicht finanzieren.

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