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01.10.2014

16:45 Uhr

Stromproduktion

Ökoenergie führt Energiemix erstmals an

Am 11. Mai lief Ökostrom durch drei von vier deutschen Stromzählern. Bis September verwiesen die erneuerbaren Energien sogar Braunkohle und Atomkraft auf die Plätze. Die grüne Bilanz hat allerdings ihren Preis.

Windrad vor dem Steinkohlekraftwerk Mehrum: Ökostrom leistet größten Beitrag zur Stromproduktion. dpa

Windrad vor dem Steinkohlekraftwerk Mehrum: Ökostrom leistet größten Beitrag zur Stromproduktion.

BerlinErstmals haben erneuerbare Energien die Braunkohle bei der Stromerzeugung in Deutschland überholt und sind die wichtigste Stromquelle. Wind-, Sonnen-, Wasser- und Bioenergie hatten in den ersten neun Monaten einen Anteil von 27,7 Prozent am verbrauchten Strom. Das geht aus Daten des Expertengremiums Agora Energiewende hervor. Damit könnte das von der Bundesregierung gesteckte Ziel, den Ökostrom-Anteil bis 2020 auf mindestens 35 Prozent zu steigern, geschafft werden.

Braunkohle kam bis September auf einen Anteil von 26,3 Prozent, gefolgt von Steinkohle (18,5) und Atomkraft (16,0). Bei der Ökoenergie lieferte Windstrom mit 9,5 Prozent den größten Beitrag vor Biomasse (8,1) und Solarstrom (6,8).

Allerdings hängt die Entwicklung auch mit dem recht milden Winter zusammen: Der Verbrauch sank, Kohle- und Gaskraftwerke mussten weniger produzieren. Rückläufig war erneut die Stromproduktion in Gaskraftwerken, die nur auf einen Anteil von 10,4 Prozent kommt. Viele Gaskraftwerke rechnen sich nicht mehr, weshalb zum Beispiel Bayern Druck macht für mögliche Subventionen. Kohlekraftwerke sind wegen des Preisverfalls im EU-weiten Handel mit Verschmutzungsrechten in der Regel rentabler – aber auch schädlicher für das Klima.

Dies trug dazu bei, dass trotz jährlich über 20 Milliarden Euro an Ökostrom-Förderkosten der CO2-Ausstoß 2012 und 2013 stieg. Bürger und Wirtschaft zahlen über die Strompreise die Förderkosten, mitfinanziert werden auch Milliardenrabatte für die Industrie. Aber 2015 dürfte die Ökostrom-Umlage erstmals sinken, auch weil sie für dieses Jahr etwas zu hoch angesetzt wurde – derzeit beträgt sie 6,24 Cent je Kilowattstunde und macht bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden für einen Haushalt knapp 220 Euro aus.

Der 6. Juni war in diesem Jahr laut der Agora-Online-Statistik der Tag mit der höchsten Solarstromleistung: Um 13 Uhr wurden 24,2 Gigawatt Solarstrom in die Netze gespeist, was demnach der Leistung von rund 20 Atomkraftwerken entspricht. Am 11. Mai lieferten Wind-, und Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse zeitweise 44 Gigawatt Strom, was rund 75 Prozent des Stromverbrauchs entsprach.

Da Atom- und Kohlekraftwerke nicht rasch genug gedrosselt werden konnten, habe es einen hohen Stromüberschuss gegeben, und es kam zum Phänomen negativer Strompreise. Vor allem ausländische Abnehmer bekamen fast 6 Cent die Kilowattstunde, wenn sie Strom abnahmen, um das Netz zu entlasten.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Rainer Feiden

01.10.2014, 17:03 Uhr

Zitat:
"Braunkohle kam bis September auf einen Anteil von 26,3 Prozent, gefolgt von Steinkohle (18,5)..."

Macht zusammen 44,8% für Kohle als Energielieferant.
Ähm, sind 44,8% nicht mehr als 27,7%. Und warum rechnet man alle "erneuerbaren Quellen" zusammen und die "konventionellen Quellen" auseinander?

Reim Dich oder ich fress Dich?

Herr Riesener Jr.

01.10.2014, 17:39 Uhr

@Rainer Feiden:
Haha, in allen Systemen, die auf (in diesem Fall grüner)Ideologie basieren, muss es Propaganda geben. Message hier: Der Sieg am Ende für die Erneuerbaren ist vorhersehbar.....

Herr Marcel Europaeer

01.10.2014, 18:54 Uhr

Zitat Rainer Feiden: "Macht zusammen 44,8% für Kohle als Energielieferant."

Nehmen Sie noch Öl und Gas dazu, dann kann man die Energielieferanten in Fossile, Atomare und Erneuerbare Energielieferanten aufteilen.

Die Zuordnung ist relativ beliebig, da haben Sie völlig recht, aber die Verdrängung der alten Energien durch die EE ist offensichtlich.

Zitat Herr Riesener Jr.: "Der Sieg am Ende für die Erneuerbaren ist vorhersehbar.."

Ein "Sieg" ohne wirklichen Gegner. Die fossilen Energien fallen wegen Alterschwäche (soll heißen, sie sind nicht mehr zu konkurrenzfähigen Preisen zu bekommen) eh bald um und Kernenergie ist jetzt schon raus, weil zu teuer.

Warum der Autor/die Autorin den Anstieg des CO2-Ausstoßes in 2012 und 2013 quasi als "Beweis" ansieht, dass auch der deutliche Anstieg der Erneuerbaren Energien am Strommix in 2014 keinen ökologisch positiven Folgen hat, nennt man wohl "Nachtreten". Wie auch immer: 2014 wird der CO2-Ausstoß Deutschlands gegenüber 2013 sinken; das ist schon heute absehbar.

Ärgerlich und für den schnellen Erfolg der Energiewende hinderlich ist der hohe Anteil von trägen Kern- und Braunkohlekraftwerken währen die flexiblen Gaskraftwerke teilweise eingemottet werden. Das verhindert einerseits einen schnelleren Rückgang der Schadstoffe und andererseits führt die kurzzeitig hohe Überschussproduktion zu absurden Marktverhältnissen.

Wir brauchen für die Übergangszeit hin zu einer vollständig auf Erneuerbare Energien basierten Stromversorgung flexibel steuerbare Kraftwerke, die die fluktuierenden Erneuerbaren Stromlieferanten schnell und sicher ausgleichen können.

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