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24.09.2013

15:01 Uhr

Stromspeicher

Windstrom lagert im Salzstock

VonLara Sogorski

Die Umwandlung von Ökoenergie in Wasserstoff soll die Versorgung stabilisieren. Der Bedarf an Speichern wie diesen dürfte rasant wachsen, denn der Ausbau der unsteten erneuerbaren Energiequellen schreitet im Eiltempo voran.

Ausbau der erneuerbaren Energien: Überschüssiger Windstrom soll sich unterirdisch speichern lassen. dpa

Ausbau der erneuerbaren Energien: Überschüssiger Windstrom soll sich unterirdisch speichern lassen.

BerlinDie steife Brise an der Küste weht beständig, dennoch stehen Windräder immer öfter still - die Stromnetze sind überlastet. Für die Lösung des Problems lenkt Chemcoast, eine Initiative der Chemiestandorte in Norddeutschland, den Blick nun unter die Erde: Die Metropolregion Hamburg, so eine von Chemcoast in Auftrag gegebene Studie, verfüge über ausreichende geologische Salzformationen, in denen sich überschüssiger Windstrom kostengünstig speichern ließe - und zwar in Form von Wasserstoff. Per Elektrolyse gewonnen, lässt sich das Gas unterirdisch in Kavernen lagern und bei Bedarf wieder zu Strom für das verarbeitende Gewerbe verwandeln oder als Kraftstoff für Fahrzeuge nutzen.

Der Bedarf an Speichern wie diesen dürfte rasant wachsen, denn der Ausbau der unsteten erneuerbaren Energiequellen schreitet im Eiltempo voran. Bei Windkraftanlagen in Deutschland wird der Zubau eine Dimension erreichen, wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. Rund 3 000 Megawatt sollen laut Bundesverband Windenergie (BWE) in 2013 entstehen. Bei der Solarenergie rechnet das Bundesumweltministerium mit einem Zuwachs von etwa vier Gigawatt.

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Während Pumpspeicherkraftwerke aufwendig und geografisch stark beschränkt sind, gelten chemisch gewonnener Wasserstoff oder synthetisches Erdgas als flexiblere Alternativen. "Power-to-Gas" wird die Umwandlung im Branchenjargon genannt. "Ohne dieses Verfahren mit Wasserstoff als Grundbaustein wird die Energiewende nicht funktionieren", sagt Michael Specht, Wissenschaftler am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW).

Derzeit sind elf Pilotanlagen von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und Projektpartnern in Betrieb, das entspricht einer Leistung von zwei Megawatt. Bis 2022 ist ein Anstieg auf mindestens 1000 Megawatt geplant. Drei neue Anlagen befinden sich im Bau, zu zwei weiteren laufen die Planungen. Den Sprung zur Massentechnologie wird Power-to-Gas nach Einschätzung der dena aber erst dann schaffen, wenn die Anlagen von Abgaben befreit und über Marktanreizprogramme gefördert werden.

Kommentare (10)

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vandale

24.09.2013, 15:27 Uhr

Der letzte Satz: "Den Sprung zur Massentechnologie wird Power-to-Gas nach Einschätzung der dena aber erst dann schaffen, wenn die Anlagen von Abgaben befreit und über Marktanreizprogramme gefördert werden" zeigt die Intention ein weiteres Feld nahezu unbeschränkter Subventionen zulasten des Deutschen Stromkunden/Steuerzahlers zu erschlissen.

Der Grenzübergangspreis für Erdgas beträgt 2,85c/kWh. Windstrom wird mit 9 c/kWh (Land) und 15,5 c/kWh See subventioniert. Bei einem Umandlungswirkungsgrad von 70% betragen die Energiekosten dieses ökoreligiösen Wasserstoffgases mindestens 13.2c/kWh.

Wenn man einen Anlagepreis von 1500 €/kW, eine Auslastung von 1000h/Jahr, 8% Betriebskosten, und 20 Jahre Anlagenlebensdauer annimmt, ergeben sich Umwandlungskosten von 24c/kWh.

Insgesamt betragen die Kosten dieses religiösen Gases dann 36c/kWh.

Wirtschaftich/Technisch wäre es sinnvoller die Windmühlen bei starkem Wind abzuschalten, oder den Strom für Lau in die Nachbarländer zu exportieren.

Vandale

Account gelöscht!

24.09.2013, 15:31 Uhr

Immer mehr Erneuerbare Menschen erkennen, dass nachts die Sonne nicht scheint (und das blöderweise in ganz Deutschland) und dass der Wind nicht gleichmäßig weht. Hier liegt das eigentliche Problem der Erneuerbaren Energien. Viel, viel zu spät (immer Sinne von ausgegebenen Milliarden) wird nun an Speichertechnologien gearbeitet. Damit nicht noch mehr Milliarden verschwendet werden und große Teile der deutschen Industrie abwandern, sollte man sofort alle Subventionen für neuinstallierte Anlagen von EE stoppen und statt dessen mit Augenmaß und einer Obergrenze (z.B. 1 Mrd. pro Jahr) diese Speichertechnologien subventionieren.

Account gelöscht!

24.09.2013, 15:33 Uhr

Der Ausbau der Windkraft in 2013 beträgt 3000 MW (und Photovoltaik kommt noch hinzu). Der Netzbetreiber Tennet meldete die Tage im ersten Halbjahr 2013 an 177 von 181 Tagen Windräder abgeschaltet und Kraftwerke heruntergeregelt zu haben. Dies dürfte bei anderen
Netzbetreibern wohl ähnlich gewesen sein. Aufgrund heute nicht vorhandener Speicherkapazitäten, weiss man also im Grunde nahezu
täglich nicht mehr, wie man den Windstrom überhaupt nutzen soll. 3000 MW Zubau in 2013 stehen erhofften 1000 MW Speichermöglichkeiten
in 2022 gegenüber! Bravo!! Eins muss man der Politik lassen. Dieses Energiewende-Projekt ist ja ausgeklügelt bis ins letzte Detail.
Nichts wurde dem Zufall überlassen und alles sehr weitsichtig geregelt, eine wahre Meisterleistung. Heute stand in der Börsenzeitung,
dass wir demnächst auch mit Belastungen aus unserem bestehenden Kraftwerkspark rechnen müssen, einfach für die "Bereithaltung gesicherter Kraftwerksleistung",
für Zeiten von Windflaute und Sonnenflaute zu überbrücken. Wegen der fehlenden Grundlastfähigkeit der "Erneuerbaren kommt alles so,
wie es kommen muss: es laufen in Deutschland zwei Kraftwerksparks nebeneinander, und die Kosten laufen davon.

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