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07.04.2014

16:59 Uhr

Stromversorgung

Versorger zögern beim Bau neuer Kraftwerke

Der Ausbau der Ökostromanlagen schreitet voran, immer häufiger wird der Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken nicht benötigt. Der Bau neuer Anlagen scheint wenig attraktiv. Doch sie werden als Ausweichoption benötigt.

Kohle- und Gaskraftwerke: Betreiber fordern eine Vergütung „gesicherter Leistungen“. dpa

Kohle- und Gaskraftwerke: Betreiber fordern eine Vergütung „gesicherter Leistungen“.

HannoverDie Versorger in Deutschland stellen wegen des Preisverfalls bei den Strom-Großhandelspreisen immer mehr Kraftwerksneubauten in Frage. Von den 74 bis ins Jahr 2020 geplanten Anlagen seien inzwischen 32 ungewiss, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Stromlobbyverbandes BDEW, Hildegard Müller, am Montag auf der Hannover Messe. Das seien zehn mehr als noch vor einem Jahr. "Die Verunsicherung der Investoren wird immer größer und auch der wirtschaftliche Druck auf die bestehenden Anlagen nimmt ständig zu." Nach der EEG-Reform müsse sich die Bundesregierung nun umgehend um die Probleme auf dem Kraftwerksmarkt kümmern.

Durch den Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne werden immer häufiger Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt. Zugleich purzeln wegen des Überangebots die Preise an den Strombörsen. Große Versorger wie E.ON oder RWE legen reihenweise Anlagen vorübergehend oder ganz still. Derzeit herrscht ein Überangebot an Kraftwerken. Einige Branchenvertreter gehen davon aus, dass sich das unter anderem dann ändern könnte, wenn bis Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz geht. Da die Ökostromanlagen zudem bei fehlendem Wind und Sonnenschein keinen Strom produzieren, müssten weiter Kohle- und Gaskraftwerke bereitstehen, um einzuspringen. E.ON, RWE und viele Stadtwerke fordern daher, die Bereitstellung der sogenannten "gesicherten Leistung" zu vergüten - zulasten der Stromkunden. Bei der Bundesregierung treffen sie damit aber bislang auf wenig Gegenliebe.

Der Stromverbrauch in Deutschland ging derweil zuletzt leicht zurück. Nach den am Montag vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vorgelegten Zahlen sank er sowohl 2013 als auch im ersten Quartal 2014 um rund einen Prozent. Dabei habe sich 2013 die nachlassende Konjunktur und zum Jahresauftakt 2014 die milde Witterung bemerkbar gemacht. Beim Erdgasverbrauch trieb der kalte Winter 2013 den Verbrauch bis Ende des Jahrs um 6,4 Prozent nach oben, während der milde Winter 2014 ihn in den ersten drei Monaten um acht Prozent nach unten drückte.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

07.04.2014, 18:23 Uhr

Sollte der Stromverbrauch nicht bis 2020 auf 80% sinken?
Die Entwicklung zeigt sehr schön, dass es nur zwei Dinge gibt die dazu führen, dass der Verbrauch spürbar sinkt:

1. Die Klimaerwärmung und milde Winter - die will man aber ja gerade verhindern.
2. Eine ordentliche Rezession - dann hat aber niemand mehr das Geld für dieses Energiewendegedöns!

Das ganze Effizienz- und Nachhaltigkeitsgeschwafel oder schlaue Energiekonzepte schaffen das jedenfalls nicht.

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07.04.2014, 19:23 Uhr

Kein Wunder, wer investiert denn wenn er damit rechnen muß, dass die Politik die Investion ein paar Jahre später per Gesetz zur Fehlinvestition macht. Nur ein Dummkopf!

Account gelöscht!

07.04.2014, 20:24 Uhr

Bestehende fossile Kraftwerke haben in D einen Wirkungsgrad von nicht einmal 40 %. Die restliche Energieausbeute schmeißen wir weg bzw. führen die in Kühltürme während in ganz Deutschland das Beheizen von Häusern immer teurer wird. Über diesen Umstand freut sich Herr Putin und der CO2-Ausstoß und der Klimawandel schreitet munter voran.

In der Praxis sieht dies wie folgt aus:
Das Unternehmen Statkraft hat in Hürth für 350 Mio. Euro ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk gebaut, welches nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Ein Fernwärmenetz gibt es zwar aber das ist auch ohne das neue Kraftwerk warm.

Auf der anderen Seite von Köln baut die Rheinenergie ein neues Gaskraftwerk. Hier wird die Wärme in das Fernwärmenetz gespeist werden. Das Fernwärmenetz ist erst im Aufbau und die Energie wird gebraucht und muss nicht weggeworfen - oder wie der Ingenieur sagt - in Kühltüren geleitet werden.

Warum glauben die Anhänger einer Wegwerf-Gesellschaft immer noch an einen geringen Nutzen und Kühltürme der Ingenieure. Ich würde mich von solche Leute aufgrund des geringen Wirkungsgrad nicht leiten lassen.

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