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25.10.2013

16:02 Uhr

Stromversorgung

Wo Atomkraft noch Zukunft hat

VonMatthias Thibaut

Die Briten betreiben eine pragmatische Energiepolitik. Um den Strompreis niedrig zu halten, werden neue Atommeiler gebaut. Die deutsche Energiewende betrachten sie mit Bewunderung – und „vorgreifender Schadenfreude“.

Das Atomkraftwerk Hinkley Point B im englischen Bridgwater: Neue Meiler sollen gebaut werden. Reuters

Das Atomkraftwerk Hinkley Point B im englischen Bridgwater: Neue Meiler sollen gebaut werden.

Die Briten regten sich diese Woche nicht über die neuen Kernkraftwerke auf, die ihre Regierung bei dem französischen Staatskonzern EDF und zwei chinesischen Staatsbetrieben bestellte. Ihnen war der Streit über die rasant steigenden Energiepreise wichtiger. Wie ein Stromschlag war die Intervention des früheren Tory-Premiers John Major, der gemeinsame Sache mit Labour-Chef Ed Miliband machte und warnte, viele stünden im Winter vor der Wahl: essen oder heizen.

Miliband treibt Regierungschef David Cameron mit einer Kampagne für einen Energie-Preisstopp vor sich her. Majors Vorschlag einer Strafsteuer für Energieversorger war nicht hilfreich. Der Furor wuchs, die Atomentscheidung war Ende der Woche abgehakt.

Im deutschen Wahlkampf wurde die Debatte über die Machbarkeit und die Kosten der Energiewende unter den Teppich gekehrt. Bei den Briten sind Energiekosten 18 Monate vor der Wahl ein Kampfthema – dabei liegen ihre Strompreise weit unter denen Deutschlands. Die jetzige Zehn-Prozent-Preiserhöhung der Stromversorger grämt sie mehr als die Verdopplung der Energiepreise im Jahr 2023, die dadurch zustande kommt, dass der Energieminister EDF einen Atomstrom-Preis garantiert, der 100 Prozent über dem heutigen Marktpreis liegt.

Kritik an dem Abkommen gibt es zwar viel, die Ablehnung des Atomstroms, Hauptmotiv der deutschen Energiewende, gehört jedoch nicht dazu. Es ist irreführend, von einer „britischen Energiewende“ zu sprechen. Ein nuklearer Beitrag im pragmatischen Mix der Energiequellen stand nie zur Disposition. Sogar „grüne“ Denker von James Lovelock bis Stephen Emmott glauben, dass globaler Klimaschutz ohne Atomstrom für die Grundlast nicht machbar ist. Labour beschloss die Wiederaufnahme des Atomprogramms vor zehn Jahren, zögerte die Umsetzung aber unschlüssig hinaus, was den Deal nun teuer und schwierig macht.

Deutschlands international unkoordinierter Atomausstieg nahm die deutschen Atombauer aus dem Rennen. Und die Zeit drängt. Großbritannien muss in den nächsten zehn Jahren 60 Prozent seiner Generatoren erneuern, weil schmutzige Kohle und alte AKWs vom Netz gehen. Die Regierung, so das ergebene Urteil, hatte keine Wahl.

Kommentare (10)

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PeterF

25.10.2013, 16:44 Uhr

KKW haben nur im Deppenland keine Zukunft. Unsere Zukunft ist die Sozialindustrie. Wir bauen Hütten und Windmühlen für die ankommenden Facharbeiter. Das ist einfacher, da kann jeder mitreden. Das schaffen sogar unsere Politiker.

Sonnenschein

25.10.2013, 17:19 Uhr

Zitat aus dem Artikel: "Und die Zeit drängt. Großbritannien muss in den nächsten zehn Jahren 60 Prozent seiner Generatoren erneuern, weil schmutzige Kohle und alte AKWs vom Netz gehen."

Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird es mit Sicherheit kein neues Kernkraftwerk in GB geben. Die "Zukunft" einer Technologie sieht anders aus.

Account gelöscht!

25.10.2013, 17:35 Uhr

Das mit dem Deppenland Deutschland ist natürlich im Augenblick noch richtig. Es kann und wird aber auf Dauer nicht so bleiben. Die SPD in NRW macht ja im Moment einen bemerkenswerten Lernprozess durch.

Und auch CDU/CSU dürften bald ihre Wendehalsqualitäten erneut unter Beweis stellen. Auch in diesen Parteien gibt es unterhalb der Führungsebene durchaus noch Politiker, die die vier Grundrechenarten beherrschen und sich zumindest vage an die Kirchhoffschen Regeln erinnern, von denen sie mal im Physikunterricht gehört haben. Wenn der innerparteiliche Wind in der Union beginnt, sich zu drehen, wird auch Frau Merkel - immer die Nase im Wind - sich mitdrehen.

Die Grünen sind natürlich wie immer vernagelt und fortschrittsfeindlich. Aber die haben ihre Zukunft hinter sich. Die projektierte GroKo in Berlin macht deutlich, dass man sie zum Regieren nicht mehr braucht. (Und das ist gut für Deutschland.)

Noch in dieser Legislaturperiode wird auch Deutschland begreifen, dass die Menschheit für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung nur zwei Möglichkeiten hat, nämlich fossile Brennstoffe und Kernkraft. Alles andere ist Traumtänzerei und grober Unfug.

Ich glaube daher, dass die Kernkraft nicht nur in Großbritannien, sondern bald auch in Deutschland eine neue Zukunft hat.

Das Dumme ist nur, dass wir dann die neuen Kernkraftwerke nicht mehr bei deutschen Firmen bestellen können, sondern wie ein Entwicklungsland auf ausländische Lieferanten zugreifen müssen. Siemens hat ja in seiner unendlichen Dummheit die Mitarbei bei Areva augekündigt. Die Firma wird das noch bitter bereuen.

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