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11.08.2014

13:27 Uhr

Studie

Spritzen bei Knieschmerz häufig wirkungslos

Der Nutzen der Behandlungen sei überschätzt, während die Risiken vernachlässigt würden, heißt es im „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann-Stiftung. Die Wirkung von Spritzen sei nach wenigen Wochen verpufft.

Knieschmerzen: Arthrose ist laut Studie die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung. dpa

Knieschmerzen: Arthrose ist laut Studie die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung.

GüterslohDie oft eingesetzten Spritzen und Spiegelungen bei Knieschmerzen sind einer Studie zufolge häufig wirkungslos. Für den „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann-Stiftung hatte das Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut in Berlin aktuelle Berichte analysiert. Gelenkspiegelungen, Hyaluron- und Kortikoid-Injektionen zeigten demnach bei Arthrose nur einen sehr begrenzten Nutzen, hieß es in der am Montag veröffentlichten Analyse. Risiken, die mit den Eingriffen verbunden sind, seien zudem oft unzureichend erforscht.

Arthrose sei die weltweit am meisten verbreitete Gelenkerkrankung, hieß es. Mit zunehmendem Alter verschlimmern sich die Beschwerden wie etwa anhaltende Schmerzen und geringere Bewegungsfähigkeit. In Deutschland sind demnach etwa jeder dritte Mann und jede zweite Frau über 60 Jahre von Knieschmerzen betroffen, häufig leiden sie an Arthrose. „Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos“, erklärte Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums. „Ihr Nutzen wird allzu oft überschätzt und die verbundenen Risiken, wie etwa Entzündungen, Schwellungen oder die Verletzung von Gefäßen ausgeblendet.“

Die Wirkung von Spritzen sei nach wenigen Wochen verpufft, heißt es in der Studie. Auch nach Gelenkspiegelungen könnten Operierte im Vergleich zu Nicht-Operierten weder besser gehen, noch hätten sie weniger Schmerzen als zuvor.

Der Studie zufolge sind insbesondere Hyaluron-Injektionen kritisch zu bewerten. Die Behandlung führe zwar gelegentlich zu geringfügigen Schmerzlinderungen und mehr Beweglichkeit. Allerdings seien die Besserungen nach wenigen Monaten oft nicht mehr nachweisbar. Kortikoid-Injektionen seien keine Alternative, weil sie Schmerzen nur kurzfristig linderten. Beide Behandlungen müssen von den Patienten in der Regel selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten nicht.

Die Studie empfiehlt, zunächst konservative Maßnahmen wie Abnehmen, gelenkschonende Aktivitäten, Physio-, Ergo- und physikalische Therapie. "Sie erfordern zwar mehr Eigenverantwortung. Doch richtig eingesetzt, helfen sie oft nachhaltiger", erklärte Eckhard Volbracht von der Bertelsmann Stiftung.

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