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01.09.2014

16:18 Uhr

Studie über Krankenhäuser

Komplexe OPs trotz mangelnder Routine

Kliniken führen einer Studie zufolge trotz mangelnder Routine komplizierte Operationen durch. Bei Bauchspeicheldrüsen-Eingriffe verstoßen Krankenhäuser zum Beispiel oft gegen die Vorgaben.

In deutschen Krankenhäusern wird einer Studie zufolge oft trotz mangelnder Routine operiert. dpa

In deutschen Krankenhäusern wird einer Studie zufolge oft trotz mangelnder Routine operiert.

WittenZahlreiche Krankenhäuser operieren nach einer Studie ohne die nötige Routine für komplizierte Eingriffe. Kliniken müssen zum Beispiel pro Jahr mindestens zehn aufwendige Speiseröhren-OPs machen, um eine entsprechende Spezialisierung vorweisen zu können.

Laut Studie wurde diese Schwelle allerdings nur von knapp der Hälfte der Kliniken erreicht, die diesen Eingriff durchführen. Die Universität Witten/Herdecke hat für die Erhebung Berichte von fast 2000 Kliniken in den Jahren 2004, 2006, 2008 und 2010 ausgewertet, wie aus einer Mitteilung vom Montag hervorgeht. Es wurde überprüft, wie häufig bestimmte komplexe Eingriffe sind, für die Mindestzahlen wie etwa bei der Speiseröhren-OP gelten.

Auch aufwendige Bauchspeicheldrüsen-Eingriffe hätten 30 Prozent der Krankenhäuser zu selten durchgeführt, um die Mindestvorgaben zu erfüllen. „Je nach Operation werden damit bis zu 15 Prozent der Patienten in Krankenhäusern behandelt, die die Vorgaben nicht einhalten“, sagte Werner de Cruppé, einer der Studienautoren vom Lehrstuhl für Gesundheitssystemforschung.

Wo liegen die größten Mängel bei der medizinischen Versorgung?

Um angemessene Versorgungsqualität zu gewährleisten, gelten heute für sieben besonders komplexe Operationen Mindestfallzahlen. Zuletzt war auch die Versorgung von Frühgeborenen unter einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm in den Katalog aufgenommen worden. Daten dazu sind in der Studie allerdings noch nicht erfasst.

Die Mindestmengenverordnung habe bislang nichts gebracht, kritisierte die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Die Bundesregierung müsse Sorge dafür tragen, dass die Verordnung kein Papiertiger bleibe, teilte Stiftungsvorstand Eugen Brysch mit. Nur Routine bringe den Patienten Sicherheit. „Wer die Standards nicht erreicht, darf auch kein Geld bekommen“, forderte er als Konsequenz.

Die Studie war bereits im August im „Deutschen Ärzteblatt“ erschienen. Auch bei der Stammzellentransplantation und dem Einsatz künstlicher Kniegelenke blieben Krankenhäuser demnach hinter den Mindestzahlen zurück. Bei Leber- und Nierentransplantationen verstießen nur einzelne Krankenhäuser gegen die Vorgaben.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

01.09.2014, 17:13 Uhr

Jeder macht halt alles, um maximale Profite zu realisieren. Und wenn die Entwicklung der Patientenzahl nicht mit der gewünschten Steigerung der Gewinne Schritt hält, müssen eben auch Operationen durchgeführt werden, die man nicht beherrscht, die aber Kohle bringen.
So ist es, wenn der Gewinn im Vordergrund steht, nicht der Patient.
Zum Wohle des Patienten wäre es, wenn es wenige, speziealisierte Kliniken für lebensbedrohliche Erkrankungen wie Krebs etc. gäbe. Dort wäre aufgrund der großen Patientenzahl dann das Wissen konzentriert und die bestmögliche Hilfe für die Kranken garantiert. So darf jedes Krankenhaus alles - Hauptsache der Profit stimmmt.

Auf der Strecke bleibt - Der Patient.

Und sinnlos teuer ist es zudem!

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