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03.12.2013

16:17 Uhr

Tag der Menschen mit Behinderung

Schwerbehinderte haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt

Schwerbehinderte spüren den Jobboom der vergangenen Jahre kaum. Im Oktober waren zwei Prozent mehr arbeitslos als im Vorjahr. Die Unesco-Kommission fordert deshalb bessere Inklusion – und zwar schon in der Schule.

Schwerbehinderte haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt – besonders, wenn sie älter sind. dpa

Schwerbehinderte haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt – besonders, wenn sie älter sind.

NürnbergSchwerbehinderte Arbeitslose haben weniger vom Jobboom der vergangenen Jahre profitiert als andere Erwerbslose. „Schwerbehinderte Menschen haben es einfach schwerer, wieder in den Arbeitsmarkt zu finden, erst recht wenn sie älter sind“, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag.

Zuletzt waren im Oktober 176 000 Betroffene ohne Stelle. Dies geht aus einer Broschüre der Nürnberger Behörde hervor, aus der zuvor die Dortmunder „Ruhrnachrichten“ zitiert hatten. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr fiel mit rund zwei Prozent etwas höher aus als in der gesamten Gruppe der Erwerbslosen.

Vor fünf Jahren hatte die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten noch bei 160 000 gelegen. Der deutliche Anstieg sei aber in erster Linie auf einen statistischen Effekt zurückzuführen, erläuterte eine BA-Sprecherin. „Wenn man damals so gezählt hätte wie heute, hätte man damals auch mehr arbeitslose Schwerbehinderte gehabt als heute.“ Ohne die Abschaffung von Sonderregelungen für Ältere wäre die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menschen seit 2008 gesunken.

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Hintergrund ist das Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen, wodurch ältere Jobsucher früher nicht als arbeitslos galten. Bei den schwerbehinderten Stellensuchern sind mit zwei Fünftel überproportional viele Betroffene älter als 55 Jahre; ihre Zahl stieg zwischen Oktober 2008 und Oktober 2013 um 56 Prozent. Bei allen älteren Arbeitslosen waren es 35 Prozent.

„Schwerbehinderte in Beschäftigung zu bringen, erst recht wenn sie älter sind, bedarf großer Überzeugungskraft bei den Arbeitgebern“, bestätigte die BA-Sprecherin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte deshalb den Rückgang der Fördermaßnahmen für schwerbehinderte Arbeitslose in den vergangenen Jahren.

„Es muss mehr Geld in die Hand genommen werden, um die Eingliederung gesundheitlich beeinträchtigter oder behinderter Menschen zu fördern“, forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach anlässlich des Tages der Menschen mit Behinderung am Dienstag.

Die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) will damit schon viel früher beginnen. Sie fordert Inklusion schon in der Schule. Die Länder sollten „die Vorbehalte in den Schulgesetzen“ gegenüber Inklusion aufheben. „In Deutschland besucht nur jeder vierte Schüler mit besonderem Förderbedarf eine allgemeine Schule“, sagte DUK-Expertin Ute Erdsiek-Rave. Hierzulande habe man im internationalen Vergleich einen „deutlichen Nachholbedarf“.

Von

dpa

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