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30.10.2013

06:00 Uhr

Tausch am Steuer

Nutzt es etwas, den Vorstandschef zu wechseln?

Wenn die Geschäfte schlecht laufen, wackelt in der Vorstandsetage ganz schnell der Chefsessel. Aber bringt es überhaupt etwas, den Unternehmenslenker auszutauschen – oder macht das die ganze Sache nur noch schlimmer?

Abschied vom Vorstandsvorsitzenden: Konzerne profitieren in der Regel von einem Chefwechsel. dpa

Abschied vom Vorstandsvorsitzenden: Konzerne profitieren in der Regel von einem Chefwechsel.

In der Tat, es bringt etwas. Die Studie zweier Forscher aus Mailand und Lausanne zeigt, dass deutsche Konzerne, deren Geschäfte besonders schlecht liefen, von einem Chefwechsel klar profitierten. Im Mittel stieg ihre Kapitalrentabilität – also das Verhältnis von Gewinn zu Bilanzsumme – in den drei Jahren nach einem Wechsel an der Spitze um acht Prozent an. Gleichzeitig legte sie stärker zu als bei direkten Wettbewerbern.

Eine andere Studie legt sogar nahe, dass eine Firma gut daran tut, mit dem Austausch des Vorstandschefs nicht zu warten, bis die Geschäfte schlecht laufen. Eine Gruppe von US-Ökonomen hat nämlich festgestellt, dass CEOs mit fortschreitender Amtszeit immer mehr investieren und damit die Rendite beschränken. So ist die Wachstumsrate des Firmenvermögens in den ersten drei Jahren der Amtszeit eines CEO durchschnittlich um 3,2 Prozentpunkte niedriger als in späteren Jahren, bei einer mittleren Wachstumsrate von 7,6 Prozent.

Die Dos and Don'ts bei der CEO-Bewerbung

Kompetenzen

Das Auflisten gleichförmiger Kompetenzkataloge wie "strategisch, analytisch, zupackend, führungs- und verhandlungsstark" in der schriftlichen Bewerbung ist in Wirklichkeit ermüdend, weil nichtssagend, das unreflektierte Befolgen der allgegenwärtigen Empfehlung, sich in der mündlichen Bewerbung "gut zu verkaufen", ist dagegen sogar gefährlich.

(Quelle: Jügen und Nane Nebel, Die CEO-Bewerbung - Karrierebeschleunigung ohne Netzwerk und Headhunter)

Dokumente

Unsere Erfahrung hat uns gezeigt: Drei Kurzdokumente - eine "Executive Summary" Ihres Lebenslaufes, eine Darstellung Ihrer "Beiträge zum Geschäftserfolg" und ein kurzes, nicht besonders persönlich gestaltetes Anschreiben - sind Ihre Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch.

Karrierefalle

Karrierefalle Nummer eins dürfte der Glaubenssatz sein: "Guter Manager werden angesprochen - sie sprechen nicht selbst an!". "In Schönheit sterben" muss nicht gleich die unerwünschte Folge solch vornehmer Zurückhaltung sein. Aber ganz sicher bezahlen Manager solche bisweilen dünkelhafte Reserviertheit mit deutlich weniger Karriereoptionen, als sie ihren kontaktfreudigeren Konkurrenten geboten werden.

Businessnetzwerke

Jobbörsen und Businessnetzwerke halten für Manager nicht, was sie versprechen! Verlassen Sie sich nicht darauf anzunehmen, Unternehmen würden in großem Umfang versuchen, die erfolgsentscheidenden C-Level-Positionen zu besetzen, indem sie die in Masken gepressten CV-Profile nach möglicherweise Passendem durchforsten.

Fußball

In der Welt der Unternehmen ist es wie im Fußball: Am Ende zählen nur die geschossenen Tore! Das sollten Sie im Kopf behalten, wenn Sie das nächste Mal im Interview für eine neue Position sind oder Ihre Unterlagen aufbereiten: Für das bloße Tätigwerden wird der Manager nicht bezahlt.

Erfolge

Zeigen Sie, mit welchem Aufwand, welcher Methode Sie Ihre Erfolge erzielen konnten – das schmückt Ihre Performancedarstellung, denn nach Thomas Edison ist Erfolg nur ein Prozent Inspiration, aber zu 99 Prozent Transpiration!

Charakter

Sparen Sie sich die Darstellung Ihrer charakterlichen Eigenschaften oder Kompetenzen - wenn überhaupt - für das persönliche Gespräch auf und erhöhen Sie die Seriosität Ihrer schriftlichen Unterlagen durch weitgehenden Verzicht auf die vorgestanzten, selbstetikettierenden Lobhudeleien, etwa Sie seinen durchsetzungsstark, analytisch und strategisch.

Sie, 23, sucht

Oft entfalten zutreffende, aber abstrakte Begriffe erst ihre volle Wirkung, wenn sie aufgefächert werden in ihre inhaltlichen Bestandteile: So, wie aus "Sie, 23, sucht..." dann "Weiblich, ledig, jung sucht..." wird und damit eine ganz andere emotionale Kraft und Anschaulichkeit ausgedrückt wird, wird aus dem sehr pauschalen "international" durch die Auffächerung in "Skandinavien, Südosteuropa sowie Middle East" etwas Konkretes, Anschauliches und Überzeugendes.

CV-Aufbau

Bauen Sie Ihren CV retrograd - rückwärts-chronologisch - auf. Bei zeitlich aufsteigendem Aufbau würde er schon auf den ersten Blick veraltet wirken. Die aus dem retrograden Aufbau resultierenden Nachteile lassen sich mehr als ausgleichen durch nach sachlichen Kriterien geordnete, zusätzliche Executive-Summary-Versionen.

Wer die Wahl hat,...

Unternehmen sind fast so unterschiedlich wie Menschen. Sie wenig, wie Sie die meisten heiraten würden, so wenig sinnvoll ist es, für die meisten Unternehmen arbeiten zu wollen. Es führt also kein Weg daran vorbei, mit einer respektablen Anzahl von Unternehmen Erstgespräche zu führen, um herauszubekommen, wer zu Ihnen passt: Nicht "Wer die Wahl hat, hat die Qual", sondern "Nur wer die Wahl hat, hat keine Qual."

Ein Grund dürfte sein: Je länger ein Unternehmenslenker im Amt ist, desto größer ist sein Einfluss im Aufsichtsrat – und desto eher kann er persönliche Lieblingsprojekte durchsetzen.

Kommentare (2)

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es-ist-egal

30.10.2013, 11:05 Uhr

Ja es nutzt etwas!

weil CEOs zu despoten werden wenn ersteinmal die macht gefestigt ist!

amtsantritt:
aufbrechen der struckturen des vorgängers,
die mitarbeiter wittern morgenluft legen sich ins zeug, es sprudeln die ideen, dazu passendes personal wird eingestellt und tätig - die gewinne fangen an sprudeln

festigung der macht durch CEO:
die mitarbeiter merken wo er langgeht, "sichern" ihren AP und funktionieren im rahmen der vorgaben durch CEO- die früchte der arbeit aus der anfangsphase können geerntet werden
-gewinne sprudeln noch

alles wird statisch: die "hofschranzen" sichern ab
bilanz und andere trixereien sichern noch den gewinn

es werden mängel offenbar:
-die gewinne brechen ein
es wird gegen gesteuert:
eingearbeitetes personal wird abgebaut, substanz wird verschlissen -noch eimal steigen die gewinne

dann aber der kollaps:
der königsmord beginnt

Chemnitzwolf

30.10.2013, 19:07 Uhr

Deutschland ist verkrustet. Da hilft es auch nicht Inkompetenz gegen Inkompetenz zu tauschen. Es fehlen gerade im Führungsmanagement international erfahrene und bewährte
Top Manager. Tatsache ist, dass Vielen der sogenannten Führungsmanager den hohen Aufgaben nicht gewachsen sind.
Beim Geld kassieren, für unzureichende Leistungen, mangeld
es dagegen nicht an Talent und Begabung.

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