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26.05.2014

09:59 Uhr

Technik-Probleme und hohe Kosten

Energiewende enttäuscht auch im Verkehr

Die Debatte um die Energiewende bezieht sich in der Regel auf die Stromerzeugung. Doch ein Drittel der gesamten Energie verbraucht der Verkehrssektor. Autos, Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe werden meist mit Ölprodukten angetrieben - und das bleibt erstmal wohl auch so.

Reinfall Biosprit: Der Start von E10 vor zwei Jahren wurde zum Desaster. dpa

Reinfall Biosprit: Der Start von E10 vor zwei Jahren wurde zum Desaster.

Hamburg„Weg vom Öl“ heißt die Parole, auf die sich Politiker aller Parteien verständigen können, wenn es um die Zukunft der Energieversorgung geht. Öl ist klimaschädlich, geht demnächst zur Neige, wird in Gegenden mit fragwürdigen Regierungen oder wertvollen Naturräumen gefördert und zudem immer teurer - kein guter Stoff.

Das Problem: Öl bleibt noch auf Jahrzehnte unverzichtbar, weil es nichts Besseres gibt. Im Verkehrssektor sind auf mittlere Sicht keine konkurrenzfähigen Alternativen zum Verbrennungsmotor zu erkennen, die sich über ein Nischendasein hinaus entwickeln könnten.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den Energieverbrauch im Verkehr bis 2020 um zehn Prozent und bis 2050 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 zu senken. Zudem sollen bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Die erneuerbaren Energien sollen dann im Kraftstoffsektor rund zwölf Prozent ausmachen. Der Weg dahin soll über Einsparungen, höhere Effizienz, alternative Kraftstoffe und Elektromobilität führen.

Doch so ganz glaubt die Regierung selbst nicht an die ehrgeizigen Ziele. „Bis mindestens 2020 werden keine gravierenden Änderungen der Energiebasis im Verkehr erwartet“, heißt es in einem Papier des Bundesverkehrsministeriums. „Ölbasierte Kraftstoffe bleiben auch mittelfristig marktbeherrschend.“

Bei den nachwachsenden Biokraftstoffen stehen die Ampeln auf Gelb. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will dem Biosprit keine größere Rolle mehr zubilligen und seinen Anteil am Treibstoff-Mix in Europa auf fünf Prozent deckeln: „Es gibt ernste Hinweise darauf, dass Biokraftstoffe am Ende zu einer schlechteren Ökobilanz führen.“

Längst hat Biosprit sein einst positives Image eingebüßt. Er steht im Verdacht, Nahrungsmittel für Arme zu verteuern und weitere Flächen in Agrarsteppen umzuwandeln. Branchenverbände bestreiten das, aber auch die Autofahrer haben ihr Urteil gesprochen: Der Start des Biosprits E10 mit zehn Prozent Bioethanol vor zwei Jahren wurde zum Desaster. Der Marktanteil stagniert bei 15 Prozent, angepeilt waren 90 Prozent.

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Was auf der Straße funktioniert, könnte sich auch in der Luft bewähren.

„Wer Strategien entwickelt, ohne den Kunden einzubeziehen, wird von der Realität ziemlich schnell eingeholt und dann recht unsanft geweckt“, bemerkt dazu Michael Schmidt, Europa-Chef des Energiemultis BP. Tatsächlich erweist sich der Autofahrer in Deutschland als konservativ - nicht nur bei der Einführung neuer Kraftstoffsorten.

Für alternative Antriebe kann er sich nur wenig begeistern. Im vorigen Jahr wurden knapp drei Millionen Pkw neu zugelassen. Davon fuhren 98,4 Prozent mit Benzin oder Diesel. Alternativantriebe - Erdgas, Flüssiggas, Elektro- und Hybridmotoren - kamen kaum zum Zug.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

26.05.2014, 10:53 Uhr

Das wirkliche Problem der Elektroautos in Deutschland ist, dass Sie sich nicht lohnen. Der Strompreis ist mittlerweile so hoch, dass es billiger ist mit Diesel zu fahren. Die Welt hatte mal einen Artikel über einen Elektrovolvo mir Dieselmotor wo am Ende rauskam, dass der reine Dieselbetrieb billiger war. So ist es beim Ampera eines Bekannten auch. Im Benzinbetrieb gönnt der Wagen sich 6 Liter für 1,44€ macht 8,64€. Im Mischbetrieb saugt der Wagen erst den Akku innerhalb von 40 Km leer der 20kWh für eine Ladung braucht. Mit einem Messgerät an der Steckdose gemessen was bei 28ct/kWh 5,6 Euro kostet und dann braucht der wagen noch 3 Liter Sprit um die 100 km voll zu machen für weitere 4,32€. macht zusammen 9,92€. Tja dumm gelaufen würde ich sagen.

Auch wundert es einen wieso der Biosprit seinen guten Ruf einbüßt, bei Biogas aber schienbar alles noch Super ist?

Account gelöscht!

26.05.2014, 11:21 Uhr

@ ColorfulColorado

Sie schreiben als würden Sie alles wissen, nur ich muss Ihnen mitteilen, dem ist nicht so!

Mit einer Photovolteikanlagen haben sie bei jetziger Neuinstallation Stromgestehungskosten zw. 9 und 12 Cent/kWh (gerechnet für einen Finanzierungszeitraum von nur 20 Jahren)

Somit können Sie ihre Rechnung wegwerfen!

Account gelöscht!

26.05.2014, 11:34 Uhr

@Loco
Nein keineswegs.
Ja mag sein, dass Sie sich 9 bis 12 Ct. ausgerechnet haben. Stimmen wird das aber eher nur auf dem Papier und nicht im richtigen Leben.
Mein Auto lade ich wann? Nachts wenn die Sonne auf der falschen Erdseite scheint oder Tags wenn ich bei der Arbeit bin? So einen kleinen Tipp für die Realität müssen Sie mir schon noch geben.
Ich frage mich auch wie ich meinen Autoakku voll bekomme wenn es mal wolkig ist.

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