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11.07.2013

14:09 Uhr

Telechirurgie

Wenn der Roboter das Skalpell führt

Werden die ersten Mars-Astronauten per Telechirurgie von der Erde aus behandelt? Die Technik dafür wäre vorhanden, doch bislang werden OP-Roboter nur in kleinerem Maßstab eingesetzt.

Operation mit einem Da-Vinci-Roboter. ap

Operation mit einem Da-Vinci-Roboter.

BerlinNierensteine können lästig sein, vor allem wenn man Astronaut ist und gerade auf dem Mars weilt. Das soll aber kein Problem werden: Man könnte sich ja von einem Chirurgen operieren lassen, der auf der Erde in irgendeinem Nasa-Büro oder Krankenhaus sitzt. Das klingt nach Science Fiction? Nun, die nötige Technik dafür kommt schon heute zum Einsatz.

Rückblick: Am 7. September 2001 wird einer 68-jährigen Frau in Straßburg die Gallenblase entfernt. Der Chirurg Jacques Marescaux arbeitet von New York aus, die Verbindung zwischen Patientin und Operateur verläuft über ein Glasfaserkabel von France Telecom. Das erste Mal wird so über den Atlantik hinweg operiert. „Operation Lindbergh“ wird die Aktion seinerzeit genannt, in Anlehnung an Charles Lindbergh, der 1927 als erster Mensch den Atlantik im Alleinflug überquerte.

Roboter als Chirurgen

OP-Roboter

Ein Roboter, der Operationen oder Teile davon automatisch durchführt. Der Ablauf der OP wird dabei vorab programmiert. Ein Beispiel ist "Robodoc", der vor einigen Jahren in die Schlagzeilen geraten war: Wenn eine Hüftprothese eingesetzt werden sollte, fräste dieser Roboter den Knochen; allerdings fräste er mitunter zu viel weg oder verletzte den Gesäßmuskel.

Der Begriff OP-Roboter wird häufig synonym für Tele-Manipulatoren verwendet.

Tele-Manipulator

Ein ferngesteuertes Gerät, das eins zu eins die Bewegungen ausführt, die der Chirurg an der Steuer-Konsole ausführt. Der Tele-Manipulator wird mitunter auch als Tele-Operator bezeichnet.

Roboter-assistierte Chirurgie

Der Begriff steht für Operationsverfahren, die mit Tele-Manipulatoren durchgeführt werden oder bei denen Roboter einzelne Arbeitsschritte automatisch ausführen beziehungsweise als Haltesysteme für Endoskope eingesetzt werden.

„Auch wenn das eher ein Werbe-Gag von France Telecom für die Internet-Verbindung war: Diese OP hat bewiesen, dass Telechirurgie zumindest technisch möglich ist“, sagt Werner Korb, Professor für Simulation und Ergonomie in der operativen Medizin an der HTWK Leipzig.

Drei Jahre später, im Oktober 2004, liegt in der NASA-Unterwasserstation vor der Küste von Key Largo in Florida ein Dummy. An ihm macht sich ein OP-Roboter zu schaffen, der von einem Chirurgen in Kanada gesteuert wird. Für die US-Raumfahrtbehörde sollte das der erste Versuch sein, wie die Telechirurgie zwischen Erde und Mond oder Mars ablaufen könnte. Mindestens ein weiteres Mal testen später Chirurgen und Astronauten in dem Forschungsprogramm „NASA Extreme Environment Mission Operations“, wie es sich aus der Ferne operiert.

Bald darauf startet ein Projekt, in dem ein kleiner Roboter für medizinische Notfälle auf dem Schlachtfeld entwickelt werden soll: Der soll an der Kriegsfront verwundete Soldaten aufnehmen, stabilisieren, Erste Hilfe leisten. „Trauma Pod“ heißt der potenzielle Bergungsroboter mit telemedizinischen Fähigkeiten.

Die drei Projekte verdeutlichen, wie groß die Euphorie um das Thema Telechirurgie noch vor wenigen Jahren war. Doch mittlerweile ist es still geworden um die so verheißungsvoll gestartete Technologie. „Die Idee eines Roboter-Sanitäters beim Militär hat Risse bekommen, weil die Bergungsgeräte empfindlich sind und weil sich die Bedingungen ändern, wie und wo verwundete Soldaten behandelt werden“,  sagt die Chirurgin Myriam J. Curet, Chief Medical Advisor bei dem US-Unternehmen Intuitive Surgical.

Das Unternehmen hat „Da Vinci“ entwickelt, einen ferngesteuerten OP-Assistenten. Dieser war ursprünglich für eben jene visionären Fern-Operationen des Militärs gedacht. Aber davon kam man bald wieder ab, denn die Verbindung zwischen Operateur und Patient, zwischen der Bedienkonsole und dem bedienten Assistenz-Roboter, sei schlicht zu langsam.

Kommentare (2)

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peanko

11.07.2013, 19:01 Uhr

Wo haben Sie denn diesen uralten Artikel ausgegraben und wer entfernd regelhaft Nierensteine mit dem da Vinci?

Wenn Sie mal frische Informationen brauchen, dann wenden Sie sich doch bitte an das PZNW. Hier wird das System 1400 mal pro Jahr genutz und wir wissen auch was da Vinci und das DRG System können.

Gruß
AKoch

Akehl

12.07.2013, 11:20 Uhr

Was Sie nicht bedenken ist, dass Funksignale zum Mars zwischen 4 Minuten und 20 Minuten brauchen bis sie den Patienten erreichen. Das Ergebnis braucht die gleiche Zeit zurück. Wie sollte das gehen? Etwas mehr kritische Recherche bitte bevor Sie einfach etwas reinstellen.

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