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11.11.2013

18:59 Uhr

Telemedizin gegen Ärztemangel

Kann die Telemedizin den Arztbesuch ersetzen?

Ärztemangel besteht längst nicht mehr nur auf dem Land in Brandenburg oder Sachsen. Ärztliche Hilfe aus der Ferne könnte das Problem lösen, glauben Telemediziner. Doch können Ärzte online Diagnosen stellen?

Hinweisschild zum nächstgelegenen Arzt: Mangel an Ärzten besteht nicht nur in ländlichen Gebieten. dpa

Hinweisschild zum nächstgelegenen Arzt: Mangel an Ärzten besteht nicht nur in ländlichen Gebieten.

BerlinMit Verdacht auf Schlaganfall wird ein Patient in ein Krankenhaus eingeliefert. Er kann seine Arme nicht mehr gleichzeitig bewegen: Während er den rechten ohne Probleme hebt, bleibt der linke liegen. Schlaganfall, urteilt ein Neurologe - ohne den Patienten jemals in natura gesehen oder berührt zu haben. Die Diagnose fällt er per Videokonferenz. Vor Ort assistiert ihm ein Arzt, der auf Schlaganfälle allerdings nicht spezialisiert war. Er schaltete den Spezialisten einer größeren Klinik ein und schickte ihm nach der Voruntersuchung die Daten des Patienten.

Was nach Zukunftsmusik klingt, könnte einer der ersten Schritte zur Digitalisierung der Medizin sein. Online Diagnosen stellen und Ärzte per Videochat unterstützen, das könnte nach Meinung von Vertretern der Telemedizin eine Lösung gegen den Mangel an Ärzten in ländlichen Regionen sein. „Wir können dadurch ärztliche Expertise dorthin bringen, wo sie nicht vorhanden ist, aber benötigt wird“, sagt Wolfgang Loos von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin. Diagnosen aus dem Netz sind unter Ärzten und Kassen jedoch umstritten.

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Die Online-Diagnose von Schlaganfallpatienten wäre ohne den Mediziner vor Ort in Deutschland verboten. Ärzte dürfen keine Diagnosen stellen, ohne einen Patienten jemals unmittelbar behandelt zu haben - das gilt auch für die Telemedizin. So steht es in der Musterberufsordnung für Ärzte.

In anderen Ländern sind Ferndiagnosen ohne unmittelbaren Patientenkontakt gang und gäbe - und legal. In der Schweiz beraten professionelle Ärzte beim Unternehmen Medgate telefonisch. In manchen Fällen stellen sie auch Rezepte aus. Loos sagt: „Wir glauben, dass sich das irgendwann auch in Deutschland durchsetzen wird.“

Ein Aufheben des Fernbehandlungsverbots wird von Ärzten und Kassen kritisch gesehen. „Jeder Patient ist anders. Das kann ich nicht per Ferndiagnose machen“, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Roland Stahl. Der Vorsitzende des Telematik-Ausschusses der Bundesärztekammer, Franz Bartmann, stimmt Stahl zu. „Da, wo ein Arzt mit seinen fünf Sinnen mit einem Patienten in Kontakt treten muss, ist er durch Telemedizin nicht ersetzbar.“

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