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10.10.2013

17:44 Uhr

Test an Mäusen

Medikament macht Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer

Wissenschaftler an einer britischen Universität haben an Mäusen ein Medikament getestet, dass gegen Alzheimer helfen könnte. Der Wirkstoff sorgt für die Fortsetzung der Eiweiß-Produktion im Gehirn.

Medikamentenforschung unter Hochdruck: Mehr als 35 Millionen Menschen weltweit leiden an Alzheimer. dpa

Medikamentenforschung unter Hochdruck: Mehr als 35 Millionen Menschen weltweit leiden an Alzheimer.

WashingtonBritische Wissenschaftler haben bei Mäusen mit Erfolg ein Medikament getestet, das künftig im Kampf gegen Alzheimer oder Parkinson eingesetzt werden könnte. Das am Donnerstag im US-Fachmagazin "Science Translational Medicine" vorgestellte Medikament sorgt dafür, dass die Produktion von Proteinen im Gehirn trotz bestimmter neuronaler Erkrankungen fortgesetzt wird.

Krankheiten wie Alzheimer äußern sich in der Ablagerung von fehlgeformten Eiweisstrukturen im Gehirn. Um sich davor zu schützen, stoppt das Gehirn die Produktion neuer Proteine. Die Ansammlung der fehlgeformten Proteinklumpen - bei Alzheimer sind solche Ablagerungen als Plaques bekannt - führt aber dazu, dass dieser Schutzmechanismus nicht mehr abgeschaltet wird. Dadurch wird auch die Produktion von für das Überleben des Gehirns lebenswichtigen Proteinen gestoppt. In der Folge sterben Nervenzellen ab, die Folge ist der Verlust des Gedächtnisses.

Die Alzheimer-Krankheit

Was ist Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, ist eine hirnorganische Krankheit. Dabei werden im Gehirn durch Eiweißablagerungen langsam Nervenzellen zerstört.

Wie häufig tritt Alzheimer auf?

Wo die Gesellschaft stark altert, gibt es dementsprechend viele Betroffene: Alleine in Deutschland gibt es derzeit rund 1,4 Millionen Patienten.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Alzheimer ist lediglich eine mögliche Ursache für Demenz – allerdings mit Abstand die häufigste. Deutlich über 50 Prozent der Demenzfälle sind auf Alzheimer zurückzuführen. Die zweithäufigste Form ist die Vaskuläre Demenz, bei der kleine Infarkte im Gehirn auftreten.

Woran erkennt man Alzheimer?

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen gehören zu den Kardinalsymptomen. Außerdem treten oft Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit auf.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Einen Schutz wie etwa eine Impfung gibt es bei der Alzheimer-Krankheit nicht. Unter anderem können aber körperliche Aktivitäten, eine cholesterinarme Ernährung und gegebenenfalls eine Behandlung von Bluthochdruck das Risiko einer Erkrankung verringern.

Wissenschaftler der Universität Leicester testeten nun ein Medikament, das dafür sorgt, dass die Eiweißproduktion im Gehirn fortgesetzt wird. Das Medikament testeten sie an 29 mit Prionen infizierten Mäusen. Prionen sind infektiöse Partikel, die unter anderem für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verantwortlich sind. Auch hier kommt es zur Bildung von Proteinklumpen im Gehirn. Das Medikament setzt an einem Enzym namens PERK an, das bei der Proteinproduktion im Gehirn eine wichtige Rolle spielt.

Mäuse, die sieben Wochen nach einer Prionen-Infektion mit dem Medikament behandelt wurden, wiesen bei Tests keinen Gedächtnisverlust auf. Eine Untersuchung der Gehirne der getöteten Mäuse bestätigte, dass kaum Gehirnzellen abgestorben waren.

Das Ergebnis sei zwar ein Erfolg, sagte die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Giovanna Mallucci. Noch sei man aber weit entfernt von einem Medikament für Menschen, zumal es noch sehr starke Nebenwirkungen gebe. Auch die britische Alzheimer-Gesellschaft mahnte, die Ergebnisse von Tierversuchen seien nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Es sei noch viel Forschung notwendig.

Weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 35 Millionen Menschen an Alzheimer, der am weitesten verbreiteten Form der Demenz. Die Zahl der Patienten dürfte bis 2030 auf mehr als 65 Millionen ansteigen.

Von

afp

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