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17.12.2014

15:46 Uhr

Tiertraining

Hunde als Helfer in Drogenklinik

Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen. In einem Schloss in Mecklenburg-Vorpommern dürfen Suchtkranke ihren Vierbeiner zur Therapie mitbringen. Die tierischen Begleiter helfen ihnen, neues Vertrauen zu sich und anderen Menschen aufzubauen.

Pfötchen: Hund Püppy gibt der drogenabhängigen Jacqueline Halt und ist fester Bestandteil ihrer Therapie. dpa

Pfötchen: Hund Püppy gibt der drogenabhängigen Jacqueline Halt und ist fester Bestandteil ihrer Therapie.

Tessin„Püppy“ hüpft im Kreis. Die junge Mischlingshündin freut sich sichtlich auf das Lauftraining in der Drogenklinik von Tessin, einem kleinen Dorf nahe Wittenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Besitzerin Jacqueline, 25 Jahre alt und abhängig von illegalen Rauschmitteln, lebt seit einem halben Jahr zur Entwöhnung in der Schloss-Klinik der evangelischen Suchtkrankenhilfe. „Püppy“ sei ihr ein und alles, ohne ihren Hund wäre sie nicht hier, sagt die junge Frau. „Der Hund begleitet mich, er schenkt mir Vertrauen, ist immer da, wenn man mal Schwierigkeiten hat.“

Das 200 Jahre alte Mecklenburger Schloss gilt bundesweit als die erste Suchtklinik, die Tiere der Patienten im Haus wohnen lässt und diese in die Entwöhnungsbehandlung einbezieht, wie Therapeutin Kerstin Milewski sagt. Die Tiertrainerin nimmt „Sky“, einen vierjährigen Husky-Mix, an die kurze Leine und zeigt seinem Herrchen Robert das korrekte Laufen bei Fuß. Auch der 26-Jährige geht fast keinen Schritt ohne seinen vierbeinigen Freund. „Mein Hund ist mein Lebensinhalt und mein künftiger Beruf.“ Nach der Therapie wolle er eine Ausbildung zum Tierpfleger beginnen, sagt Robert.

Seit mehr als zehn Jahren gibt es in Tessin tiergestützte Therapien. Zwar hatten auch davor schon einige Patienten ihre Hunde dabei, doch diese waren nur draußen im Zwinger geduldet, wie Verwaltungschefin Silvia Nierath erzählt. Jetzt seien die Vierbeiner integriert. Das Schloss, früher Altenheim und seit 1995 eine der ersten ostdeutschen Drogenkliniken, wurde extra für die tierischen Mitbewohner umgebaut. In die Patientenzimmer kamen Hochbetten – unerreichbar für die Hunde. Die Vierbeiner haben ihre Schlafstätten direkt unter denen von Herrchen oder Frauchen.

Psychiater Alf Kroker, Chefarzt im Schloss Tessin, sieht große Vorteile in der engen Beziehung seiner Patienten zu ihren Tieren. „Viele Suchtkranke haben alle sozialen Kontakte abgebrochen“, sagt er. Im Mittelpunkt ihres Lebens stand bisher der Konsum illegaler Drogen, alles drehte sich darum, wie für Heroin, Kokain, Haschisch, Crystal oder Speed Geld zu beschaffen ist. Beziehungen zu Freunden und Familien gingen entzwei. „Die Bindung zum Hund blieb oft als einzige bestehen, das Tier gibt den letzten Halt im Leben.“

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