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26.08.2013

12:26 Uhr

Training im OP-Simulator

Wenn bei Frau Meyer die Haut verrutscht

VonNadine Querfurth

Piloten lernen ganz selbstverständlich in Flugsimulatoren. Bei Ärzten ist das Training im Simulator dagegen längst noch kein Standard. Die Charité Berlin gehört zu den Vorreitern beim Simulationstraining. Ein Besuch.

OP-Simulation an der Charité Berlin. Der Patientensimulator kann hunderte Krankheitszustände und körperliche Reaktionen nachstellen. Charité Berlin

OP-Simulation an der Charité Berlin. Der Patientensimulator kann hunderte Krankheitszustände und körperliche Reaktionen nachstellen.

BerlinIm Notfall-OP ist es niemals still. Der Patientenüberwachungsmonitor, ein kleiner weißer Kasten mit Zahlen und Kurven, sendet einen immer wiederkehrenden Ton aus. Das Beatmungsgerät blinkt und piept ebenfalls – in einer anderen Frequenz.

Ruhig liegt die Patientin im Bett, heute heißt sie Frau Meyer. Frau Meyer ist ein Patientensimulator aus Plastik, gespickt mit meterlangen, fingerdicken Kabeln und randvoll mit modernster Technik, die gut 200.000 Euro wert ist. Um sie herum stehen eine Schwester und zwei Ärzte in blauer OP-Kleidung. Gleich wird hier der Ernstfall geprobt.

Plötzlich wird auf dem Überwachungsmonitor ein Flimmern sichtbar, die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt, die Frequenz des Tonsignals fällt ab: ein Notfall. Herzkammerflimmern? Bewusstlosigkeit? Herz-Kreislaufversagen? Zuerst herrscht Ratlosigkeit unter den Ärzten. Dann versuchen sie den Puls zu tasten und bereiten eine Intubation der Patientin vor, um sie mit einer Maschine beatmen zu können.

Interview mit einem Notfallmediziner: „Im Notfall hat man höchstens 30 Sekunden“

Interview mit einem Notfallmediziner

„Im Notfall hat man höchstens 30 Sekunden“

Torsten Schröder ist Anästhesist an der Charité in Berlin. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit dem OP-Simulator und über die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Herstellern von Medizintechnik.

Die Kommunikation im Team muss jetzt stimmen, jede Ansage präzise sein. Wer verabreicht welche Medikamente, wer beatmet? Erreichen alle Ansagen den Richtigen im Team? Die Mediziner spulen einen Notfallalgorithmus ab, der eine Reihe von lebensrettenden Maßnahmen vorsieht. Sie zeigen Erfolg: Nach einiger Zeit ist Patientin Meyer wieder in einem stabilen Zustand.

Im Nebenraum flackern zwei Videobildschirme, die alle Tätigkeiten der Mediziner im Notfall-OP aus verschiedenen Perspektiven aufzeichnen. Auch Ton- und Videomischpult gehören zur Ausstattung. Torsten Schröder, Oberarzt und Anästhesist an der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin in Berlin, klickt noch einmal mit der Maus und schiebt einige Regler in der Software zurück. Dann reißt er die Tür zum OP auf, klatscht Beifall und beendet die Simulation mit der Worten: „Gut gemacht. Vielen Dank!“.

Vor dem Simulationstraining haben Schröder und die Intensivstationsschwester Britta Heuer die Patientin Meyer vorbereitet. Sie haben ihr Betriebssystem hochgefahren und sie über eine Unterarm-dicke Nabelschnur mit einem Rechner verkabelt. Dieses System produziert sämtliche Signale, die Frau Meyer von sich gibt. Ihr Portfolio ist enorm: Lidschlag, Pupillenmotorik, Herzgeräusche, tastbare Pulse, Atemgeräusche, Thoraxbewegungen.

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