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16.05.2014

07:22 Uhr

Transitionsmedizin

Wenn chronisch kranke Kinder erwachsen werden

Früher starben Jugendliche mit einer chronischen Krankheit oft schon vorm Erwachsenwerden. Heute werden Betroffene älter - und ihre Probleme komplexer. Ein junges Feld der Medizin bemüht sich um eine bessere Versorgung.

Chronisch Kranke: Dank des medizinischen Fortschritt steigt ihre Lebenserwartung, in ihrer Betreuung hinkt das Gesundheitswesen aber hinterher. dpa

Chronisch Kranke: Dank des medizinischen Fortschritt steigt ihre Lebenserwartung, in ihrer Betreuung hinkt das Gesundheitswesen aber hinterher.

Frankfurt/MainDass ihm die Samenleiter fehlen, hatte ihm der Kinderarzt nicht gesagt. Devrim Bulut hat Mukoviszidose. Und er wollte immer schon Kinder haben. Devrim, der in Wirklichkeit anders heißt, hätte sich gewünscht, dass ein Arzt früh genug sagt: Wenn Sie Zukunftspläne haben, wird das nicht so funktionieren, wie Sie sich das vorstellen. Wenn chronisch Kranke wie der heute 33-jährige Devrim erwachsen werden, sind die Ärzte dem nicht immer gewachsen.

Kinderärzte geben ihre Patienten, wenn diese 18 Jahre alt werden, in der Regel weiter an Erwachsenenärzte. Dann können Lücken bei Fragen entstehen, die bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie Asthma, Diabetes oder Mukoviszidose (CF) komplexer zu beantworten sind: zu Sexualität etwa, Berufswahl oder auch Kinderwunsch.

Oft kommen bei Erwachsenen zudem neue Komplikationen hinzu, Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose oder Gelenkerkrankungen zum Beispiel. Deshalb brauchen die Patienten eine andere Versorgung als in der Kindheit. Viele Pädiater seien überfordert, Erwachsenenärzte oft nicht ausreichend mit den seltenen Krankheiten vertraut, sagt Lungenarzt Carsten Schwarz vom CF-Zentrum der Berliner Charité.

Früher starben Patienten wie Devrim häufig, bevor sie erwachsen waren. Dem Bericht „Qualitätssicherung Mukoviszidose“ von 2011 zufolge ist die Lebenserwartung solcher Patienten enorm gestiegen: Vor rund 35 Jahren waren weniger als zwei Prozent von ihnen erwachsen, heute sind es etwas mehr als die Hälfte. Sie erreichten 2011 im Mittel das 40. Lebensjahr. Eine Umfrage des Projektes Mukoviszidose ergab, dass knapp 40 Prozent der erwachsenen CF-Patienten weiter in der Pädiatrie versorgt werden.

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