Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2013

14:45 Uhr

Trend zur Eigenversorgung

Firmen produzieren ihren Strom lieber selbst

Seit der Energiewende bauen immer mehr deutsche Unternehmen eigene Kraftwerke. Das ist lukrativ, denn sie sparen Ökoabgaben, Steuern und Netzentgelte. Normale Verbraucher könnte das allerdings teuer zu stehen kommen.

Temperaturanzeige in einem Blockheizkraftwerk: Seit der Energiewende bauen immer mehr deutsche Unternehmen eigene Kraftwerke. dpa

Temperaturanzeige in einem Blockheizkraftwerk: Seit der Energiewende bauen immer mehr deutsche Unternehmen eigene Kraftwerke.

DüsseldorfFür die Metro war es eine Premiere: Deutschlands größter Handelskonzern nahm Anfang Juli seine ersten beiden eigenen Blockheizkraftwerke in Betrieb. Sie produzieren Wärme und Strom für die Metro-Großmärkte in Düsseldorf und Berlin-Marienfelde. Ziel des Unternehmens sei es, „die Unabhängigkeit von der Energiepreisentwicklung zu erhöhen“, sagt eine Metro-Sprecherin. Denn mit der Eigenproduktion kann Metro alle Kosten, die mit dem Bezug von Strom und Wärme verbunden sind, vermeiden - etwa die Ökostrom-Umlage oder die Netzentgelte.

Mit dem Schritt steht die Metro nicht allein. Der Autobauer Daimler hat in den vergangenen Jahren gleich an mehreren Standorten eigene Blockheizkraftwerke gebaut. „Mit dem Ausbau der Eigenversorgung möchten wir auch die Versorgungssicherheit des Werkes erhöhen“, heißt es in Stuttgart. Auch die zum Familienimperium Oetker gehörende Brauereien-Gruppe Radeberger setzt auf die Mini-Kraftwerke, um die Betriebskosten zu senken. Und mit ihnen viele andere Unternehmen. Allein seit 2009 gingen nach einer Übersicht des Energiefachverbandes der deutschen Industrie (VIK) dezentrale Blockheizkraftwerke mit mindestens 1300 Megawatt Leistung in Betrieb.

Nach Einschätzung des Energieexperten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Manuel Frondel, hat der Trend „massive Ausmaße“ angenommen: „Jeder, der kann, versucht dem System zu entkommen und baut eigene Kraftwerke.“ Die Unternehmen könnten so enorme Summen sparen, „weil für den selbstproduzierten Strom weder Stromsteuer, noch EEG-Umlage oder Netzumlage gezahlt werden muss“.

Und Energie ist in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern teuer. Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat hatte Deutschland im zweiten Halbjahr 2012 hinter Zypern die zweithöchsten Energiepreise. Und deutsche Unternehmen klagen immer wieder über die entstanden Wettbewerbsnachteile.

Der Chef der Deutschen Energie-Agentur Dena, Stephan Kohler, betont, große Stromverbraucher wie Bayer oder BASF hätten schon lange eigenen Strom produziert, doch jetzt begännen auch immer mehr mittelständische Unternehmen damit. Gerade wenn die Unternehmen nicht von der EEG-Umlage befreit seien, sei dies für sie ein guter Weg den steigenden Strompreisen ein Schnippchen zu schlagen. „Es gibt einen sehr starken Trend zur Eigenversorgung“, sagt Kohler.

Was für die Unternehmen lukrativ ist, hat allerdings für normale Stromverbraucher einen Haken. „Die Verbraucher, die noch die volle EEG-Umlage bezahlen, werden immer weniger, damit steigt die Umlage für diese Gruppe“, beschreibt Kohler das Problem. Im Klartext: Das Geld, das die Unternehmen etwa bei EEG-Umlage sparen, müssen die anderen Verbraucher zusätzlich zahlen.

Deshalb geht der RWI-Energieexperte Frondel davon aus, dass der Staat bald eingreifen muss. „Die Politik kann nicht mehr lange zusehen, sonst steigen die Belastungen für die übrigen Verbraucher noch mehr.“ Der Beitrag der neuen Firmenkraftwerke zur Versorgungssicherheit ist nach seiner Einschätzung ohnehin eher gering. Frondel: „Die Kraftwerke sind einfach zu klein. Damit allein kann man die Probleme nicht lösen, wenn in absehbarer Zeit große Kapazitäten - Atomkraftwerke und unrentable Gaskraftwerke - vom Markt gehen.“

Von

dpa

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.08.2013, 15:03 Uhr

Ich bin für Alternative Energie, aber die EEG Umlage ist Schwachsinn! Früher oder später wird der Wandel kommen auch ohne EEG!
Die EEG Umlage ist wieder so ein Müll-Konstrukt der schwarz-gelben!
Sollen nur so weitermachen dann verzichte ich lieber gleich auf die komplette Stromversorgung von den Konzerngängstern und mache mich auch autark!

HofmannM

26.08.2013, 15:05 Uhr

Das ist eine fatale Fehlentwicklung in der deutschen Energiepolitik! Wenn die Unternehmen aus dem solidarischen Stromnetz aussteigen, dann erhöhen sich automatische die Kosten für die Instandhaltung und Wartung des weiterhin bestehenden öffentlichen "Bürgerstromnetz"!
Der soziale Schwache in unserer Gesellschaft wird IMMER mer für seinen Strom/Stormnetz bezahlen müssen! Das ist FAKT, wenn die Entwicklung so weiter geht. Damit ist die Energiewende auf Basis des politisch erzwungen EEG ein asozialer und perfider Akt einer ökosozialistischen Energiepolitik!

HofmannM

26.08.2013, 15:12 Uhr

@hellboy
Das EEG ist ein ökosozialistsiches Politik Konstrukt-Gesetz. Die Großkonzerne haben damit nichts zu tun!
Den Konzernen wäre eine Streichung des EEG auch lieber. Die Grünen und alle im deutschen Bundestag etablierten Partein haben für dieses perfide und asoziale EEG (Erneuerbaren Energiegesetz) und damit für die Energiewende gestimmt. Diese sog. Erneuerbaren Energien sind etwas für Reiche Abzocker auf Kosten der sozialen Unter- und Mittelschicht. Das EEG/Energiewende bringen für das deutsche Volk nur Wohlstandsverlust und schaffen eine neue Mangelgesellschaft! Das ist asozial und perfide zu gleich! Wenn Sie Autark sein wollen mit ihrer Energieerzeugung, dann klemmen Sie sich sofort von dem allgemeinen Stromnetz ab und bauen ihr eigenes Heim-Strom-Netz auf. Wirtschaftlich ist dies jedoch reinster Selbstmord für Sie und die anderen Ökostrom Autarkie Gläubigen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×