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09.05.2014

09:44 Uhr

Trotz hoher Preise

Deutsche haben keine Lust auf Stromanbieterwechsel

Nur wenige Kunden wechseln regelmäßig ihren Stromanbieter. Dabei wäre das nötig, um die Preise über den Wettbewerb wenigstens etwas zu drücken. Bei manchen hat die Bequemlichkeit vielleicht bald ein Ende.

Messgerät für Stromverbrauch: Nur jeder Fünfte bekommt seinen Strom laut Netzagentur nicht beim örtlichen Platzhirsch. dpa

Messgerät für Stromverbrauch: Nur jeder Fünfte bekommt seinen Strom laut Netzagentur nicht beim örtlichen Platzhirsch.

BerlinEs war eine Zeit klarer Verhältnisse: Wenige hatten Internet, der Strom kam vom örtlichen Stadtwerk und kostete für einen Drei-Personen-Haushalt knapp 50 Euro im Monat. 1998 war das, das Jahr, in dem der Bund den Strommarkt freigab und die Hoffnung nährte, der Preis könne fallen wie zuvor beim Telefon.

Heute kann jeder wählen, wo er Strom kauft, Hunderte Anbieter und Tarife sind im Netz für jedermann vergleichbar. Doch was ist passiert: Derselbe Haushalt bezahlt für seinen Strom jetzt 84 Euro im Monat, wie der Branchenverband BDEW vorrechnet. Aber nur jeder dritte Haushalt hat seither den Anbieter gewechselt. Warum eigentlich?

„Viele Kunden haben eine Hemmschwelle, ihr Stadtwerk zu verlassen“, meint Holger Krawinkel. Der Energiefachmann der Verbraucherzentralen sieht viel Psychologie im Spiel, eine gewisse lokale Loyalität, von der auch Sparkassen profitierten. Viele schreckten auch die spektakulären Pleiten von Teldafax und Flexstrom ab.

Dabei spart ein Wechsel vielfach mehrere hundert Euro im Jahr - auch wenn die Tarife der 90er Jahre nicht in Sicht sind. „Beim Strom will man schon eine gewisse Sicherheit, will nicht plötzlich im Dunkeln sitzen - was Unsinn ist, weil man immer automatisch in die Grundversorgung rutscht“, sagt der Verbraucherschützer. „Es hat bei vielen noch den Hauch des Unseriösen.“

Wie treu Stromkunden sind, zeigen Zahlen, die die Bundesnetzagentur jetzt vorlegte. 80 Prozent der Haushalte haben einen Vertrag bei einem der Grundversorger, zu denen die vier Großen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zählen, aber auch Hunderte Stadtwerke.

Etwa die Hälfte dieser Kunden zahlt den teuren Grundversorgungstarif, in dem auch jene festhängen, die wegen schlechter Bonität keinen andern Tarif bekommen. Die andere Hälfte hat bei dem lokalen Marktführer immerhin einen billigeren Tarif gewählt. Das war's.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

„Viele haben Schritt eins gemacht, aber nicht Schritt zwei“, sagt Daniel Dodt, Sprecher des Vergleichsportals Toptarif.de. „Sie denken, der Strompreis steigt eh überall und deshalb lohnt es sich nicht.“ Viele wüssten auch nicht, dass sie unkompliziert wechseln können.

Nur jeder Fünfte bekommt seinen Strom laut Netzagentur nicht beim örtlichen Platzhirsch. Es stelle sich die Frage, ob sich „ein gewisses Niveau der Sättigung an wechselwilligen Kunden einstellt“, konstatierte die Behörde schon im vergangenen Jahr.

Denn wer erst die Grundversorgung verlassen hat, hat meist schon den größten Spar-Schritt hinter sich. Weitere Wechsel bringen oft nur noch kleinere Verbesserungen. Denn der Strompreis wird vor allem von Steuern und Abgaben getrieben, die etwa die Hälfte des Preises ausmachen. Die vieldiskutierte Ökostromumlage ist davon nur eine.

„Diejenigen, die mehrfach wechseln, sind in der radikalen Minderheit“, sagt Verbraucherschützer Krawinkel. „Davon bräuchten wir mehr, weil die den Druck in den Markt bringen.“

Der Energieexperte hat aber Hoffnung, dass die Bundesbürger wechselwilliger werden. „Strom als Produkt ist eher unsexy.“ Doch wenn Händler zusätzlich mit Endgeräten lockten, würden die Angebote unterscheidbar. So wie Handy-Tarife, die mit dem neuesten Smartphone kombiniert sind. Erste Beispiele gebe es: etwa den Anbieter N-Ergie, der Kunden in Nürnberg Solaranlagen zum Kauf anbietet, oder Lichtblick, die Mietern in Berlin und Hamburg ermöglichen, selbsterzeugten Strom zu verbrauchen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

09.05.2014, 12:56 Uhr

@Hofmann_Marc

Kurzfristig kann man mit einem Anbieterwechsel schon etwas Geld sparen. Ich wechsele jedes Jahr, das ist auch in wenigen Minuten erledigt. Ds funktioniert natürlich auch nur so lange, wie es Anbieter gibt, die mit defizitären Tarifen kalkulieren, in der Hoffnung, ein gewisser Anteil der Umsteiger würde in einem Jahr das erneute Umsteigen vergessen. Langfristig werden wir von der EEG-Umlage erschlagen, die alle Einsparversuche vereitelt. Da haben Sie sicher Recht.

Deswegen mein Vorschlag: wir haben doch so einen tollen EU-Binnenmarkt, gelle? Der wurde doch mal gegründet, um die Bürger mit Waren und Dienstleistungen zu günstigsten Preisen zu versorgen. Jedenfalls hat man das damals so gesagt. Warum führen wir also nicht einen europäischen "Strommarkt" ein? Das würde ja doch auch vertriebstechnisch Sinn machen, da die deutsche Stromversorgung ohenhin in Kürze komplett vom ausländischen Strommarkt abhängig ist. Schliesslich will man Strom aus dem AKW Fessenheim beziehen, um den fehlenden Strom aus Grafenrheinfeld zu kompensieren Bei einem europäischen Strommarkt mit echtem Wettbewerb kann dann jeder wählen, aus welcher Erzeugungsquelle man den Strom beziehen möchte. Und zu welchen Preisen. Für einige würde es dann richtig billig werden. Für andere exorbitant teuer.

Wird nicht passieren? Da haben Sie wieder Recht! Unser Herr Öttinger möchte nämlich, das künftig für Deutschland ein einheitlicher Gaspreis ausgehandelt wird (wegen der Ukraine). Da wirds wohl für die Deutschen wieder teurer als bisher. Aber das sind wir ja schon gewohnt. Und der Binnenmarkt: der bleibt bei der ganzen Planwirtschaftsplanerei wohl auf der Strecke!

:-D

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/02/eu-will-einheitspreis-fuer-russisches-gas-zahlen/

Irgendwie sind wir Deutschen immer die, die zahlen. Schon merkwürdig.Oder?

Account gelöscht!

09.05.2014, 14:11 Uhr

Das sind gerade mal 2% Strompreissteigerung pro Jahr. Who cares?

Account gelöscht!

09.05.2014, 14:19 Uhr

@RainerFeiden
Was hilft uns ein gemeinsammer Energiestrommarkt auf den wir EU Bürger zugriff haben, wenn die EU-Bürokraten diesen Energiemarkt genauso mit Steuern und Abgaben zu diktieren?!
Es liegt ja nicht an der Stromerzeugung (Kraftwerkmixpark aus Kohle, Gas und Uran), dass der Strom so teuer ist, sondern an dem Markteingriff des Staates per EEG (Erneuerbare Energien) und anderen Gesetzen die uns Bürger auf diktiert worden sind.

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